Schwierigkeiten bei der Kreditweitergabe, abgesagte Übernahme-Deals, Klagen über Vertragsbruch, Turbulenzen im eigenen Firmen-Portfolio: Dem „Höllenhund“ Cerberus fällt das Verdauen immer schwerer. Wie die Kreditkrise einen der erfolgreichsten und zugleich verschwiegensten Finanzinvestoren ins Rampenlicht zerrt. Eine Handelsblatt-Reportage.
Feinfühlig geht es nicht gerade zu, wenn Mitarbeiter von Cerberus Capital Namen kreieren: „Death Star“ nennen viele ihr New Yorker Hauptquartier im 22. Stock an der Park Avenue Nummer 299. Der „Todesstern“ ist die riesige Raumstation des bösen Imperiums aus den „Star Wars“-Filmen, deren Feuerkraft ausreicht, einen ganzen Planeten mit einem einzigen Schuss zu vernichten.
Und dann dieser Name, den Banker und Berater lieber heute als morgen aus dem Briefkopf der Investmentfirma gelöscht sehen würden: „Cerberus“ – jener furchterregende Höllenhund mit drei Köpfen, der in der griechischen Mythologie das Tor zur Unterwelt bewacht. Vor 15 Jahren konnte Firmengründer Stephen Feinberg nur ahnen, dass er mit einer solchen Kreatur nicht gerade Sympathiepunkte in der Öffentlichkeit sammeln würde. Heute weiß er es.
Seine Gesellschaft, ein so mächtiges wie geheimnistuerisches Imperium mit rund 50 Firmenbeteiligungen in aller Welt, ist unter mediales Dauerfeuer geraten: Schwierigkeiten bei der Kreditweitergabe, abgesagte Übernahme-Deals, Klagen über Vertragsbruch, Turbulenzen im eigenen Firmen-Portfolio – selten zuvor war es in der Kommandozentrale von Cerberus an der schicken Park Avenue so ungemütlich wie heute.
Denn das Enfant Terrible der Private-Equity-Gesellschaften ist doppelt unter Druck: Wegen der Finanzkrise sind die billigen Milliardenkredite passé, mit denen Cerberus & Co. ihre Imperien schmiedeten. Zugleich gerät Cerberus stärker als die Konkurrenten operativ in die Klemme, weil zentrale Teile des Portfolios derzeit in Krisen-Branchen geteert und gefedert werden: die sterbenskranke Auto-Ikone Chrysler und der 35 Milliarden Umsatz-Dollar schwere Kreditfinanzierer GMAC.
Bild für Bild: Wie es zur Subprime-Krise kam
Hinter vorgehaltener Hand munkelt gar schon manch ein prominenter Banker, Cerberus könne gar der erste Großinvestor sein, der selbst in einen Liquiditätsengpass gerät.
Das Geschäftsmodell der Private-Equity-Unternehmen wankt.
Die Folge: Auch die Höllenhunde von Cerberus werden dorthin gezerrt, wo sie nie sein wollten – ins Rampenlicht. Um die bösen, die Märkte beunruhigenden Spekulationen über drohende Cash-Engpässe auszumerzen, ging Cerberus einen radikal neuen Weg – den eines Interviews. „Wir haben mehr als zehn Milliarden Dollar Liquidität“, sagte Mark Neporent, Cerberus-Geschäftsführer, dem „Wall Street Journal“. Aber wäre das Kapital im Notfall auch verfügbar?
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Geheimniskrämerei von Cerberus hat einen großen Vorteil.



