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29.03.2007 
Raiffeisen International

Hungrig auf Zukäufe

von O. Stock, N. Bastian und R. Landgraf

Österreichs Banken verdienen gut in Osteuropa. Das hat nach der Ersten Bank am Mittwoch auch die Raiffeisen International, die börsenotierte Ostbankentochter der Raiffeisen Zentralbank, mit der Vorlage ihrer Bilanz für das vergangene Jahr bestätigt. Und bei ihr gab es noch einen Sondereffekt.

Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen International, fühlt sich stark genug für große Übernahmen in Osteuropa. Foto: ArchivLupe

Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen International, fühlt sich stark genug für große Übernahmen in Osteuropa. Foto: Archiv

WIEN / FRANKFURT. Dank des Verkaufs von zwei Bankbeteiligungen in Osteuropa ist der Nettogewinn der Raiffeisen International um mehr als 200 Prozent gestiegen. Ohne die Verkaufserlöse von der Bank TuranAlem in Kasachstan und der Raiffeisenbank in der Ukraine, die den Wienern zusammen knapp 600 Mill. Euro einbrachten, legte der Nettogewinn aber noch immer um mehr als die Hälfte zu. Für 2007 erwartet Raiffeisen-International-Chef Herbert Stepic mindestens 700 Mill. Euro Überschuss.

Raiffeisen liegt damit hinter der Ersten Bank, die im vergangenen Monat einen um ein Drittel erhöhten Nettogewinn von 932 Mill. Euro bekannt gegeben hatte. Nach dem Rückzug der Unicredit-Tochter BA-CA von der Börse in Wien sind dort die beiden Institute die führenden Banken mit einem Kerngeschäft in Osteuropa. Bei der Ersten Bank etwa macht der Anteil der Banktöchter in Zentral- und Osteuropa am Gesamt-Konzernnettogewinn 60,5 Prozent aus. Die Raiffeisen International erwirtschaftet etwa die Hälfte des Gewinns der gesamten österreichischen Raiffeisengruppe.

Im Schnitt, sagte Stepic am Mittwoch, mache Raiffeisen zur Zeit im Osten jede Woche drei bis vier neue Bankfilialen auf. Zwölf Mill. Kunden hat die Bank in diesen Ländern. Für Stepic stehen genauso wie für Erste-Bank-Chef Andreas Treichl inzwischen auch Länder, die bislang nicht zum unmittelbaren Wachtumsgürtel der Österreicher zählten, auf der Beobachtungsliste. Während Treichl Polen, Russland und die Türkei nennt, wies Stepic am Mittwoch erneut auf Kasachstan hin. Raiffeisen wolle dort Fuß fassen, bevor die Gruppe weiter in Richtung Zentralasien vordringe. Auch Armenien wird für Raiffeisen ein größeres Thema, seit sie dort durch den Kauf der russischen Impexbank eine Minderheitsbeteiligung von 19,9 Prozent an der Areximbank hält. Theoretisch könnte man sich nun auch in diesem Land näher umschauen, bestätigte der Raiffeisen-Vorstandschef.

Kein Kommentar gab es von der Raiffeisen am Mittwoch zur Situation in Polen, wo 200 Filialen der drittgrößten Bank BPH zum Verkauf stehen. Die Besitzerin Unicredit muss sie aus Wettbewerbsgründen abgeben. Die Erste Bank hatte bei diesem Thema abgewunken, weil die Filialen ohne die zugehörigen Back-Office-Dienste angeboten werden.

Die Österreicher zieht es in den ferneren Osten, weil es in unmittelbarer Nähe in der Branche kaum noch etwas zu erschwinglichen Preisen zu kaufen gibt. In den vergangenen 20 Jahren hat Raiffeisen in Osteuropa zehn Banken gekauft und dafür netto die vergleichsweise bescheidene Summe von zwei Mrd. Euro ausgegeben. Die Erste Bank, die zuletzt in Rumänien mit dem Kauf der BCR groß eingestiegen ist, legte allein dafür an die vier Mrd. Euro auf den Tisch.

„Bisher haben wir viel Bank für wenig Geld gekauft“, beschrieb Stepic am Mittwoch den Kurs. Inzwischen fügte er mit Blick auf die Konkurrenz im eigenen Land hinzu, sei die Gruppe so „gewaltig gewachsen, dass wir heute für Akquisitionen ganz andere Volumina bewegen können“. Eine „Schmerzgrenze“ gebe es nicht mehr, sagte Stepic. Um weiteres Wachstum zu bezahlen, schloss der Vorstandschef eine Kapitalerhöhung bereits in diesem Jahr nicht aus.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bankenmarkt hält hohes Wachstum.

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