Erstmals hat eine internationale Großbank offen eingeräumt, dass sich das Problem mit faulen Krediten vom US-Häusermarkt auf andere Geschäfte ausbreitet. Der Chef der britischen Bank HSBC, Stephen Green, sagte, inzwischen hätten sich auch das Kreditkartengeschäft, Autofinanzierungen und andere Konsumentendarlehen angesteckt.
LONDON. Die Kreditkrise an den internationalen Kapitalmärkten droht sich weiter auszubreiten. Die britische Großbank HSBC
musste einräumen, dass nach dem Markt für US-Immobilienkredite auch das Kreditkartengeschäft und andere Verbraucherkredite in den USA für Verluste sorgen. Experten hatten bereits befürchtet, dass sich die Krise, deren Epizentrum am Markt für zweitklassige US-Hypothekendarlehen liegt, auf andere Märkte ausbreiten wird.
Die sogenannte Subprime-Krise hatte bereits im dritten Quartal zu Milliardenverlusten der Finanzhäuser geführt. Die HSBC-Zahlen
signalisieren jetzt, dass die Serie der Abschreibungen weitergehen und auch die Ergebnisse des Schlussquartals 2007 verhageln wird. Experten schätzen den Gesamtschaden allein in den USA auf 200 bis 250 Mrd. Dollar. Bill Gross, Chef der US-Fondsgesellschaft Pimco, sprach sogar von einem "Eine-Billion-Dollar-Problem“. Zuletzt mussten die US-Geldhäuser Bank of America
und Bear Stearns
einräumen, dass im vierten Quartal voraussichtlich noch einmal Abschreibungen von drei bzw. 1,2 Mrd. Dollar fällig werden.
Die drittgrößte Bank der Welt, HSBC,
musste im dritten Quartal 3,4 Mrd. Dollar für faule Kredite zurücklegen, das sind 1,4 Mrd. Dollar mehr als geplant. Die Probleme breiteten sich vom Häusermarkt auf andere Geschäfte in den Vereinigten Staaten aus, räumte HSBC-Chairman
Stephen Green ein. Inzwischen hätten sich auch das Kreditkartengeschäft, Autofinanzierungen und andere Konsumentendarlehen an der Subprime-Krise angesteckt.
Eine weitere Verschlechterung der Lage sei möglich, falls die Turbulenzen anhielten, warnte HSBC.
Green geht inzwischen davon aus, dass die Spätfolgen der Krise bis weit ins Jahr 2008 und "möglicherweise bis 2009“ reichen könnten.
Mit seinen Problemen steht HSBC
nicht alleine da. Die jüngsten Nachrichten von Wall-Street-Banken machen deutlich, dass auch andere Geldhäuser mit höheren Ausfallraten im Kreditkartengeschäft kämpfen. Capital One,
der größte unabhängige Ausgeber von Visa- und Mastercard-Karten,
erhöhte die Verlustprognose für sein gesamtes Kreditportfolio in 2008 auf rund 5,5 Mrd. Dollar. Die Amerikaner schieben mittlerweile einen Berg von 900 Mrd. Dollar an Kreditkartenschulden vor sich her. Damit hat dieser Bereich ein ähnliches Volumen wie der schwer angeschlagene Subprime-Markt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: 13 Mrd. Dollar für faule Kredite?
Wegen der Probleme in den USA will HSBC
dort weitere 260 Filialen schließen. Damit stehen in den Staaten insgesamt 1 000 Zweigstellen der britischen Bank vor dem Aus. Analysten gehen davon aus, dass die Probleme damit noch nicht ausgestanden sind. Die Experten von Morgan Stanley
warnen, dass HSBC
im kommenden Jahr bis zu 13 Mrd. Dollar für faule Kredite abschreiben muss, das wären mehr als doppelt so viel wie 2006.
Dank des guten Geschäfts in den Emerging Markets kündigte HSBC
aber trotz der Belastungen in den USA für das dritte Quartal einen höheren Gewinn an. Nach dieser Nachricht stieg die Aktie der britischen Bank gestern um 2,3 Prozent.
Die Erholung konnte allerdings den US-Investor Eric Knight nicht beeindrucken. Der Finanzier, der sich mit seiner Gesellschaft Knight Vinke an HSBC
beteiligt hat, fordert seit Monaten einen radikalen Umbau der Bank. Gestern rechnete Knight vor, dass die Abschreibungen im US-Geschäft die Gewinne des Privatkundengeschäfts in den Emerging Markets der vergangenen viereinhalb Jahren aufgezehrt hätten.
Knight wirft HSBC
Wertvernichtung im Investment-Banking vor und dringt auf Änderungen in der Führungsmannschaft. Knight Vinke ist selbst nur mit rund 0,3 Prozent an HSBC
beteiligt, konnte mit den großen US-Pensionsfonds Calpers und Calsters aber zwei mächtige Verbündete gewinnen.

