Mit einer kurzen Mitteilung zur finanziellen Abschirmung durch die staatseigene KfW-Bank hat die bedrängte IKB-Bank am Abend versucht, die nervösen Kapitalmärkte zu beruhigen. Die ins Bodenlose gefallene Aktie macht daraufhin einen Teil ihrer Tagesverluste wieder wett. Experten bleiben dennoch skeptisch.
HB DÜSSELDORF. Wie die IKB mitteilte, übernimmt die KfW als ihr wichtigster Aktionär „alle Risiken der IKB, die aus dem 'Conduit Rhineland Funding' erwachsen können“. Die US-Fondsgesellschaft, die massiv im strauchelnden amerikanischen Hypothekenmarkt engagiert ist, steht nicht in der Bilanz des Düsseldorfer Instituts. Für risikobehaftete Positionen in der IKB-Bilanz stehe die KfW für Verluste von bis zu einer Milliarde Euro gerade, heißt es in der Mitteilung. Die IKB betonte zudem, sie verfüge über Liquiditätsreserven in Höhe von über 12 Milliarden Euro. Diese Reserven reichten aus, um den Liquiditätsbedarf für die nächsten 12 Monate zu decken - inklusive des geplanten Neugeschäftes.
Später machte die IKB außerdem den Rauswurf des Geschäftsführers der IKB Asset Management GmbH öffentlich. Winfried Reinke sei mit Wirkung zum 1. August von seinen Aufgaben entbunden worden.
An der Börse war die IKB-Aktie am Donnerstag um bis zu 40 Prozent eingebrochen, nachdem Berichte die Runde machten, die Garantien der KfW und deutscher Privatbanken deckten nur ein Fünftel des spekulativen Engagements der IKB im US-Hypothekenmarkt ab.
Nach der Ad-hoc-Mitteilung der IKB sprang die Aktie allerdings um über zehn Prozentpunkte. Ein Händler meinte: „Die Meldung sagt klar aus, dass die Bank mit KfW-Deckung und eigenen liquiden Mitteln nicht in Gefahr ist“. Der Kurssprung sei von sehr hohem Umsatz von rund 500 000 Stück binnen Sekunden getragen worden. „Damit dürfte die Aktie ihren Boden gesehen haben“, so der Händler. Die Aktie ging mit 12,31 Euro aus dem Handel - ein Verluste von 28 Prozent. Im nachbörslichen Handel stieg die Aktie weiter - 18.45 Uhr notierte sie bei 12,90 Euro.
Nach Ansicht von Dirk Becker, einem Analysten von Kepler Equities, hat die IKB mit dieser Mitteilung allerdings keine Klarheit geschaffen. „Wenn die Bank die Aktionäre hätte beruhigen wollen, hätte sie sagen müssen, wie hoch die Mark-to-market-Verluste sind, wie diese bereinigt werden und wieviel die KfW-Hilfe kostet“. Zudem hätte IKB angeben müssen, wie sie die Prognose für den Vorsteuergewinn unter den neuen Gegebenheiten nun taxierten. „Wir können weiterhin niemandem empfehlen, die IKB-Aktie zu kaufen“, fasste Becker seine Einschätzung zusammen.
Die IKB ist auf die Finanzierung deutscher Mittelständler spezialisiert, betreut aber seit seit sechs Jahren den US-Fonds „Conduit Rhineland Funding“. Weil sich in den USA seit geraumer Zeit Kreditausfälle häufen, wurden Investoren nervös, der Fonds konnte seine Refinanzierung nicht mehr gewährleisten. Die KfW hat der IKB deshalb - unabhängig von der Abschirmung gegen die Verluste - eine Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro eingeräumt und damit deren Bonität gesichert.
Auch die Bundesbank übte sich in Schadensbegrenzung. Präsident Axel Weber meinte, Befürchtungen über eine Bankenkrise in Deutschland entbehrten jeder Grundlage. „Das Engagement deutscher Kreditinstitute am amerikanischen Immobilienmarkt ist überschaubar und insgesamt begrenzt. Es konzentriert sich auf Anlagen mit hoher Bonität“. Die Probleme der Mittelstandsbank IKB am US-Hypothekenmarkt seien institutsspezifischer Natur. Die Schwierigkeiten seien durch den Beistand der KfW wirkungsvoll aufgefangen worden.
Wegen der Turbulenzen hat die IKB ihre für Ende August geplante Hauptversammlung auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Hartmann, der auch Chefkontrolleur beim Energiekonzern Eon ist, sei von der KfW gebeten worden, seine Amtszeit entsprechend zu verlängern, sagte Eon-Konzernsprecher Peter Blau. „Hartmann hat sich dazu bereiterklärt.“ Hartmann sollte ursprünglich zur Hauptversammlung aus Altersgründen als IKB-Aufsichtsratschef ausscheiden.

