Investmentbanking: Barclays streicht Tausende Stellen

Investmentbanking
Barclays streicht Tausende Stellen

Laut einem Medienbericht plant die britische Großbank einen umfangreichen Stellenabbau in der Investmentsparte. Erst im Februar hatte Barclays angekündigt, in diesem Jahr bis zu 12.000 Arbeitsplätze abzubauen.
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Bangalore / LondonDie anhaltende Flaute im Investmentbanking führt bei den großen Geldhäusern offenbar zu einem weiteren Jobabbau. Erster Kandidat in Europa ist die britische Großbank Barclays, wie zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zum Freitag sagten. Demnach stellt das Institut sein Kapitalmarktgeschäft auf den Prüfstand und erwägt eine weitere Verkleinerung durch den Rückzug aus kapitalintensiven Bereichen.

Die Prüfung solle bis zum Sommer abgeschlossen sein. Nach einem Bericht der „Financial Times“ stehen Tausende Jobs in der Investmentbank zur Disposition. Barclays wollte sich dazu nicht äußern.

Überraschend käme die neue Sparrunde nicht. Barclays ist ohnehin auf Schrumpfkurs. Zudem hatten in den vergangenen Tagen gleich mehrere internationale Großbanken über schleppende Geschäfte im Investmentbanking geklagt und dies mit der Unsicherheit an den Märkten zu Jahresbeginn begründet. Dabei zählt das erste Quartal traditionell zu den stärksten im Jahresverlauf. Auch die Deutsche Bank hatte von einem langsamen Jahresstart in ihrem Kerngeschäft berichtet. Zusammen mit Barclays zählt sie zu den wichtigsten Spielern im Anleihehandel, der schon länger unter den Erwartungen bleibt.

Die Probleme der Branche sind aber auch struktureller Natur. Denn die strengere Regulierung hat das Kapitalmarktgeschäft grundsätzlich teurer gemacht. Wenn es nicht rund läuft, können die Banken nur mit Kostensenkungen reagieren, um ihre Rendite-Ziele zu schaffen. Auch die Deutsche Bank denkt deshalb um, wie Co-Vorstandschef Anshu Jain im Januar vor Analysten einräumte. Der hiesige Branchenprimus betrachte das Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren zwar weiter als Kerngeschäft, erklärte er.

Aber künftig zähle hier das Ergebnis und nicht mehr so sehr das Volumen. Renditeschwache Fixed-Income-Bereiche könnten anders als früher nicht mehr einfach mitgeschleppt werden. Im Investmentbanking hat die Deutsche Bank seit dem Sommer 2012 bereits Hunderte Stellen gestrichen, was im Branchenvergleich allerdings noch moderat ist.

Dass Barclays konzernweit einen größeren Jobabbau plant, ist seit Mitte Februar klar, als die Bank einen Gewinneinbruch für 2013 ausgewiesen hatte. Der erst seit 2012 amtierende Vorstandschef Antony Jenkins hat seinem Haus - ähnlich wie Jain der Deutschen Bank - einen „Kulturwandel“ verordnet und fährt riskante Geschäfte zurück. Ganz aufgeben will er das lukrative Investmentbanking aber nicht.

Bei den Barclays-Investoren stieß zuletzt vor allem Jenkins' Ankündigung auf Protest, den Investmentbankern trotz rückläufiger Geschäfte deutlich höhere Boni zu zahlen. Die Bank begründet die Ausschüttungen damit, dass sie ihre Talente halten muss.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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