Der maßgeblich am Rücktritt von Ex-Vorstandschef Werner Seifert beteiligte Hedge-Fonds TCI hält mittlerweile mehr als 10 Prozent der Aktien an der Deutschen Börse. Auch beim Wunschpartner Euronext ist der Investor stark engagiert.
HB FRANKFURT. Der britische Investor The Children's Investment Fund (TCI) habe zum 10. April die entsprechende Meldeschwelle überschritten, hieß es in einer Finanzanzeige in der „Börsen-Zeitung“ vom Dienstag. TCI verfüge nun über 10,06 Prozent der Stimmrechtsanteile, dies entspreche gut 10,26 Mill. Aktien. Hintergrund sind offenbar aber keine weiteren Anteilskäufe durch den Hedgefonds. Vielmehr habe sich der TCI-Anteil automatisch erhöht, nachdem die Börse vor einem Monat 3,9 Mill. eigene Papiere eingezogen habe, hieß es in der Anzeige.
TCI hatte im vergangenen Jahr zusammen mit anderen Hedge-Fonds die Pläne der Börse zur Übernahme des britischen Konkurrenten London Stock Exchange torpediert. Das Management ließ das Vorhaben schließlich fallen und kündigte stattdessen ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm an. Vorstandschef Werner Seifert und der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Breuer mussten ihren Hut nehmen.
Jetzt versucht die Deutsche Börse, mit der französisch dominierten Euronext zusammenzugehen, die dies jedoch bislang abblockt. Der Vorstand will laut einem Pressebericht an diesem Mittwoch einen weiteren Versuch starten, den Widerstand gegen eine Fusion mit der Deutschen Börse zu organisieren. Das Management wolle die Fusionsgegner unter den Euronext-Aktionären gegen die von Hedge Fonds befürwortete Verschmelzung in Stellung bringen, berichtete das „Wall Street Journal Europe“ in seiner Mittwochsausgabe unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise.
Die Euronext-Führung wolle auf diese Weise verhindern, dass sie bei der Hauptversammlung am 23. Mai auf Gespräche mit nur einem möglichen Partner festgelegt wird, hieß es in dem Bericht weiter. Sie wolle eine möglichst große Zahl von Aktionären gegen einen Antrag der Investmentgesellschaft Winchfield Holdings in Stellung bringen, in dem es heißt, eine Verschmelzung mit der Deutschen Börse sei im besten Interessen der Euronext-Anteilseigner. Winchfield werden Verbindungen zu den Hedge-Fonds TCI und Atticus nachgesagt, die sich für eine Fusion mit dem Frankfurter Börsenbetreiber ausgesprochen haben.
Bei dem Aktionärstreffen sollen mehrere Möglichkeiten erörtert werden. Die Fusion mit der Deutschen Börse werde von der Euronext zwar weiterhin als ernsthafte Option angesehen, sie wolle jedoch auch noch andere Varianten prüfen, berichtet das Finanzblatt. TCI und Atticus verfügen laut Zeitung zusammen über einen Anteil von annähernd 20 Prozent an der Euronext. Die Aktionäre, die die Position des Euronext-Vorstandes bei der Hauptversammlung unterstützen, kämen voraussichtlich auf knapp unter 20 Prozent.

