Europas größte Bank HSBC will die eigene Position in Asien stärken und für 6,3 Milliarden Dollar in bar einen Mehrheitsanteil an der Korea Exchange Bank (KEB) erwerben.
HB LONDON/SEOUL. Über die Tochter Asia Pacific Holdings (HSBC Asia) würden die 51 Prozent des US-Investors Lone Star Funds als Mehrheitseigner der sechstgrößten südkoreanischen Bank übernommen, teilte das britische Finanzhaus am Montag mit. Damit würde Lone Star sein ursprüngliches Investment mehr als vervierfachen.
Das Vorhaben muss allerdings noch von der Regierung und den Aufsichtsbehörden abgesegnet werden, was Analysten zufolge ein aufwendiges Verfahren wird. Pläne ausländischer Banken, in den südkoreanischen Markt einzusteigen, sind in Seoul wiederholt auf Ablehnung gestoßen. „Das Angebot ist sehr hoch angesetzt. Aber das letztlich Entscheidende ist, ob die Regierung es genehmigen wird“, erklärte ein Experte von Hana Daetoo Securities.
Es gibt außerdem Gerüchte, wonach bei der Übernahme der KEB durch Lone Star im Jahr 2003 nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hatte damals ein früherer Mitarbeiter des Finanzministeriums zusammen mit dem KEB-Chef und einem von Lone Star beauftragten Anwalt die Verluste der Bank überhöht dargestellt, um den Preis um rund 900 Mill. Dollar zu drücken. Zumindest bis die Ermittlungen dazu eingestellt sind, gilt eine Kaufgenehmigung als unwahrscheinlich.
HSBC will mit der Übernahme seine Präsenz in dem hart umkämpften, aber lukrativen südkoreanischen Markt ausweiten. Konkurrenten wie Citigroup und Standard Chartered haben bereits ihre Position in der viertgrößten Wirtschaft Asiens durch den Kauf dortiger Rivalen augeweitet.
Sollten die behördlichen Hürden bewältigt werden, würden die Anteile von LSF-KEB Holdings SCA übernommen. Eine Offerte für die Anteile der übrigen Aktionäre sei derzeit nicht geplant, erklärte HSBC. KEB soll an der lokalen Börse gelistet bleiben. HSBC-Finanzchef Douglas Flint äußerte sich optimistisch, die Übernahme abwickeln zu können. Das Kaufangebot sei nicht überhöht und vergleichbar mit anderen Transaktionen in Korea, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. KEB hat einen Marktwert von etwa 5,1 Mrd. Dollar.
Für einheimische Finanzhäuser wie die Kookmin Bank ist das Geschäft Experten zufolge ein Rückschlag. Diese Banken müssten sich dann strategisch neu ausrichten. Kookmin hatte bereits im November vergangenen Jahres versucht, Lone Stars Anteile an KEB zu übernehmen. Das Geschäft in Höhe von 7,3 Mrd. Dollar war aber wegen Rechtsstreitigkeiten mit den Behörden geplatzt.

