Wie sind Sie selbst in die Diskussion gekommen?
Wenn man sich ein bisschen mehr mit Banken beschäftigt, dann gerät man sofort in Verdacht. Glücklicherweise ist das verfassungsrechtlich für meine Person ausgeschlossen, weil der Status der geschäftsführenden Landesregierung es dem Ministerpräsidenten verbietet, diese zu verlassen. Ich halte allerdings die Philosophie für falsch, dass Politiker hier generell Fehl am Platz wären. Auch unter ihnen gibt es Menschen, die wirtschaftliche Verantwortung übernehmen können, weil sie über einen entsprechenden Background verfügen.
Mit der SachsenLB, WestLB und der BayernLB sind die Landesbanken besonders beroffen von der Krise. Sollen öffentlich-rechtliche Banken nicht konsolidiert werden?
Es ist richtig, dass wir uns einer Landesbankendiskussion nicht entziehen können. Aber hier ist nicht nur die Politik gefragt. Die klassischen Eigentümer der Landesbanken, die Sparkassenverbände, haben bis heute keine ausreichende Idee für ein koordiniertes Geschäftsmodell zwischen Landesbanken und Sparkassen entwickelt. Hier liegt der Hase im Pfeffer. Dieses Versäumnis kann man auch durch eine Fusion von zwei oder drei Landesbanken nicht wettmachen. Wenn man dauerhaft beschließt, dass einem Landesbanken egal sind, dann vergeben die Sparkassen viele Chancen. Denn aus dem, was die Landesbanken national und international neben dem Sparkassengeschäft betreiben, kann durchaus ein interessantes Kreditinstitut entstehen.
Was empfiehlt die Politik?
Ich glaube nicht, dass die Sparkassen dauerhaft ohne Wholesalebanking überleben werden. Regionalität macht nur Sinn, wenn die Sparkassen die Unternehmen dauerhaft in der Globalisierung begleiten können. So sind die Sparkassen aber nicht aufgestellt, wenn sie sich nicht in eine klassische Bankenstruktur begeben. So lange nicht klar ist, ob die Sparkassen als Eigentümer zu ihren Landesbanken stehen, ist die zukünftige Gestaltung des öffentlich-rechtlichen Bankensystems extrem schwierig.
Sind Sie zerknirscht, dass die Fusion der WestLB abgesagt wurde?
Man hätte die Frage, was wird aus der WestLB, durchaus länger beobachten können. Vor ein paar Jahren hätten wir uns doch erstaunt die Augen gerieben, wenn die Helaba mindestes auf Augenhöhe mit der WestLB hätte verhandeln können.
Sollten Landsbanken am Ende auch Sparkassen übernehmen, um schlagkräftige Konzerne zu bekommen?
Aus der Frage der Vertikalisierung darf man keine Ideologie machen. Genau das tun aber die Sparkassen. Ich halte es für völlig abwegig, dass alle Sparkassen etwa in Hessen-Thüringen auf eine Landesbank fusioniert werden. Aber für das Rhein-Main-Gebiet, wo der Wettbewerb unglaublich hoch ist, kann das eine Option sein. Meine Meinung heißt nicht, Vertikalisierung ist für alles die Zukunft. Es ist aber falsch, das grundsätzlich auszuschließen oder es unabhängig von einer sachlichen Prüfung als Prinzip festzuschreiben. Manche Sparkassenvorstände sagen, wenn es keine Landesbanken gäbe, fiele auch die Diskussion um die Vertikalisierung weg. Das ist dann nur noch irrational.
Wenn nun beispielsweise München und Stuttgart fusionieren, gerät da nicht die Helaba ins Abseits?
Wir können aufgrund der Performance der Bank relativ gelassen sein. Die Helaba ist ein Schatz in der Landesbankenlandschaft, über den jeder bei einem Zusammengehen eher glücklich als unglücklich sein wird.
Soll die Helaba weitere Sparkassen Im Ballungsraum Rhein-Main übernehmen?
Die Frage muss man weiter fassen, nämlich wie kommen wir zu wirtschaftlichen Einheiten, die wettbewerbsfähig sind zu anderen Großregionen. Mit der freien Frankfurter Sparkasse (Fraspa) haben wir die Region Frankfurt wieder in die öffentlich-rechtliche Sparkassenfamilie zurückgeholt. Jetzt müssen die Sparkassen dafür sorgen, dass mittelfristig das volle Potenzial der Region ausgeschöpft wird. Dazu gehört auch die Frage, wie die Sparkassen zusammenkommen, und die Fraspa ist dabei der stärkste Spieler. Das war doch eine hochrentierliche Investition, jede Sparkasse im Norden Hessens kann heute schon froh sein, dass der Wert ihrer Helaba durch die Fraspa gestiegen ist. Aus Sicht der Bürger ist das Rhein-Main-Gebiet sowieso eine wirtschaftliche Einheit, das spiegelt sich bei den Sparkassen zu ihrem Schaden noch nicht wider.
Gibt es Gespräche zwischen Ministerpäsidenten über die Landesbanken?
Man kann hier ausschließen, dass es kurzfristig zu Ergebnissen kommt. Sicherlich gibt es Gespräche mit einer größeren Ernsthaftigkeit als einige Jahre zuvor, zum Glück sind auch Feindbilder zerstört worden. Aber es bleibt dabei: die Politik wird in dieser Frage überschätzt. Die Sparkassen sind nun einmal die entscheidenden Eigentümer, die ein eigenständiges Geschäftsmodell entwickeln müssen. Wenn das mal steht, dann wird das auch in der Politik andere Kräfte zur Gestaltung frei setzen. Die größte Sorge der Politik besteht darin, dass die Chance, eine große nationale und internationale Rolle zu spielen, von den Sparkassen nicht wahrgenommen wird. Viele Sparkassenvorstände glauben, wenn sie sich der Landesbanken entledigen, sei langfristig eine Existenzgarantie für die Sparkassen gegeben. Die meisten der Ministerpräsidenten wollen eine leistungsfähige öffentlich-rechtliche Säule in der Finanzindustrie. Aber sie muss wirklich zukunftsgewandt sein
Was soll mit der Postbank geschehen?
Das ist die letzte Einflussmöglichkeit des Staates auf den Konsolidierungsprozess unter den privaten Banken. Hier gibt es eine Chance für ein zweites Standbein - zumindest in Europa. Dafür hat die deutsche Bankenlandschaft alle Potenziale. Ich sehe nicht nur eine Lösung, sondern zwei oder drei. Wahnsinnig viele sind es aber nicht mehr. Ich hoffe sehr, dass die Beteiligten das auf der nationalen Ebene bedenken, bevor sie eine Entscheidung treffen.
Das Interview führten Nicole Bastian, Peter Köhler und Robert Landgraf.

