Group of Thirty, das ist ein erlauchter Kreis aus international führenden Bankern und Akademikern, der der Öffentlichkeit wirtschaftliche Zusammenhänge nahe bringen soll und daraus Schlüsse für regulatorische Schritte zieht. Das Orientierungspapier kommt noch rechtzeitig zur Washingtoner Weltwährungskonferenz. Doch in europäischen Aufsichtskreisen wird über die Reforminitiative schon gespottet, bevor sie überhaupt bekannt ist. Das hat weniger mit den Empfehlungen der Studie zu tun, als mit jenen, die sie präsentieren.
BERLIN. Hinter vorgehaltener Hand weisen Aufsichts- und Notenbankkreise darauf hin, dass "die guten Ratschläge von früheren Aufseher-Kollegen kommen, die vor ihren neuen Funktion ausgerechnet bei den heutigen Problemadressen viele Millionen Dollar verdient haben." Als Lobbyisten ihrer Branche hätten Schlüsselfiguren der G30 erst für eine breite Deregulierung gesorgt. Jetzt wollten sie der Öffentlichkeit sagen, wie der Billionen-Schaden für Kapitalmärkte und Finanzindustrie wieder gut zu machen ist. Der Bock wurde praktisch zum Gärtner gemacht.
Da ist etwa Jacob A. Frenkel, langjähriger Vize-Aufsichtsrat des Versicherungsriesen AIG
. Eine Kreditlinie von 85 Milliarden Dollar der US-Notenbank hält das Unternehmen für das erste am Leben. Als Chefökonom des IWF (1987-1991), als Israels Notenbankgouverneur (1991-2000) und als Vorsitzender der "Group of Thirty" gehört der eloquente und umtriebige Frenkel zu den Stars auf Bankenkonferenzen in aller Welt. Dass er in vielen Expertenrunden in höchsten Tönen die Giftmüllprodukte von heute als High-Tech-Innovation der Risikodiversifizierung lobte, haben manche Aufseher noch im Ohr. "Trotz der amüsanten Anekdoten in seinen unterhaltsamen Reden hat Jacob bei uns ein akutes Glaubwürdigkeitsproblem", kommentiert ein Aufseher, der nicht genannt werden will.
Ähnliches gilt für Roger W. Ferguson, einen afroamerikanischen Notenbanker mit Abschluss der Harvard Elite-Universität. Unter Alan Greenspan habe er sich an wichtigen Finanzplätzen rund um den Globus als "Amerikas Deregulierungs-Rambo" einen Namen gemacht, sagt ein langjähriges Mitglied des Forums für Finanzstabilität (FSF), dem die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) im letzten Herbst die Stabilisierung des erschütterten Finanzsystems übertrugen.
Europäischen Aufseher, Finanzminister und Notenbanker sind auf Ferguson nicht gut zu sprechen. Er habe im Vorlauf zu der größten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise "mit der Brechstange die Deregulierung der Finanzmarkte betrieben", heißt es. Den sich in den letzten Jahren immer deutlich abzeichnenden Aufbau eines Schattenbanksystems außerhalb von Bankbilanzen und die Risiken der höheren Verschuldungshebel bei den großen Investmentbanken habe Ferguson in den Baseler Aufsichtsgremien dabei regelmäßig ausgeblendet, kritisieren Veteranen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Schließlich sei es um das ganz große Geschäft gegangen. Amerikas Finanzmarktaufseher hätten "Rücksicht auf die wirtschaftlichen Interessen der Wall Street nehmen müssen."
Nachfolger von US-Notenbankchef Alan Greenspan wollte Ferguson seinerzeit werden, doch Bush hat sich damals anders entschieden. Da nahm der frühere McKinsey-Berater Ferguson das Angebot von Swiss Re-Chef
Jacques Aigrain an, für die gesamte Swiss-Re-Gruppe eine neue Geschäftsausrichtung einzuleiten: Nach den Worten von Aigrain sollte er helfen, "die Versicherungsrisiken auf die Kapitalmärkte zu übertragen". Das muss offensichtlich nicht so recht gelungen sein. Neben AIG
gehört Swiss Re
zu den größten Verlierern des Subprime-Desasters.



