Hinweise auf Bestechlichkeit: Ergo-Prüfer entdecken weitere Verfehlungen

Hinweise auf Bestechlichkeit
Ergo-Prüfer entdecken weitere Verfehlungen

Für die Ergo beginnt das neue Jahr, wie das alte endete: Erneut wird ein Revisionsbericht öffentlich, der grobes Fehlverhalten in der Versicherung beschreibt. Vertreter sollen sich überhöhte Provisionen gesichert haben.
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DüsseldorfKleine Geschenke erhalten die Freundschaft – oder auch mehr. Dem Handelsblatt liegt ein Bericht der Ergo-Revision vor, in dem offen von Kundenschädigung, Hinweisen auf mögliche Bestechung und Verschleppung zu lesen ist. Freie Vertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer schlossen mit Unternehmen so genannte Kollektivverträge, die deren Mitarbeitern besonders günstige Konditionen garantierten.

Weil die Vertreter aber höhere Provisionen verdienten wollten, verkauften sie im Einzelgespräch dann ganz andere Verträge. „Aus den damit verbundenen höheren Abschlusskosten haben sich Nachteile in Form von geringeren garantierten Monatsrenten für die Versicherten ergeben“, heißt es im Revisionsbericht. „Für die beteiligten Vertreter führte dies zu überhöhten Provisionswerten in Höhe von rund 153.000 Euro.“

In der Vergangenheit betonte Ergo stets, wie verhältnismäßig klein das Problem sei. So hätte sich bei einer Untersuchung aller 40.152 Verträge bei nur 344 Kundenunternehmen „Klärungsbedarf ergeben“. Für die bisher potenziell kritischen Fälle seien 600.000 Euro für rückwirkende Vertragsumstellungen nötig. Dies entspricht laut Ergo lediglich 0,005 Prozent der Deckungsrückstellungen in diesem Geschäftsbereich.

Laut Revisionsbericht jedoch war die Kundenschädigung zwar das Werk von Einzeltätern, es lägen aber auch klare Hinweise für Beihilfe aus der Zentrale vor. „Die Wahl der falschen Kollektive wurde offensichtlich durch Organisationsverschulden ermöglicht“, schreiben die Revisoren. So soll ein involvierter Vertreter laut Zeugenaussagen dem in der Fachabteilung zuständigen Spezialisten „eine teure Omega Uhr“ geschenkt haben – als Dank für dessen „Unterstützung“. Außerdem habe die Verwaltung Neuverträge bearbeitet, obwohl sie ohne die vorgeschriebenen „Betreuungs-Begleit-Scheine“ eingereicht wurden.

Die Ergo-Revisoren folgern: „Es liegt ein kollusives Handeln zwischen den handelnden Personen in Vertrieb und Verwaltung nahe.“ Eine scharfe Formulierung. Der Duden definiert kollusiv als: „unerlaubt zum Nachteil eines Dritten zusammenwirkend.“

Ergo-Chef Torsten Oletzky muss nun erneut erklären, warum in seinem Hause gravierende Regelverstöße bei Bekanntwerden nicht abgestellt, sondern jahrelang verschleppt werden. Denn laut Revision waren die Vorgänge aus der Betrieblichen Altersvorsorge in der Verwaltung schon seit 2003 bekannt. Und obwohl in der Folgezeit ein hoher Vertreter mehrmals entsprechende Hinweise gab, wurde das Problem nicht bearbeitet. Wörtlich im Bericht: „Der Beschwerdekomplex hätte deutlich früher behandelt und geklärt werden können, wenn aufgrund der in den Jahren 2004 und 2006 gegebenen Hinweisen angemessen reagiert worden wäre.“

 

Kommentare zu " Hinweise auf Bestechlichkeit: Ergo-Prüfer entdecken weitere Verfehlungen"

Alle Kommentare
  • Während die deutschen Handballer gerade die Deutsche Fahne hochhalten,werden sie mit ihrer Rückenwerbung geradewegs zum Handlanger dieser niederen Interessen degradiert.
    Man scheint bei der ERGO das Geld der Versichertengemeinschaft für Werbeausgaben in Millionenhöhe
    zu verschleudern um dadurch von dem eigenen desolaten Zustand abzulenken.Gleichzeitig werden vermeintlich schlechte Risiken auch in jahrzehntelang schadensfreien Versicherungsverhältnissen gnadenlos hinausgekündigt und man verzögert die Regulierung fälliger Schädensersatzansprüche über jede Schmerzgrenze hinaus.
    ERGO, mach weiter so,und es wird sich bald auch bei den Ängstlichen dieser Nation die Erkenntnis durchsetzen,dass "Versichern" nicht "verstehen",sondern "verscheissern" bedeutet.

  • Ihren ,,Sarkasmus" in ehren.

    Ob die geschädigten Kunden der ERGO auch ihren ,,Sarkasmus"
    tolerieren, bleibt zweifelhaft.

  • Haben Sie zu Weihnachten einen Fremdwörter-Duden bekommen oder über die Feiertage Wikipedia entdeckt? Dann viel Spaß noch damit. Guten Abend.

  • Es ist bemerkenswert, dass sie wie Sie es nennen obsolet
    (altmodisch, altertümlich etc.)verstanden haben.

    (Eine weitere, nebenbei nicht in Gänze richtige ,,Aufklärung"

    Da Sie von ihrer ,,Aufklärung" sehr überzeugt sind,
    klären Sie bitte auf. Warum eine Umschichtung von hoch- in
    niedrig verzinste Verträge vorgenommen wurde.

    Da Sie bisher in den Kommentaren ,,dogmatisch" gewirkt haben,
    wird konkludiert das Sie über die ,,Kausalität" keine Angaben machen können.


















  • Ergo-Chef Torsten Oletzky muss nun erneut erklären, warum in seinem Hause gravierende Regelverstöße bei Bekanntwerden nicht abgestellt, sondern jahrelang verschleppt werden. Denn laut Revision waren die Vorgänge aus der Betrieblichen Altersvorsorge in der Verwaltung schon seit 2003 bekannt.
    Und obwohl in der Folgezeit ein hoher Vertreter mehrmals entsprechende Hinweise gab, wurde das Problem nicht bearbeitet.

    Wörtlich im Bericht:

    „Der Beschwerdekomplex hätte deutlich früher behandelt und geklärt werden können, wenn aufgrund der in den Jahren 2004 und 2006 gegebenen Hinweisen angemessen reagiert worden wäre.“


    Auf die Erklärung darf der Leser gespannt sein.

  • Ihr Fleiß ist bewundernswert. Die Großzügigkeit, mit der Sie das von mir Geschriebene ignorieren bzw. übergehen, nicht weniger. Eine weitere, nebenbei nicht in Gänze richtige "Aufklärung" über unser hiesiges Rechtssystem ist obsolet. Trotzdem vielen Dank für Ihre Bemühungen.

  • Machen wir es kurz: Das Handelsblatt ist einzigartig. Ich habe bereits 3 Kerzen auf meinen HB Altar angezündet. Warum ich frustriert bin, schrieb ich bereits. Sie gaben mir übrigens gerade weitere Gründe. Und (ich weiß zwar nicht genau, warum ich das hier jetzt schreibe) ich bin KEIN Mitarbeiter der ERGO. Verstehen Sie das als eidesstattliche Aussage. (Zur Info: Ich bin im Gegensatz zu Ihnen registrierter User, mithin auffindbar.)

  • ,,zivilrechtliche Rechtswidrigkeit"
    wie bekannt hat die ERGO nach eigenem bekunden,
    die ,,geschädigten Kunden" angeschrieben zwecks
    Wiedergutmachung.
    Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die
    ERGO einräumt, dass von ihr rechtswidrige Handlungen
    vorgenommen wurden, zum Beispiel bei der Umschichtung
    von hoch- in niedrig verzinste Verträge, und bereit ist,
    Wiedergutmachung zu leisten.(Zivilrechtlich)

    Auch wenn man hier gute Absichten bekundet, und die Kunden
    entschädigt hat, bleibt es eine ,,rechtswidrige Handlung"
    (Zivilrechtlich) Ist Ihnen eine Person/Unternehmen bekannt
    der aus freien Stücken Schadensersatzansprüche bezahlt,
    wenn er den Schaden ,,nicht" verursacht hat?

    ,,positive Rechtswidrigkeit"

    Beispiel:Ich treffe auf eine verletzte Person, um schnelle
    Hilfe zu holen, bediene ich mich eines Fahrrads, ohne den
    Eigentümer/Besitzer darüber in Kenntnis zu setzen.Somit
    liegt meiner seits eine ,,Rechtswidrigkeit" vor.
    Dem kann entgegengehalten werden, dass ich durch das Fahrrad
    schnellere Hilfe holen konnte.(Selbsthilfe)Somit haben wir
    hier den Tatbestand ,,positive Rechtswidrigkeit"

    Wenn die ERGO den ,,Rechtfertigungsgrund" angeben würde, aus
    der Not eine ,,Rechtswidrigkeit" begangen zu haben,denn
    sollte man auch den Notleidenen angeben. Bei mir war es die
    verletzte Person.Können Sie bei der ERGO feststellen, wer aus
    der Not geholfen wurde? Somit entfällt bei ERGO die
    positive Rechtswidrigkeit. Was übrig bleibt ist die
    Rechtswidrigkeit die ERGO eigens eingeräumt hat.

    ,,Bekanntlich hört bei Geld die Freundschaft auf"

  • Sie sind also frustriert,

    weil mutige Quellen dem Handelsblatt die Wahrheit
    über die kollusiven und dolosen Geschäftspraktiken Ihres Arbeitgebers, Ergo, zukommen lassen.

    Dank dem Handelsblatt,
    hat ein Frauenhaus 83.000,- € von der Munich Re erhalten, nachdem Oletzky seit 2010 erfolglos versucht hatte, den Sexskandal auf Kundenkosten aus 2007 zu vertuschen.

    Dank dem Handelsblatt,
    wurden Tausende geschädigte Riester-Kunden von Ergo erst 2011 entschädigt, obwohl die Leben-Fachabteilung seit 2005 von den falschen Formularen wußte.

    Dank dem Handelsblatt,
    beschäftigt sich die Hamburger Staatsanwaltschaft
    mit der Vorstandsklausurtagung Ihres Arbeitgebers wegen Betrug.

    Gegen Ihre Frustration würde helfen, wenn Sie
    der Ergo und der Munich Re einmal empfehlen würden,
    die wahre Bedeutung von Compliance und Seriösität zu googeln.

    Ergo stellt Mißstände nämlich selber erst dann ab,
    wenn sie in der Zeitung stehen.

    Daher vielen Dank dem Handelsblatt.

    Die Frauen verachtende Haltung,
    Bändchen am Handgelenk der x-fach penetrierten Damen,
    des Ergo-Konzerns ist beispiellos.

    Nicht nur in der Versicherungsbranche.

  • Quelle: Wikipedia. Haben Sie doch glatt vergessen. Also ehrlich, könnte fast rechtswidrig sein ;-) Wird es wahrscheinlich auch. Aber das entscheiden (<= !!!!) (zum Glück) nicht Menschen wie Sie und ich. (Was übrigens exakt das ist, was ich schrieb.) Um aber wieder auf den für mich wichtigen Punkt in dieser fragwürdigen Ganz-ERGO-ist-immer-der-Buhmann-Debatte zu kommen, erlaube ich mir, Sie bzw. Wikipedia zu zitieren: Man sollte die Rechtswidrigkeit unterscheiden und nicht globalisieren.

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