Nachdem die IKB wegen der US-Hypothekenkrise in Schieflage geraten ist, machen die Prüfer dem Vorstand nun schwere Vorwürfe. Aktionärsschützer haben die angeschlagene Bank bereits aufgefordert, die für die Krise verantwortlichen Entscheidungsträger auf Schadensersatz zu verklagen. Das Institut stellt sich derweil personell neu auf.
HB DÜSSELDORF. Ein Bankenvorstand, der immer größere Risiken eingegangen ist, und ein Aufsichtsrat, der von alledem nichts gewusst hat. Wirtschaftsprüfer haben jetzt die Ursachen für das Debakel der IKB Mittelstandsbank am US-Hypothekenmarkt ans Licht gebracht. Ohne angemessene Kontrolle konnte nach ihren Feststellungen eine IKB-Tochter einen immer größeren Bestand an zweitrangigen Hypothekenkrediten aufhäufen, der die Düsseldorfer Bank schließlich an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Nur Dank einer spektakulären Stützaktion der deutschen Finanzwirtschaft wurde die IKB stabilisiert.
Die IKB hatte ihrer Investmentgesellschaft „Rheinland Funding“ Liquiditätszusagen von mehr als 8,1 Mrd. Euro gegeben und weitere Risiken gegenüber anderen Liquiditätsgebern übernommen. Die umfangreichen Investitionen seien ohne angemessene Kontrolle erfolgt, fand die Prüfungsgesellschaft PwC heraus. Der Umfang der Zusagen habe „bei weitem die Risikotragfähigkeit der Bank“ überstiegen, kommentierte der neue IKB-Chef Günther Bräunig am Dienstag die Zahlen.
Lange Zeit war das äußerst riskante Engagement am US-Hypothekenmarkt für die IKB ein lukratives Geschäft. Es habe vor allem in den vergangenen zwei Jahren stark an Bedeutung zugenommen und „einen wesentlichen Beitrag zur Realisierung der ambitionierten Wachstumsziele der Bank“ geleistet, wie die IKB jetzt einräumte. Dabei wurden offenbar notwendige Vorsichtsmaßnahmen unterlassen. Die von PwC aufgestellte Mängelliste ist jedenfalls lang. „Zu weitgehende Entscheidungskompetenzen“, „inadäquate Kontrollmechanismen“, „Schwächen in der Analyse der erworbenen Wertpapiere“ hätten zu einem „Klumpenrisiko“ geführt.
Wie gefährlich die Geschäfte waren, hat der Vorstand offenbar seinen Kontrolleuren verschwiegen. Die dem Aufsichtsrat regelmäßig vorgelegten Kreditrisikoberichte enthielten nach PwC-Feststellungen keine ausreichenden Analysen des US-Geschäfts. Auch eine Sonderprüfung im Februar habe keine Hinweise auf die Gefahren ergeben. Dem Aufsichtsrat sei es deshalb nicht möglich gewesen, die besondere Risikosituation zu erkennen, heißt es im Prüfbericht. Erst als die Krise da war, sei der Aufsichtsrat Ende Juli informiert worden.
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IKB sucht neuen Eigentümer
Die IKB hat ihren alten Vorstand inzwischen bis auf eine Ausnahme komplett ausgetauscht. Der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) reicht dies nicht. Sie forderte die IKB auf alle für die Krise Verantwortlichen auf Schadensersatz zu verklagen. Die Schieflage sei „nicht etwa auf eine Sondersituation an den Märkten, sondern auf Pflichtverletzungen der Entscheidungsträger zurückzuführen“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.
Nach ihrem existenzgefährdenden Auflug auf den US-Hypothekenmarkt kehrt die IKB jetzt zu ihren Wurzeln als mittel- und langfristiger Finanzierer des Mittelstands zurück. Die IKB setzt obendrein auf einen neuen Eigentümer. Dieser müsste sich zunächst aber mit bescheideneren Erträgen des Düsseldorfer Instituts zufriedengeben, das nach Fehlspekulationen nur durch ein milliardenschweres Rettungspaket der deutschen Kreditwirtschaft vor dem Kollaps bewahrt wurde.
„Die akute Krise ist bewältigt, und wir haben einen klaren Restrukturierungsfahrplan für die Bank“, sagte IKB-Chef Günther Bräunig am Dienstag in Düsseldorf. Mit dem verbliebenen Risiko könne die Bank umgehen. „Realistischerweise muss man erwarten und sich darauf vorbereiten, dass es zu einem Wechsel bei unserem strategischen Partner kommt“, betonte Bräunig. Auch mit einem Komplettverkauf setze sich die Bank auseinander.
Die Hauptaktionärin KfW überprüft derzeit Optionen für ihren 38-prozentigen IKB-Anteil. Falls sich die staatliche Förderbank von ihrem Anteil trennt, muss der Käufer allen Aktionären ein Pflichtangebot machen. Die Privatbank Sal. Oppenheim hält rund fünf Prozent, weitere zwölf Prozent liegen bei einer Stiftung. Bräunig plädiert für eine rasche Entscheidung. „Eine schnelle Lösung wäre besser, weil es eine gewisse Unsicherheit nimmt für Kunden und Mitarbeiter“, sagte er.
Die Liste der Interessenten ist lang: Neben der Commerzbank haben sich die genossenschaftlichen Institute DZ Bank und WGZ Bank sowie der Sparkassenverband DSGV schon ins Spiel gebracht. Auch einigen Finanzinvestoren wird Interesse nachgesagt. Gespräche gab es laut Bräunig aber noch nicht. An der Börse wird die IKB nach einem drastischen Kurssturz in den vergangenen Monaten nur noch mit rund 1,2 Mrd. Euro bewertet. Experten halten einen Verkauf der IKB für unumgänglich. „Mittelfristig wird die IKB beim Rentabilitätsniveau international nicht wettbewerbsfähig sein“, sagte Dieter Hein vom Analystenhaus Fairesearch. Ein Partner sei daher nötig, auch damit frisches Geld in die Kassen komme.
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„Back to the Roots“
Mit dem Abschied aus dem riskanten US-Geschäft wird die IKB zu dem, was sie früher war: Eine Bank, die sich nur auf die Finanzierung des Mittelstands fokussiert. „Die Neuausrichtung heißt „Back to the roots'“, sagte Bräunig auf der Pressekonferenz. Die Erträge lägen künftig deutlich unter dem Niveau der vergangenen Jahre, dafür seien sie stabiler. Der operative Gewinn werde mittelfristig am unteren Ende eines „niedrigen dreistelligen Millionenbetrags“ liegen. Im laufenden Geschäftsjahr 2007/08 bis Ende März werde die IKB noch einen Verlust von bis zu 700 Mill. Euro ausweisen. Ein Jahr später soll zumindest wieder die Gewinnschwelle erreicht werden.
Die beiden Vorstände Markus Guthoff und Frank Braunsfeld müssen die Bank als Ergebnis der Sonderprüfung durch die Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) verlassen. Bereits Ende Juli hatten IKB-Chef Stefan Ortseifen und Finanzvorstand Volker Doberanzke ihren Hut genommen. Das Finanzressort soll Reinhard Grzesik leiten, der früher beim Staatsfinanzierer Depfa war.
Die Aktien der IKB verloren am Dienstag zeitweise bis zu sieben Prozent, erholten sich bis zum Nachmittag aber auf ein Minus von 1,7 Prozent.

