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15.02.2008 
Bankenpool erzielt keine Einigung über Beteiligung an Rettungsaktion

IKB-Verkauf in zwei Teilen

von Sven Afhüppe und Nicole Bastian

Mit der erneuten Rettung der von der Pleite bedrohten Mittelstandsbank IKB ist ein Verkauf der Kernbank getrennt von deren milliardenschweren Wertpapierportfolio so gut wie ausgemacht. Dazu haben sich Bundesregierung und IKB-Großaktionär KfW entschlossen. Die KfW-Chefin bleibt indes trotz Kritik weiterhin im Amt.

IKB-Logo am Haupsitz in Düsseldorf. Foto: apLupe

IKB-Logo am Haupsitz in Düsseldorf. Foto: ap

BERLIN/FRANKFIRT. Schon rechnen die Experten, mit wie viel möglichem zusätzlichen Verlust zu rechnen ist, wenn der Bestand von aktuell 5,9 Mrd. Euro forderungsunterlegten Wertpapieren auf der IKB-Bilanz verkauft wird.

Die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die 1,5 Mrd. Euro frisches Kapital braucht, war am Mittwoch erneut gerettet worden. Der Bund hat eine Mrd. Euro zugesichert. Über weitere 500 Mill. Euro wird weiter verhandelt. Damit summiert sich der Rettungsbetrag auf insgesamt 7,7 Mrd. Euro.

In einer Adhoc-Mitteilung weist die IKB darauf hin, dass „ein Verkauf des Portfolios in der gegenwärtigen Marktsituation voraussichtlich nur zu höheren Abschlägen erfolgen“ könnte. Um diesen Puffer zu haben, reichen die eine Mrd. Euro, die die Bundesregierung bisher zugesichert hat, nicht aus. Sie werden komplett von den 950 Mill. Euro an Abschreibungen aufgefressen, die die IKB in der Nacht zum Donnerstag verkündet hatte. Nur mit der Zusicherung des Bundes konnte die Bank aber einer Insolvenz entgehen, denn sonst wäre ihr Eigenkapital unter die erforderlichen Grenzen gerutscht.

Kommt es zu einem Verkauf des Wertpapierbestands, kann es sein, dass zunächst zusätzliche Mittel nötig werden. Diese sollen dann über den Verkaufserlös für die IKB wieder ausgeglichen werden. Deshalb wird in Verhandlungskreisen davon gesprochen, dass die Hilfe für die IKB zunächst sogar insgesamt 2,3 Mrd. Euro betragen könnte. Zwischenfinanzieren würde dies vermutlich IKB-Großaktionär KfW. Die staatseigene Förderbank hält knapp 38 Prozent an der Düsseldorfer Mittelstandsbank.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: IKB-Großaktionäre wollen Anteile los werden

Die beiden größten IKB-Aktionäre KfW und Stiftung Industrieforschung haben ihre Anteile an der Bank von knapp 50 Prozent zum Verkauf angeboten. An diesem Montag läuft die Frist für die unverbindlichen Angebote aus.

Für die vollständige Finanzierung des IKB-Rettungspakets bleibt nicht mehr viel Zeit. Bis zum Wochenende erwartet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Lösung. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatten BaFin-Präsident Jochen Sanio noch am Mittwoch über das angestrebte Rettungspaket informiert. Wegen der garantierten Bundesbeteiligung von einer Mrd. Euro sieht Sanio derzeit keinen Grund, die Düsseldorfer Mittelstandsbank in die Insolvenz gehen zu lassen.

Der Bund finanziert nach Informationen aus Verhandlungskreisen seinen Anteil von einer Mrd. Euro aus Dividendeinnahmen seiner Post- und Telekom-Aktien, die bei der KfW geparkt sind. Für den Haushalt 2008 hatte Steinbrück die Dividenden bisher nicht eingeplant, sie fehlen aber entsprechend in späteren Jahren.

Derweil wird weiter darum gerungen, wer die vom Bund erwarteten zusätzlichen 500 Mill. Euro stemmt. Auf einer Sitzung des Bankenpools in Frankfurt gestern wurde keine Einigung erreicht. Die Kreditinstitute sollen sich mit insgesamt 500 Mill. Euro beteiligen. Während der Bundesverband deutscher Banken offenbar bereit ist, mehr als die Hälfte der Summe zu schultern, lehnen die Sparkassen und Genossenschaftsbanken eine Beteiligung weiter ab, wie das Handelsblatt aus Regierungkreisen erfuhr. Entsprechend offensiv gingen Sparkassen und Genossenschaftsverband gestern verbal gegen die Privatbanken vor. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, der dem BdB vorsteht, sagte gestern lediglich: „Ich denke, dass die privaten Banken zu ihren Verpflichtungen stehen.“ Der Umfang sei jedoch noch offen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: KfW-Chefin bleibt trotz Kritik im Amt

Auf der nächsten Hauptversammlung der IKB, die bis Ende März geplant ist, soll nach Informationen des Handelsblatts eine Kapitalerhöhung von einer Mrd. Euro beschlossen werden. Damit sollen die Soforthilfen in Eigenkapital umgewandelt werden.

Derweil übten erste Ökonomen Kritik an der Rettung der IKB. So sagte Willem Buiter, Professor an der London School of Economics, der Nachrichtenagentur Dow Jones, die deutsche Regierung hätte ein klares Signal an andere Banken senden sollen, indem sie die IKB nicht gerettet hätte. Die IKB sei insolvent wegen schlechter Investitionsentscheidungen und von ihr gehe – anders als von Northern Rock in Großbritannien keine Ansteckungsgefahr für das Finanzsystem aus.

Derweil nimmt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier zunehmend an die kurze Leine. Bei den gestrigen Verhandlungen der Staatsbank mit dem Banken-Pool nahm erstmals ein Finanzmarktexperte des Finanzministeriums teil, erfuhr das Handelsblatt aus Bankenkreisen.

Die Vorstandssprecherin der KfW-Bankengruppe, Ingrid Matthäus-Maier, behält vorerst ihr Amt. Trotz massiver politischer Kritik hat sich der Bund gegen ihre Ablösung entschieden, berichtet das Handelsblatt (Freitagsausgabe) unter Berufung auf Regierungskreise. „Es gibt keine Alternative“, hieß es im Bundesfinanzministerium.

Die staatliche Förderbank KfW hält 38 Prozent an der Mittelstandsbank IKB, die wegen riskanter Anleihegeschäfte mit Milliardensummen gestützt werden musste. Matthäus-Maier wird schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. Der Bund hatte am Mittwoch ein weiteres IKB-Rettungspaket in Höhe von 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Um eine Beteiligung der Finanzwirtschaft daran wird noch gerungen.

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