Vor diesem Hintergrund gab Hohn vor kurzem - um jeden Anschein von Interessenskonflikten zu vermeiden - seinen Posten als Aufsichtsrat des RIT Investmenttrusts der Financiers-Familie Rothschild auf. Im Aufsichtsrat von RIT saß auch Nat Rothschild, der wiederum zur Führungsmannschaft des New Yorker Hedge-Fonds Atticus gehört. Atticus und TCI kennen sich schon lange. 2005 verhinderten sie gemeinsam die Übernahme der Londoner Börse LSE durch die Deutsche Börse. Damals prüfte die deutsche Finanzaufsicht eine mögliche illegale Kooperation der beiden Hedge-Fonds, konnte aber keine Beweise finden. Auch im Übernahmekampf um ABN mischten beide Fonds mit.
Nun richtet sich das Interesse der aggressiven Investoren auf Italien: Generali gehört zwar zu den größten Versicherern Europas. Doch mit einer Börsenkapitalisierung von 44 Milliarden Euro liegt der italienische Marktführer aus Triest hinter Konkurrenten wie der französischen Axa und der deutschen Allianz zurück. Im Vergleich zur Konkurrenz gilt Generali als verschlafen. Mehrfach hat Sergio Balbinot, einer der beiden Vorstandsvorsitzenden Zukäufe im Ausland in Aussicht gestellt, um sich gegen feindliche Übernahmen zu schützen. Zuletzt hat auch der Präsident Antoine Bernheim gesagt, dass eine Übernahme den Marktwert um mindestens 20 Prozent bis 30 Prozent steigern sollte. Doch bisher sind den Ankündigungen keine Taten gefolgt. Lange wurde außerdem spekuliert, dass Generali in Großbritannien Prudential oder Aviva übernehmen könnte.
Auch die Corporate Governance von Generali ist ungewöhnlich: Zum einen hat der Versicherer mit Giovanni Perisinotto und Sergio Balbinot gleich zwei Vorstandsvorsitzende, kam dafür aber in seiner 176-jährigen Geschichte ganz ohne Finanzvorstand aus. Erst im vergangenen Monat hat der Versicherer mit Raffaele Agrusti zum ersten Mal einen Finanzvorstand ernannt. Zum anderen hat der Versicherer mit dem 83-jährigen Bernheim einen Präsidenten, der zwar offiziell ein „non executive chairman“ ist, aber de facto einer der mächtigsten Menschen bei Generali und in der italienischen Finanzwelt.
Hauptaktionär von Generali ist Mediobanca mit mehr als 15 Prozent. Doch auch die Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo und die italienische Zentralbank halten relevante Beteiligungen.

