Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB hat kurz vor ihrer Hauptversammlung am Donnerstag einen neuen Vorstand berufen und einen neuen Kandidaten für den Aufsichtsrat gefunden. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sieht derzeit keine Notwendigkeit, den Verkauf der angeschlagenen Industriebank IKB durch Mittel der Bundesregierung zu stützen.
Das Logo der IKB: Am Donnerstag findet das Aktionärstreffen der angeschlagenen Mittelstandsbank statt. Foto: dpa
ben/HB FRANKFURT. Andreas Leimbach übernehme zum 1. April im Vorstand die Verantwortung für das Firmenkundengeschäft, teilte die Düsseldorfer Bank am Mittwoch mit. Bisher hatte der Vorstandsvorsitzende Günther Bräunig das Firmenkundensegment der IKB übergangsweise geleitet. Zudem schlägt die IKB den Aktionären Dieter Pfundt als neues Aufsichtsratsmitglied vor. Dieser ist persönlich haftender Gesellschafter des an der IKB beteiligten Bankhauses Sal. Oppenheim und dort für das Investmentbanking zuständig.
Pfundt soll offenbar die Stelle im den Aufsichtsgremium übernehmen, die ursprünglich für Ex-Bundesbanker Edgar Meister vorgesehen war. Dieser hatte der wegen Fehlspekulationen Bank am US-Hypothekenmarkt fast umgefallene und mit Staatsgeld geretteten Bank im Februar nur vier Tage nach der Nominierung abgesagt.
Pfundt soll an diesem Donnerstag von der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung gewählt werden. Er rückt in schwieriger Zeit in des Gremium auf, dass sich harsche Kritik anhören muss. Der Vorwurf: Die Aufseher hätten des Schieflage der lange als Perle des deutschen Bankensektors geltenden Instituts frühzeitig bemerken müssen.
Erwartet wird eine hitzige Auseinandersetzung zwischen dem Management und den Aktionären. Die Anteilseigner mussten miterleben, wie der Aktienkurs in der Krise auf weniger als ein Siebtel einbrach.
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Aus Sicht von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ist die Bundesregierung bei der Sanierung der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB derzeit nicht in der Pflicht. „Wir hoffen natürlich, dass der Verkaufsprozess, der eingeleitet worden ist, zum Erfolg führt und sehen gegenwärtig keine Maßnahmen, die wir staatlicherseits veranlassen müssten“, sagte der CSU-Politiker der ARD am Mittwoch.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, sprach sich generell gegen Hilfen für die im Zuge der Hypothekenkrise ins Wanken geratenen Banken aus. „Wir dürfen nicht denen das Leben erleichtern, die Fehler gemacht haben. Sie müssen für ihre Fehler bezahlen“, sagte er der ARD. „Nicht nur, weil es ungerecht wäre, wenn sie so davon kämen, sondern auch deshalb, weil sie diese Fehler, wenn sie nicht dafür bezahlen müssen, noch einmal machen.“
Die IKB ist durch Spekulationsgeschäfte mit US-Ramschhypotheken in massive Probleme gerutscht. Mit mehreren Hilfspaketen über mehr als 8,5 Mrd.Euro unter Beteiligung der staatlichen KfW, des Bundes und der Banken musste das Geldhaus vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Erst in der vergangenen Woche war eine neue Finanzlücke bei der IKB bekanntgeworden.
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Bundesfinanzministerium und die staatliche Förderbank KfW streiten derweil nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ um das Auffangen neuer Finanzlücken bei der angeschlagenen Mittelstandsbank. KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier sperre sich gegen weitere Zahlungen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise. Die Reserven der KfW seien ihren Angaben nach erschöpft und die Fördertätigkeit werde bedroht. Dagegen wolle Finanzminister Peer Steinbrück, dass die KfW weitere Finanzlücken schließe. Sowohl KfW wie Ministerium erwarteten weitere Verluste. Vom Ministerium war am Mittwochabend zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Die Zeitung berichtete weiter, dem Vernehmen nach seien die bisherigen Hilfezusagen für die IKB voll in Anspruch genommen worden. Womöglich werde es aber in den kommenden Tagen einen weiteren Finanzierungsbedarf geben, da zu jedem Monatsende der Wertpapierbestand neu bewertet werden müsse.
Einen Tag vor der für Donnerstag einberaumten Hauptversammlung hat die Bundesregierung eine aktienrechtliche Sonderprüfung bei der IKB in die Wege geleitet. Damit dürfte sich die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat der IKB bis zur Vorlage des Prüfungsergebnisses verschieben, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Berlin.
Die KfW ist mit 43 Prozent größter Aktionär der IKB, die durch Spekulationsgeschäfte mit US-Ramschhypotheken in massive Probleme gerutscht war. Mit mehreren Hilfspaketen unter Beteiligung von KfW, Bund und Banken über mehr als 8,5 Mrd. Euro musste die Bank daraufhin vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Erst in der vergangenen Woche war eine neue Finanzlücke bei der IKB bekannt geworden.
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Anpassung der Verlustrückstellung bei FGIC wegen IKB möglich
Der mit der Kreditkrise kämpfende US-Anleiheversicherer FGIC muss wegen eines Rechtstreits mit der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB unter Umständen seine Verlustrückstellungen anpassen. Zudem hätten die Verluste aus dem Hypothekengeschäft die gesetzlichen Grenzwerte überschritten, teilte der Bondversicherer am Mittwoch mit. „Das Management prüft derzeit, ob die Verlustrückstellungen im Zusammenhang mit diesem Engagement künftig angepasst werden müssen, um die Auswirkung dieser Entwicklung zu reflektieren“, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Eine solche Anpassung könnte „gewichtig“ sein.
FGIC hatte im März eine Klage gegen die IKB auf 1,9 Mrd. Dollar Schadenersatz eingereicht. FGIC wirft der Bank vor, falsch und irreführend über eine ihrer außerbilanziellen Zweckgesellschaften informiert zu haben. FGIC hat dieses Vehikel auf Grund der Informationen gegen einen Verlust von mehreren Milliarden Dollar versichert.
FGIC habe außerdem per 31. Dezember sein Kapital beträchtlich reduziert, teilte der nicht börsennotierte Kreditversicherer weiter mit. Dadurch hätten die versicherten Hypothekenengagements die Risikogrenzen überschritten, die vom Bundesstaat New York per Versicherungsgesetz geregelt sind. Analyst Rob Haines sagte, dass FGIC derzeit gegen das Versicherungsgesetz verstoße. Sollte der Bondversicherer keine Abhilfe leisten, könnte der Staat New York die Kontrolle über das Unternehmen übernehmen. Haines schätze, dass FGIC rund zwei Milliarden Dollar einnehmen müsse, um das Unternehmen wieder zu stabilisieren.
Anleiheversicherer wie FGIC versichern üblicherweise grundsolide kommunale US-Anleihen. Weil sie aber auch im kriselnden US-Hypothekenmarkt engagiert sind, stehen sie derzeit stark unter Druck. Ihnen drohen Bonitäts-Herabstufungen durch Ratingagenturen. FGIC hat das Top-Rating bereits verloren.

