Sie bleibt die Nummer eins: Die britische Großbank HSBC
profitiert vor allem von ihrem starken und kontinuierlichen Engagement auf den boomenden Märkten in Asien, dass die Verluste in den USA ausgleichen kann. auch ein anderes Institut von der Insel kann dank ihrer Stärke in Fernost durchstarten.
LONDON. Die große Kreditkrise mag die Hackordnung der europäischen Banken gründlich durcheinandergebracht haben, doch an der Nummer eins der Hitparade hat sich nichts geändert: In Sachen Marktkapitalisierung ist die britische Großbank HSBC
mit einem Börsenwert von 127,6 Mrd. Euro nach wie vor das Maß aller Dinge.
Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen halten sich die Abschreibungen auf Subprime-Papiere mit bislang 1,4 Mrd. Euro in Grenzen. Zum anderen profitiert HSBC
vom Engagement in den Emerging Markets - jener Region, die auch in diesen schwierigen Zeiten als Wachstumsmotor der Welt gilt. Das boomende Geschäft in Asien rettete das Ergebnis von HSBC
im vergangenen Geschäftsjahr. Mit rund 19 Mrd. Dollar stieg der Reingewinn um rund 20 Prozent auf einen neuen Rekord. Davon entfiel mehr als die Hälfte auf Asien. Die Bank verdiente allein in Hongkong sieben Mrd. Dollar und im Rest Chinas mehr als eine Milliarde Dollar.
Das ist das freundliche Gesicht der HSBC
-Bilanz - aber es gibt auch ein weniger schönes: Die massiven Probleme in den USA radierten den Gewinn dort fast aus. HSBC
hatte 2003 für 15,5 Mrd. Dollar das US-Kreditinstitut Household International übernommen, das besonders viele Kredite an einkommensschwächere Kunden vergeben hat. Damit ist auch die britische Bank in den Strudel der Subprime-Krise geraten. Denn neben Hypothekendarlehen sind auch Kreditkartenschulden und andere Konsumentenkredite betroffen.
Die offene Flanke in den USA macht auch die Nummer eins unter Europas Banken angreifbar. Der einflussreiche Shareholder-Aktivist Knight Vinke fordert, dass HSBC
Household wieder abstoßen soll. Doch das lehnt Chairman Stephen Green bislang ab. Immerhin hat HSBC
das Geschäft heruntergefahren und 400 von 1 400 Filialen geschlossen. Green hofft nach wie vor, dass seine Bank vorne mit dabei ist, wenn die Konjunktur in den USA wieder anspringt.
Von der Konzentration auf die wachstumsstarken Länder in Asien profitiert auch ein weiteres britisches Institut: Standard Chartered
, das sich in der Rangliste von der Nummer 21 auf einen achtbaren 18. Platz vorgeschoben hat. Das Institut, das den Großteil seines Gewinns in Asien erwirtschaftet, verbuchte im vergangenen Geschäftsjahr ein Vorsteuerergebnis von vier Mrd. Dollar, ein Plus von 27 Prozent. Die Bank zählt derzeit zu den Lieblingen der Analysten und gehört zu den wenigen Instituten, die trotz Kreditkrise ihren Börsenwert steigern konnten. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Aktienkurs um 12,5 Prozent.
Zwar haben auch andere Banken das Potenzial der Emerging Markets längst erkannt. Doch nach Einschätzung der Analysten haben HSBC
und Standard Chartered
einen entscheidenden Vorteil: Ihre Geschäftsbeziehungen in der Region sind über viele Jahrzehnte gewachsen. Nicht umsonst hieß die HSBC
früher Hongkong and Shanghai Banking Corporation. Sie wurde 1865 von dem Schotten Thomas Sutherland in Hongkong gegründet, um den Handel in den Fernen Osten zu finanzieren.

