Die japanische Finanzbranche hat das Debakel um den Weiterverkauf von amerikanischen Hypothekenkrediten vergleichsweise gut überstanden. Nach einer langen Bankenkrise waren die Institute vorsichtig geblieben und bei Übersee-Investments, die hohe Zinsen bei geringem Risiko versprachen, nur begrenzt eingestiegen. Erst jetzt greift die Branche zu.
TOKIO. Die japanische Mizuho-Finanzgruppe will als eine der schwerer betroffenen japanischen Banken einheimische Investoren anzapfen, um Bilanzlöcher infolge der US-Kreditmarktkrise zu stopfen. Anders als westliche Institute ist Mizuho jedoch trotz der Krise nicht ins Minus geraten. Die einheimische Konkurrenz hat sogar genügend Mittel, um sich jetzt weltweit nach günstigen Übernahmekandidaten umzusehen.
Die Sumitomo-Mitsui-Bank beispielsweise steigt bei der angeschlagenen Barclays
in London ein. Eine enge inhaltliche Kooperation sieht zudem vor, sich gegenseitig beim Einstieg in den Heimatmarkt des jeweils anderen Partners zu helfen. "Zusammen mit einem globalen Spieler können wir in Geschäftsbereiche vorstoßen, die wir alleine nicht erreicht hätten", sagt ein SMBC-Manager. Das größte japanische Wertpapierhaus Nomura
hegt ebenfalls Expansionspläne. Derzeit ist die Gründung einer Abteilung in der New Yorker Filiale geplant, die in Anleihen im Stil eines Hedge-Fonds investieren soll. Dafür haben die Japaner die Firma Proxima Alfa Investments übernommen. Der Top-Spieler der japanischen Finanzbranche, die Mitsubishi UFJ
Financial Group, arbeitet angeblich bereits an einem Deal.
Zahlen des japanischen Bankenverbands zufolge sind die Nettogewinne der Institute zusammen gerechnet um 38 Prozent gefallen und liegen mit 2,12 Bill. Yen auf einem Dreijahrestief. Mizuho hatte im Dezember 2006 unter Vorstandschef Terunobu Maeda eigens ein Team von Experten für forderungsbesicherte Wertpapiere von der französischen Credit Agricole
abgeworben. Damit stiegen die Japaner auf den US-Markt für die Kombination, Verbriefung und den Weiterverkauf von Hypothekenkrediten geringer Bonität ein. Mizuho machte, was die ganz Großen der Branche auch machten - mit dem Ziel, selbst wieder dazuzugehören. Doch nur ein Jahr nach Beginn der Operation platzte die Blase um die sogenannten Subprime-Papiere. Von der Finanzkrise ist Mizuho mit Abschreibungen in Höhe von 3,9 Mrd. Euro stärker betroffen als andere Banken in Tokio.
Mizuho will nun Vorzugsaktien für 1,8 Mrd. Euro (303 Mrd. Yen) ausgeben. Abnehmer der Aktien sollen befreundete Geldinstitute im Inland sein. Die Ausgabe der Mizuho-Vorzugsaktien soll bereits am kommenden Freitag anlaufen. Die Bank gibt zwei Klassen von Vorzugsaktien mit jeweils festen Dividenden von 3,85 und 4,26 Prozent bis 2019 aus, danach werden sie freigegeben. Bei der Rekapitalisierung nach der japanischen Bankenkrise hatte Mizuho bereits gute Erfahrung mit solchen Papieren gemacht. Vor fünf Jahren hat die Bank Vorzugsaktien und Wandelanleihen im Wert von mehreren Mrd. Euro ausgegeben. Die Mizuho-Gruppe hatte im Fiskaljahr 2007 einen Gewinn von 311 Mrd. Yen erzielt.

