Ungeachtet der Finanzmarktturbulenzen hält die HSH Nordbank Kurs auf die Börse. Im zweiten Halbjahr 2008 will die Landesbank den Schritt aufs Börsenparkett wagen. Allerdings geht das Institut dann von einer Bereinigung der weltweiten Vertrauenskrise aus.
HAMBURG. „Wir streben vorbehaltlich der Zustimmung unserer Eigentümer in der zweiten Jahreshälfte 2008 den Börsengang an“, sagte der Vorstandsvorsitzende Hans Berger bei Vorlage der Neun-Monatszahlen am Mittwoch in Hamburg. Allerdings geht das Institut dann von einer Bereinigung der weltweiten Vertrauenskrise aus. Auf an diesem Donnerstag stattfindenden Betriebsversammlungen werden die Mitarbeiter auf den Börsengang eingestimmt. Die HSH ist 2003 aus der Fusion der Landesbanken von Schleswig-Holstein und Hamburg hervorgegangen.
Die Bank steigerte im dritten Quartal ihr Betriebsergebnis um 21 Prozent auf 251 Mill. Euro. „Das ist das beste dritte Quartal in der Geschichte unserer Bank“, so Berger. In den ersten neun Monaten stieg das Betriebsergebnis trotz einer um 28 Prozent auf 319 Mill. Euro gestiegenen Risikovorsorge um knapp 14 Prozent auf 772 Mill. Euro. Bei der Risikovorsorge entfiel ein Betrag von 50 Mill. Euro auf die Dotierung der Vorsorgereserven. Unter dem Strich legten die operativen Erträge zweistellig zu, während die Verwaltungsaufwendungen lediglich um knapp sieben Prozent stiegen. Auch die Eigenkapitalrendite verbesserte sich.
Zwar honorierte die Ratingagentur Fitch die vorgelegten Zahlen mit einer Bestätigung des „Single A“-Ratings. Doch aus Sicht der Agentur ist die Eigenkapitalausstattung immer noch das zentrale Manko. Die gestreckte Kapitaldecke mache das Institut „sehr verwundbar“, so Fitch-Analystin Sabine Bauer.
Auch die HSH Nordbank spürte die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise. Nach eigenen Angaben ist das Institut mit 1,8 Mrd. Euro im US-Immobilienmarkt engagiert. Dabei fühlt sich die Bank bei dem selbst gemanagten Portfolio in einem Volumen von 1,5 Mrd. Euro nach wie vor in einer „komfortablen Situation“. Für den fremdgemanagten Anteil von 300 Mill. Euro wurde nach den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres eine Risikovorsorge von 50 Mill. Euro gebildet. Allein im dritten Quartal fielen Wertberichtigungen auf Wertpapiere in Höhe von 91 Mill. Euro an, darunter weitere 50 Mill. Euro auf das fremdgemanagte Portfolio. „Aber wir haben noch keine nennenswerten Verluste realisiert“, unterstrich Berger.
Die Vertrauenskrise an den Finanzmärkten macht sich auch im Verbriefungs- und Syndizierungsgeschäft der HSH Nordbank bemerkbar. Über diese Instrumente war es der Bank bislang möglich, eigenkapitalschonend eigene Kreditrisiken zu reduzieren und aus den Büchern zu nehmen. Das ist derzeit aber nur begrenzt möglich. „Die Syndizierung ist eingebrochen und der Verbriefungsmarkt ist nicht intakt“, urteilt Berger.
Da mehr Risiken in den eigenen Büchern gehalten werden, die mit Eigenkapital unterlegt werden müssen, können nicht alle Chancen im Neugeschäft vor allem bei Schifffahrtskunden genutzt werden. „Unsere Schalter sind zwar nicht zu, aber bei Kreditanträgen neuer Kunden sind wir restriktiv“, räumte Berger ein. Bis zum 30.9. schloss die HSH Nordbank in diesem Segment gleichwohl Geschäfte in einem Volumen von mehr als zehn Mrd. Euro ab, was das Vorjahresvolumen um drei Mrd. Euro übertraf.

