Mittlerweile steht sein Stuhl vor Tür der Stadtsparkasse Düsseldorf: Heinz-Martin Humme musste den Chefsessel räumen. Foto: dpa
Aber das ist nur die eine Seite. Die andere kann man zum Beispiel im 23. Stockwerk des neuen, geschwungenen Glaskastens der Prüfungsgesellschaft Ernst & Young erleben. Ältere, fein gekleidete Herrschaften lassen sich dort bei Häppchen und Sekt über die Renditen des chinesischen Immobilienmarktes aufklären und genießen den abendlichen Ausblick über die Stadt und den Rhein. Eingeladen hat die Privatbank Delbrück Bethmann Maffei, die seit 2005 an der Kö sitzt. Ähnlich wie die Schweizer Bank Julius Bär, die 2006 eine Niederlassung ganz in der Nähe eröffnete, glaubt sie an den Finanzplatz. Denn er hat – Krise hin oder her – nach wie vor den wichtigsten Rohstoff der Branche: betuchte Kunden. Auf diese Klientel stürzen sich neben den Banken auch jede Menge privater Vermögensverwalter und mehr als 30 Anwaltskanzleien, die auf Bankthemen spezialisiert sind.
„Die Kö ist ein Magnet für finanzkräftige Privat- und Geschäftskunden“, sagt Ulrich Hähner, der Düsseldorfer Niederlassungsleiter von Delbrück. Seiner Einschätzung nach ist die Stadt einer der umkämpftesten Märkte in ganz Deutschland – für Privat- und Geschäftskunden. Andreas Schmitz, der Chef von HSBC Trinkaus, ebenfalls an der Kö ansässig, sagt es so: „In Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen findet einfach mehr Wirtschaft statt als in Frankfurt.“
Wichtig auch: Das höchste Haus der Stadt gehört keiner Bank, sonder der Versicherungsholding Ergo. Sie kontrolliert Unternehmen wie Hamburg-Mannheimer, Victoria und DKV, zieht immer mehr Funktionen zusammen und baut ein neues Rechenzentrum. So beschäftigt sie rund 3 900 Mitarbeiter in Düsseldorf – mehr als die WestLB mit circa 3 100.
Und schließlich gibt es sogar Hoffnung für die WestLB. Der neue Chef Heinz Hilgert konzentriert sich auf das operative Geschäft und hat dafür volle Rückendeckung der Eigentümer. „Die Verhältnisse in Düsseldorf sind schlechter beschrieben worden, als sie tatsächlich sind“, sagte er kurz nach Amtsantritt zu Mitarbeitern. Er will die Prozesse straffen, die Bank aber nicht ausschlachten. Und die Hoffnungen der Konkurrenten, das Großkundengeschäft der WestLB werde in die Bedeutungslosigkeit absinken, werden sich auch nicht erfüllen. „Das Risikomanagement wird jetzt ernst genommen und die Abläufe gestrafft; die sinnvollen Geschäfte am Kapitalmarkt werden nicht über Bord geworfen“, sagt ein Manager der Bank. Die Düsseldorfer hätten immer noch rund 2 000 Mittelstandskunden, die auch international betreut werden wollten.
Die Landesregierung in Düsseldorf gibt dem neuen Chef Zeit. „Notwendig sind Geduld und Augenmaß. Sonst verlieren nämlich alle Beteiligten viel Geld“, sagt Finanzminister Helmut Linssen (CDU). Die Sanierung veranschlagt er auf drei bis fünf Jahre. Erst stärken, dann mit einer Landesbank verheiraten, lautet seine Maxime.
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