Kapitalerhöhung: Commerzbank will sich vom Staat befreien

Kapitalerhöhung
Commerzbank will sich vom Staat befreien

Mit einer Kapitalerhöhung im Volumen von mindestens fünf Milliarden Euro will Commerzbank-Chef Martin Blessing sich wieder unabhängiger vom Staat machen. Er will die Bundesrepublik zum Teil ausbezahlen - Finanzminister Schäuble begrüßt das.

FRANKFURT/BERLIN. Vor fast genau zwei Jahren, am 1. September 2008, frohlockte Martin Blessing: "Wir ergreifen eine einmalige Chance", sagte der Commerzbank-Chef, als er die Übernahme der Dresdner Bank für mehr als zehn Milliarden Euro verkündete. "Wir untermauern damit unseren Anspruch auf die Marktführerschaft in Deutschland."

Doch nur wenige Monate später entpuppte sich die einmalige Chance als ziemliches Fiasko. Die Übernahme, einer der größten Bankenzusammenschlüsse in der deutschen Geschichte, war ohnehin schon fast eine Nummer zu groß für die Commerzbank. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers - nur 14 Tage nach Blessings Auftritt - und die folgende weltweite Finanzkrise besorgten den Rest: Die Commerzbank taumelte dem Abgrund entgegen. Sie hielt plötzlich mehr Risiken in den Büchern, als ihr guttat. Der Staat und damit der Steuerzahler mussten die Bank mit insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro vor dem Untergang bewahren.

Seitdem ist die Bundesregierung über den Bankenrettungsfonds Soffin mit 25 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Eine Situation, die weder der Bank noch der Politik sonderlich behagt. Beide brauchen in diesen Tagen nichts dringlicher als gute Nachrichten: die Berliner Regierung, weil ihre Umfragewerte im Keller sind; die Commerzbank, weil die Staatsbeteiligung ihr wie ein Klotz am Bein hängt und den Aktienkurs drückt. Vater Staat ist zwar verlässlich, aber sexy ist er nicht.

Die Lösung für beide kann deshalb nur heißen: Der Staat muss raus aus der Commerzbank. Und genau das plant Blessing - und zwar viel früher als erwartet.

Der Commerzbank-Chef will nach Informationen des Handelsblatts schon bald neue Aktien am Markt verkaufen und damit den Staat zum Teil ausbezahlen. In seinem Umfeld heißt es: Der Vorstandschef setze alles daran, möglichst im Herbst eine erste Kapitalerhöhung durchzuführen. Das Volumen: fünf Milliarden Euro, berichten Insider, die mit dem Thema befasst sind. Es könne aber auch mehr sein, wenn der Markt es hergebe, sagen sie. Voraussetzung ist, dass die Stimmung an der Börse gut ist und der Aktienmarkt insgesamt Stabilität zeigt.

Seite 1:

Commerzbank will sich vom Staat befreien

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%