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14.07.2008 
Deutsche Bank hat bei Citibank-Verkauf das Nachsehen

Jäger des begehrten Schatzes

Als die Deutsche Bank noch rechnete, war die Citibank bereits an den französischen Konkurrenten Crédit Mutuel verkauft. Ein High-Speed-Deal und seine Folgen - auch für die künftige Bankenkonsolidierung in Deutschland.

Beim Verkauf der Citibank schaute Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in die Röhre. Foto: apLupe

Beim Verkauf der Citibank schaute Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in die Röhre. Foto: ap

Kurz vor der Unterzeichnung steht der Deal für einen Moment auf der Kippe. Donnerstagabend vergangener Woche in Düsseldorf: Seit Stunden ist der Notar zugange, wollen die Vorstände von Citibank und Crédit Mutuel eigentlich in einem Hotel in der Innenstadt auf die geglückte Übernahme anstoßen. Doch beim Eintreten schreckt eine Aussage der Manager aus Frankreich die deutschen Vorstände um Citibank-Chef Franz Josef Nick auf. "On arrive d'abord avec les oreilles, ensuite avec la bouche", lautet die Grußformel der Genossen aus dem Elsass. "Wir kommen mit den Ohren zuerst und nicht mit dem Mund."

Es braucht etwas Zeit, bis sich die Irritation gelegt hat und die Botschaft des Crédit Mutuel angekommen ist. Man werde bescheiden in Düsseldorf auftreten, erst zuhören - und dann reden. Nachdem das Missverständnis ausgeräumt ist, hebt sich auch die Stimmung schnell. "Als das klar war, hat man sich ganz gut verstanden", berichtet ein Teilnehmer.

Vorausgegangen ist ein Bankverkauf in Rekordzeit - bei dem die Deutsche Bank das Nachsehen hat. Crédit Mutuel übernimmt für rund 5,2 Milliarden Euro das Privatkundengeschäft der Citibank in Deutschland. 3,3 Millionen Kunden, 340 Filialen und rund 6 800 Mitarbeiter: Das ist hierzulande der Marktführer bei Ratenkrediten.

Für die Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft ist dieser High-Speed-Deal allerdings nur der Auftakt. Denn auch für die Allianz-Tochter Dresdner Bank und die Postbank werden neue Eigentümer gesucht. Und in all diesem Tumult steht die Deutsche Bank nun etwas ratlos da.

Dass Crédit Mutuel im Übernahmepoker um die heimische Finanzindustrie einmal eine Rolle spielen könnte, hatte keiner im Blick. Selbst Finanzprofis sagt die genossenschaftliche Bankengruppe mit Sitz in Straßburg - immerhin die Nummer zwei des französischen Bankenmarktes - wenig. Deren Chef Michel Lucas kommt das durchaus entgegen. Interviews gibt der 69-Jährige, der als Kontrollfreak gilt, nur äußerst selten. Sein Credo: nicht reden, handeln.

Mit der Übernahme schlägt Lucas gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen gelingt die über Jahre verschlafene Internationalisierung. Zum anderen erwirbt Crédit Mutuel Expertise im Geschäft mit Ratenkrediten. Und genau diese lässt sich wunderbar auch im Heimatmarkt nutzen. Mit seinem Geniestreich Citibank katapultiert Lucas sein Haus in eine andere Liga - und lässt die Deutsche Bank alt aussehen.

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