Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate steht vor schweren Einschnitten – und wechselt fast seinen gesamten Aufsichtsrat aus. Und: Auch für 2009 werden weitere hohe Belastungen erwartet. So dürften sich etwa die Kosten für die staatlichen Rettungshilfen nach Aussage des Unternehmens noch deutlich bemerkbar machen.
HB MÜNCHEN. Die schwer angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) muss sich nach Aussage von Vorstandschef Axel Wieandt auf schwere Einschnitte beim bevorstehenden Umbau vorbereiten. Das Management der Hypo Real Estate überarbeite derzeit mit höchster Priorität das Geschäftsmodell, um es an die nachhaltig veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, sagte der seit kurzem amtierende Vorstandsvorsitzende am Montag anlässlich der Vorlage des Quartalsberichts. „Eine daraus resultierende Umstrukturierung und Neuausrichtung wird allen an der Hypo Real Estate Group Beteiligten schwierige Entscheidungen abverlangen.“
Der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) wechselt nach der milliardenschweren Hilfsaktion von Bund und Banken fast seinen gesamten Aufsichtsrat aus. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender soll der frühere Deutsche Bank-Manager Michael Endres werden, teilte der Konzern am Montag in München mit. Er tritt die Nachfolge von Klaus Pohle an, der das Kontrollgremium in den vergangenen Wochen übergangsweise geleitet hatte. Neben Pohle erklärten sieben weitere Aufsichtsratsmitglieder der Hypo Real Estate ihren Rücktritt, darunter auch der frühere Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer.
Wie die HRE weiter mitteilte, steht der Wechsel im Aufsichtsrat „im Zusammenhang mit der Bereitstellung der Liquiditätsfazilität durch ein Finanzkonsortium, die Deutsche Bundesbank und die Bundesregierung“. Deshalb seien sämtliche Aufsichtsratsmitglieder, die nicht den Finanzinvestoren J.C. Flowers sowie Grove International Partners zugerechnet würden, zurückgetreten. Dies seien neben dem bisherigen Aufsichtsratschef Klaus Pohle auch Gerhard Casper, Johann van der Ende, Frank Heintzeler, Thomas Kolbeck, Pieter Korteweg, Thomas Quinn und Hans Tietmeyer.
Dafür sollen den Angaben zufolge neben Michael Endres als künftiger Vorsitzender Bernd Knobloch, Edgar Meister, Sigmar Mosdorf, Hans-Jörg Vetter, Bernhard Walter und Manfred Zaß in das Kontrollgremium gewählt werden. Dies habe das zuständige Registergericht beschlossen. Die neuen Mitglieder seien Experten mit langjähriger Erfahrung in der Kreditwirtschaft und in Sanierungssituationen. Sie repräsentieren darüber hinaus die Breite der Institutionen, die sich bereit gefunden haben, den Fortbestand und die Sanierung der Hypo Real Estate Group zu unterstützen“, hieß es weiter.
Hintergund: Die Kosten für die staatlichen Rettungshilfen werden das Ergebnis des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) auch nächstes Jahr stark beeinträchtigen. "Die notwendige Umstrukturierung der HRE und die Kosten der vereinbarten oder geplanten Liquiditätslinien und Kapitalhilfen werden auch 2009 für erhebliche Belastungen im Konzernergebnis sorgen", erklärte Finanzvorstand Markus Fell.
Vor Steuern stand ein Verlust von 3,105 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 237 Millionen Euro im Vorjahr. Schuld an dem dicken Minus war vor allem der irische Staatsfinanzierer Depfa - die Abschreibungen auf die Tochter summierten sich zwischen Juli und September auf 2,482 Milliarden Euro. Hinzu kamen Belastungen aus dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers, dem Engagement in Island und der Beteiligung an der australischen Babcock & Brown.
Unter dem Strich stand bei der Hypo Real Estate damit ein Verlust von 3,052 Milliarden Euro. Weitere Belastungen schlugen sich in der Neubewertungsrücklage nieder: Sie lag 3,28 Milliarden Euro im Minus, Anfang des Jahres hatte sie noch bei minus 1,86 Milliarden Euro gelegen.
Die operativen Erträge lagen im dritten Quartal mit 345 Millionen Euro im Minus nach einem Plus von 412 Millionen Euro im Vorjahr. Sowohl Handelsergebnis als auch Finanzanlageergebnis waren wegen der Belastungen negativ - beide lagen über 300 Millionen Euro im Minus. Der Zinsüberschuss inklusive „ähnlicher Erträge“ erreichte mit einem Plus von 354 Millionen in etwa das Vorjahresniveau. Für faule Kredite legte die HRE mit 177 Millionen Euro überraschend viel zurück - im Vorjahr waren es noch 17 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss halbierte sich auf 35 Millionen Euro.


