HRE-Prozess
Funke kneift

Die Spannung war groß: Im Prozess um Schadenersatzforderungen gegen die Pleitebank Hypo Real Estate sollte deren früherer Chef Georg Funke aussagen. Doch er sagte kurzfristig ab – um sich zu schützen.
  • 4

MünchenDer frühere Chef der Hypo Real Estate (HRE), Georg Funke, hat seine Aussage vor dem Oberlandesgericht München abgesagt. Funke habe sich entschieden, wegen der laufenden Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft nicht zu dem Prozess zu erscheinen, sagte sein Anwalt am Donnerstag. Dies habe Funke ihm in einem Gespräch am Mittwochabend mitgeteilt. Zuvor hieß es, Funke wolle am Donnerstag aussagen.

Funke war nach dem HRE-Debakel von München nach Mallorca gezogen, wo er mit Ferienimmobilien handelte. In dem milliardenschweren Schadenersatzprozess werfen ehemalige Aktionäre dem einstigen Bankchef vor, die wahre Lage der HRE in den Jahren 2007 und 2008 zu lange verschleiert und ihnen dadurch massive Verluste eingebrockt zu haben. Sie fordern mehr als eine Milliarde Euro Schadenersatz.

Der Ex-HRE-Chef hat einer Zeugenaussage zufolge bereits vor der Übernahme der Depfa-Bank mit hohen Verlusten bei der späteren Tochter gerechnet. In einem Telefonat habe Funke im September 2007 erklärt, es sei über mehrere Jahre mit einem mittleren zweistelligen Millionenverlust zu rechnen, sagte ein Fondsmanager der britischen Finanzfirma Governance for Owners am Donnerstag im milliardenschweren Schadenersatzprozess vor dem Oberlandesgericht München.

„Ich habe mir das so notiert.“ Seine Notizen zeigte er im Gerichtssaal den Richtern und Anwälten. „Der Geschäftsplan der Depfa ist Phantasie“, zitierte der Investor aus seinen Gesprächsnotizen den Münchner Banker. Der Fondsmanager veranschlagte den Fehlbetrag auf eine etwa halbe Milliarde.

Gut ein Jahr nach dem Telefonat geriet die HRE in größte Not, weil die Depfa Geld langfristig verliehen und sich extrem kurzfristig refinanziert hatte. Nach der Lehman-Pleite ging diese Rechnung nicht mehr auf und die Bank kam nicht mehr an Geld: Es fehlten plötzlich 35 Milliarden Euro. Nach der Notrettung mit Steuermilliarden wurde die HRE im Jahr 2009 verstaatlicht. Die Aktionäre mussten ihre Papiere zum Preis von 1,30 Euro an den Staat abgeben.

Die klagenden Aktionäre werfen dem damaligen Management um Funke vor, die wahre Lage der HRE zu lange verschleiert und ihnen dadurch massive Verluste eingebrockt zu haben. In dem Musterprozess fordern sie mehr als eine Milliarde Euro Schadenersatz. Sollten sie sich vor Gericht durchsetzen, würde dies letztlich die Steuerzahler in Deutschland treffen, da die Bank bis heute im Staatsbesitz ist.

In einem Schreiben habe er Funke darauf hingewiesen, dass die Verlusterwartungen in der englischen Übersetzung des Börsenprospekts nicht ausreichend klar seien, sagte der Fondsmanager am Donnerstag weiter. Der seinerzeitige HRE-Chef habe ihm schriftlich geantwortet, rechtlich verbindlich sei allein die deutsche Variante. Die Erwartungen seien allerdings in beiden Versionen ausreichend klar.

Kommentare zu " HRE-Prozess: Funke kneift"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • wenn ich mal vor gericht stehe, werd ich mir auch von fall zu fall überlegen, ob ich einen 'auftritt kurzfristig absage' ...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%