Der Aufsichtsrat der Mittelstandsbank IKB ist sich keiner Schuld an der Schieflage des Instituts bewusst. Aktionärsschützer hingegen sehen das Kontrollgremium klar in der Verantwortung und sprechen sich gegen dessen Entlastung aus. Ein Bankenexperte sieht unterdessen bei der Stützung des Geldhauses die Privatbanken nochmals in der Pflicht.
HB DÜSSELDORF. „Wir hatten keine Chance, das Risiko zu erkennen und die Existenzkrise abzuwenden“, sagte Aufsichtsratschefs Ulrich Hartmann bei der Hauptversammlung der IKB in Düsseldorf am Donnerstag. Die Krise des Instituts sei für das Kontrollgremium völlig überraschend gekommen.
Der Vorstand habe den Aufsichtsrat erst am 27. Juli 2007 über das Subprime-Risiko der Portfolio-Investments informiert. Diese hatten die Krise der IKB ausgelöst, die seit dem Sommer schwelt. Zuvor seien mehrfach Untersuchungen der Finanzaufsicht BaFin, der Bundesbank und der Luxemburger Bankenaufsicht durchgeführt worden. „Der Aufsichtsrat hat hiervon erst nach Ausbruch der Krise durch die Sonderuntersuchung von PwC erfahren“, sagte Hartmann.
Das Risikomanagement der IKB habe nicht funktioniert. „Wir sind unseren Pflichten nachgekommen“, betonte Hartmann. Die Versäumnisse des alten Vorstands seien weiter aufzuklären. Auf der Sitzung beantragte der Aufsichtsrat die Vertagung seiner Entlastung.
Zudem hieß es, die IKB werde „auf absehbare Zeit“ keine Dividende ausschütten. Vorstandsvorsitzender Günther Bräuning sagte, die Bank werde „für mehrere Geschäftsjahre“ nur geringe Konzernjahresüberschüsse ausweisen, sagte Vorstandsvorsitzender Günther Bräuning am Donnerstag in Düsseldorf auf der Hauptversammlung.
Die IKB war Mitte 2007 als erste deutsche Bank in den Strudel der US- Immobilienkrise geraten und hatte sich mit US-Ramschhypotheken in großem Stil verspekuliert. Das Institut musste mit bisher insgesamt gut 8,5 Mrd. Euro von ihrer Hauptaktionären KfW, dem Bund und anderen Banken gestützt werden.
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Aktionärsschützer hingegen sehen den Aufsichtsrat der Mittelstandsbank in der Verantwortung. Dieser habe eine Kontroll- und Beratungsfunktion, die er offensichtlich nicht ausgeübt habe, sagte der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) am Donnerstag dem Deutschlandradio Kultur. Der Aufsichtsrat stehe in der Verantwortung und solle davon auch nicht befreit werden.
Er hätte sich gewünscht, dass es auf der Hauptversammlung wie ursprünglich geplant um die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat gehen würde. Die SdK sei dabei gegen eine Entlastung des Kontrollgremium. Durch die von der Bundesregierung vorgeschlagene aktienrechtliche Sonderprüfung bei der IKB wird die Entlastung verschoben.
Der Haushaltsexperte der Union Steffen Kampeter sagte HR-Info, die Sonderprüfung solle die Informationsströme und Verantwortlichkeiten innerhalb von Vorstand und Aufsichtsrat offenlegen. „Das sind wir den Steuerzahlern schuldig.“ Kampeter mahnte: Ein Ergebnis, das keinem wehtut, führt dazu, dass die gleichen Fehler wieder gemacht werden.“ Das gelte es zu verhindern.
Unterdessen forderte der Bankenexperte Wolfgang Gerke die Privatbanken auf, ihre Verantwortung bei der Stützung der Mittelstandsbank wahrzunehmen. „Dass der Steuerzahler hier geholfen hat, ist noch zu akzeptieren, aber die Dimension war damals auch nicht absehbar, als man die Stützungsaktionen gemacht hat“, sagte er im ZDF-Morgenmagazin. „Jetzt ist ein Punkt erreicht, wo man sich überlegen muss, muss nicht das private Kreditgewerbe hier noch mal ganz stark mithelfen.“

