Die Hypo-Vereinsbank (HVB) versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. Weil die Münchener in Deutschland nicht flächendeckend mit eigenen Filialen vertreten sind, setzen sie jetzt stärker auf einzelne Kundengruppen wie Steuerberater, Rechtsanwälte oder Ärzte.
MÜNCHEN. "Es wäre vermessen, über die gesamte Bundesrepublik ein Filialnetz auszurollen. Deshalb wollen wir ein fokussiertes Wachstum durch Spezialgruppen", sagte am gestrigen Dienstag Willibald Cernko, Chef der Privat- und Geschäftskundensparte der Unicredit
-Tochter.
Zum Vergleich: Die Sparkassen unterhalten im ganzen Land mehr als 16 000 Geschäftsstellen. Die HVB
dagegen kommt lediglich auf 650 Ableger vor allem in Bayern und im Norden. Um gezielt Kunden in ganz Deutschland ansprechen zu können, baut die Bank jetzt das Geschäft mit einzelnen lukrativen Zielgruppen aus, zum Beispiel den Heilberufen. Cernko: "Die Kundenzahl hat sich hier trotz des jüngsten Markteinstiegs der Deutschen Bank
im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1 000 auf 33 000 erhöht." In diesen Tagen startet das Institut ein Angebot für Steuerberater, Rechtsanwälte und Notare.
Die HVB
ist gezwungen, kreativ zu sein. Denn der Druck wird in Zukunft noch steigen, falls sich andere private Banken hierzulande tatsächlich zusammenschließen oder ein großes ausländisches Institut einsteigt. Seit Monaten wird darüber spekuliert, wer die Postbank
kauft. Inzwischen sind sogar Gerüchte im Umlauf, das Institut könnte mit Dresdner Bank und Commerzbank
zusammengehen. Die Dresdner gehört dem Versicherungskonzern Allianz,
der mit seiner Tochter aber immer wieder Schwierigkeiten hat.
Die HVB
selbst werde die Postbank
nicht kaufen, hat Vorstandschef Wolfgang Sprißler jüngst betont. Auch sonst stünden derzeit keine Übernahmen an, sagte am Dienstag Privatkundenchef Cernko: "Wir tun gut daran,uns an unseren eigenen Möglichkeiten zu orientieren."
Nach Jahren mit hohen Verlusten hat das Privat- und Geschäftskundensegment der HVB
2007 erstmals wieder einen positiven Geschäftswertbeitrag erwirtschaftet. Maßgeblich ist dabei die im Englischen als Economic Value Added (EVA) bekannte Messgröße, die den Gewinn nach Abzug der Kapitalkosten für das eingesetzte Gesamtkapital wiedergibt. Dabei sind die Privatkunden nach wie vor das Sorgenkind der Sparte. Das Geschäft mit Unternehmen und die Vermögensverwaltung für wohlhabende Anleger läuft gut. "Bei den Privatkunden müssen wir noch ein Stück Weg gehen", so Cernko.
Mit einer neuen Werbekampagne und einem veränderten Auftreten hofft die HVB,
weitere Kunden anzulocken und intern die Bindung der Mitarbeiter an die Bank zu erhöhen. Seit Dienstag tritt das Unternehmen im Rot der italienischen Mutter Unicredit
auf. 32 Mill. Euro gibt das Institut dieses Jahr aus, um sich im neuen Gewand zu präsentieren. Das Blau der einstigen bayerischen Staatsbank verschwindet damit drei Jahre, nachdem die Mailänder Unicredit
die HVB
in einer für die Münchener wirtschaftlich schweren Zeit übernommen hat. Bis zum kommenden Jahr sollen sämtliche Filialen von Unicredit
in ganz Europa in den neuen Farben leuchten.
Dabei haben es die Bayern noch gut erwischt: Die ebenfalls zu Unicredit
gehörende Bank Austria
muss seit Dienstag auf den traditionsreichen Namenszusatz "Creditanstalt" verzichten.

