Die HSH Nordbank zieht Konsequenzen aus den juristischen Auseinandersetzungen mit der Schweizer Bank UBS über missglückte Kreditverbriefungen. Die Landesbank holt sich jetzt die Royal Bank of Scotland als neuen Finanzpartner ins Boot.
BERLIN. „Angesichts des laufenden Rechtsstreits mit der UBS haben wir uns nach einem anderen Koordinator für unser internationales Refinanzierungsprogramm umgesehen“, sagte Heiko Ludwig, der stellvertretender Chefjustitiar der HSH Nordbank, dem Handelsblatt. Künftig werde die Royal Bank of Scotland diese Aufgabe übernehmen.
Die durch die Finanzmarktkrise schwer gebeutelte UBS verliert damit ein lukratives und zugleich prestigeträchtiges Mandat. Innerhalb ihres laufenden Refinanzierungsprogramms kann die HSH Nordbank Anleihen von bis zu 40 Mrd. Euro begeben. Die Landesbank refinanziert sich maßgeblich über Anleihen. Der Koordinator für dieses Refinanzierungsprogramm kann auch selbst als Händler auftreten und die Wertpapiere vertreiben oder sie andere Händler weiterreichen.
Unterdessen ist noch kein Ende des Rechtsstreites abzusehen. Die HSH Nordbank wirft den Schweizern „nicht eingehaltene Absprachen und Missmanagement bei einem von der UBS verwalteten Wertpapierportfolio im ursprünglichen Wert von 500 Mill. Dollar“ vor, wie Ludwig erklärte. Das Wertpapierportfolio hat die HSH Nordbank bereits zu einem guten Teil abgeschrieben. Die Schadensersatzforderungen belaufen sich auf 275 Mill. Dollar.
Die damalige Landesbank Schleswig-Holstein, die 2003 mit der Landesbank Hamburg zur HSH Nordbank fusionierte, hatte 500 Mill. Euro in ein Portfolio verbriefter Kreditrisiken investiert. Für die Forderungen übernahm sie das Ausfallrisiko und erhielt im Gegenzug entsprechende Prämien. Die HSH Nordbank wirft der UBS vor, dass es sich entgegen der Absprache um keine konservative Anlage gehandelt und die UBS damit Kredite aus dem Portfolio zu Lasten der HSH Nordbank ersetzt habe. Sogar der Verdacht ungerechtfertigter Bereicherung wird geäußert. Die UBS weist diese Vorwürfe zurück.
Auf die in New York eingereichte Klage reagierte die UBS mit einer Feststellungsklage in London, um den Gerichtsstand von New York nach London zu verlegen. Allerdings wies das Oberste Gericht in London die Klage ab und hat auch die Zulässigkeit der Berufung verworfen. Für den 2. Oktober ist nun eine Anhörung vor einem New Yorker Richter terminiert. Dort werde es noch nicht um materielle Fragen gehen, sagt Ludwig. Aber anschließend könnte es zur Gerichtsverhandlung kommen. Die Hanseaten sind optimistisch gestimmt.
Schwere ZeitenGeld weg
Bei der Schweizer UBS ist derzeit nicht absehbar, was schwerer wiegt: der durch die Finanzmarktkrise verursachte wirtschaftliche Schaden oder der damit einhergehende Reputationsverlust? Tatsache ist, dass die Bank zu den Instituten gehört, die bislang die größten Abschreibungen auf riskante Anlagen im US-Immobilienmarkt vornehmen musste. Federn ließ der weltgrößte Vermögensverwalter auch in seiner Domäne: Im zweiten Quartal zogen Kunden fast 44 Milliarden Schweizer Franken ab. Vertrauen sieht anders aus. Der neue UBS-Präsident Peter Kurer hat diese Entwicklung als schmerzhaft und ärgerlich bezeichnet.
Vertrauen weg
Da mag der Rechtsstreit mit der HSH Nordbank über einen Schadensersatz von 275 Millionen Dollar der UBS wie Peanuts erscheinen. Aber er passt ins Bild. Denn sollte die HSH Nordbank mit ihren Vorwürfen recht bekommen, droht den Schweizern ein weiterer Vertrauensschaden, der den materiellen Wert übersteigen dürfte. Denn die Hanseaten werfen der UBS vor, sich auf ihre Kosten bereichert und betrügerisch gehandelt zu haben.


