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02.06.2008 
Öffentlich-rechtliche Kreditinstitute

Helaba legt sich mit Haasis an

von Peter Köhler

Der Chef der Landesbank Hessen-Thüringen wirft dem Sparkassenverband eine falsche Strategie vor: Mit der öffentlich erhobenen Forderung nach einer Verdichtung auf zwei oder drei Landesbanken würde Sparkassenpräsident Haasis den einzelnen Häusern schweren Schaden zufügen.

Merl schießt gegen Haasis. Foto: dpaLupe

Merl schießt gegen Haasis. Foto: dpa

MOSKAU. In der Diskussion um die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute hat sich der Richtungskampf zwischen Sparkassen und Landesbanken jetzt verschärft. Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Günther Merl, wirft Sparkassenpräsident Heinrich Haasis vor, mit seinen wiederholten öffentlichen Forderungen nach einer Verdichtung auf zwei oder drei Landesbanken den einzelnen Häusern schweren Schaden zuzufügen. Zwar hält auch Merl ein Zusammengehen mit anderen Landesbanken grundsätzlich für richtig. "Man darf dieses Thema aber nicht dauernd in der Öffentlichkeit strapazieren, wie es Haasis seit Monaten tut", sagte Merl am Rande der Eröffnung einer Repräsentanz in Moskau gegenüber dem Handelsblatt. Solche Gespräche müssten lautlos erfolgen, wenn man am Ziel sei, könne man dann auch nach außen gehen. "Sonst wird die Diskussion ein Schuss in den Ofen", gibt der Landesbankchef zu bedenken.

Die von Haasis öffentlich geforderte Konsolidierung verstört laut Merl Kunden, Mitarbeiter, Ratingagenturen und die Geschäftspartner der Landesbanken an den Kapitalmärkten. "Die großen institutionellen Geldgeber an den internationalen Kapitalmärkten sind verunsichert, die Refinanzierung ist schwieriger geworden. Die US-Investoren wissen um die Fusionsdebatte in Deutschland und halten sich deshalb zurück", warnt der Vorstandsvorsitzende der Helaba. Auch die Rekrutierung von qualifizierten Mitarbeitern werde schwieriger, bei Einstellungsgesprächen werde immer öfter gefragt, ob die jeweilige Bank auch langfristig der Arbeitgeber bleibe. Ferner wollten auch die Kunden darüber Klarheit haben, wer dauerhaft der Bankpartner sei. "Das Kundenvertrauen wird durch die Äußerungen von Haasis leichtfertig aufs Spiel gesetzt", so Merl.

Der Streit über die richtige Zukunftsstrategie für die sieben noch selbstständigen Landesbanken hat sich durch die Finanzkrise verschärft. Nach den Verlusten und Milliardenabschreibungen bei Häusern wie der WestLB, BayernLB und der SachsenLB drängen die regionalen Sparkassenverbände als gewichtige Eigentümer der Landesbanken auf eine rasche Konsolidierung, um die zukünftigen Risiken zu minimieren. Sparkassenpräsident Haasis wünscht sich aber nicht nur weniger Landesbanken, er will sie auch vom direkten Privatkundengeschäft fern halten. Häuser, die hier schon einen Fuß in der Tür haben, sollen sich aus dem Massengeschäft wieder zurückziehen.

Für die Helaba würde das bedeuten, dass sie die übernommene Frankfurter Sparkasse wieder abgeben müsste. Entsprechende Bestrebungen des regionalen Sparkassenverbands werden derzeit in der hessischen Landespolitik kontrovers diskutiert. Merl wehrt sich gegen diese Pläne. "Die Sparkassenverbände denken an eine Filetierung des Landesbankgeschäfts in zwei Teile, nämlich einerseits das Privatkundengeschäft und andererseits das Wholesale-Banking. Das ist die falsche Strategie", meint der Landesbankchef.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Flexible Geschäftsmodelle entschärfen Zwang zu Hochrisikogeschäften"

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