Immobilienkredite: Tücken bei der Kündigung

Immobilienkredite
Tücken bei der Kündigung

Wollen Verbraucher vorzeitig aus ihrer Immobilienfinanzierung aussteigen, können sie böse Überraschungen erleben. Verbraucherschützer trommeln für eine Deckelung der sogenannten Vorfälligkeitsentschädigung.

BerlinDie Dauerniedrigzinsen animieren immer mehr Bundesbürger zu Investitionen in Betongold. Doch das niedrige Zinsniveau hat auch seine Schattenseiten. Müssen oder wollen Immobilienbesitzer ihre Finanzierung vorzeitig ablösen, verlangen Banken nach Einschätzung von Stiftung Warentest derzeit Rekordsummen. Bis zu 20 Prozent der Restschuld müssen Verbraucher dann berappen, heißt es in der neuesten Ausgabe von „Finanztest“.

Tendenziell sind die steigenden Kosten nachzuvollziehen. Denn in der Regel wurde der grundpfandrechtlich besicherte Kredit zu Konditionen aufgenommen, die deutlich über dem jetzigen Zinsniveau liegen. Wird der Kredit gekündigt, wird eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Die Bank wird für entgangene Zinseinnahmen entschädigt. Denn der Kreditgeber muss den zurückfließenden Betrag neu anlegen. Und bei der derzeitigen Situation am Kapitalmarkt kann er das oft nur zu einem niedrigeren Zins als dem ursprünglich vereinbarten tun.

Aber nicht immer geht es dabei mit rechten Dingen zu, so „Finanztest“. Viele Banken würden mehr kassieren als ihnen gesetzlich zustehe. So weist Hartmut Schwarz von der Verbraucherzentrale Bremen darauf hin, dass Banken bei ihren Berechnungen häufig unterschlagen, dass der Kunde im Vertrag das Recht zu Sondertilgungen hatte oder den Tilgungssatz erhöhen durfte. Die Bank müsse den Zinsschaden so berechnen, als ob der Kunde seine Tilgungsrechte für die restliche Zinsbindung voll ausschöpfe, entschied der Bundesgerichtshof Anfang 2016. „Da kann die Entschädigung schon einige Tausend Euro niedriger ausfallen“, bemerkt Schwarz.

Bei der Umsetzung der sogenannten Wohnimmobilienkreditrichtlinie im Frühjahr 2016 setzten sich Verbraucherschützer bereits für eine Deckelung der Vorfälligkeitsentschädigung von fünf Prozent der Summe ein. Zudem kritisierten sie, dass es keine einheitliche Berechnungsmethode für die Vorfälligkeitsentschädigung gebe.

Der Spitzenverband der Kreditwirtschaft hält nichts von einer Begrenzung. Es sei heute bereits gewährleistet, dass die geforderte Entschädigung den Vorgaben der Rechtsprechung entspreche. Auch die schwarz-rote Koalition hat sich gegen eine Deckelung ausgesprochen. Denn das würde automatisch zu einer Erhöhung des Festzinskredites führen.

Aber es ist Bewegung in die Debatte gekommen. Das Bundesjustiz- und das Bundesfinanzministerium haben eine Arbeitsgruppe zur Vorfälligkeitsentschädigung eingesetzt. Das Gremium soll klären, „welcher Berechnungsweg den Schaden des Kreditinstituts widerspiegelt und wie für Verbraucher mehr Transparenz und damit Kontrollierbarkeit und Vorhersehbarkeit der Vorfälligkeitsentschädigung gewährleistet werden kann“, so die beiden Ministerien.

Die Arbeitsgruppe dürfte sich auch mit einem besonderen Phänomen auseinandersetzen. Im September fielen die Rendite für Pfandbriefe mit bis zu sieben Jahren Laufzeit ins Minus. „Für die vorzeitige Rückzahlung sollen Kunden jetzt mehr Entschädigung an die Bank leisten als sie an Zinsen in der restlichen Kreditlaufzeit hätten zahlen müssen“, schreibt Finanztest.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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