Gezeichnet von der monatelangen Krise um die staatseigene Förderbank KfW, gibt die Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier überraschend auf. Sie lege ihr Amt als Sprecherin mit sofortiger Wirkung nieder. Bis September bleibe sie noch einfaches Vorstandsmitglied und gehe dann in den Ruhestand, teilte die 62-Jährige am Montag mit. Doch auch nach Rücktritt der Chefin ist die Frage nach der Verantwortung für das Desaster bei der KfW nur teilweise beantwortet.
KfW-Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier (hier bei der Bilanzpressekonferenz im Januar 2008), hat ihr Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Foto: ap
bas/ben/dri/saf FRANKFURT/BERLIN. Ihr Vertrag wäre bis Juni 2009 gelaufen. Kommissarisch übernimmt KfW-Vorstandsmitglied Wolfgang Kroh (63) den Chefposten. Nach einem dauerhaften Nachfolger wird gesucht.
Zugleich legte die KfW am Montag ein desaströses Ergebnis vor. Auf die im vergangenen Jahr von der IKB übernommenen Risiken muss sie weitere 1,8 Mrd. Euro abschreiben. Das treibt ihren Konzernverlust für 2007 auf knapp 6,2 Mrd. Euro. Ohne die Belastungen durch die IKB hätte die KfW einen Konzerngewinn von knapp einer Milliarde Euro erzielt. Den größten Teil des nach den internationalen Bewertungsrichtlinien IFRS ermittelten Verlusts deckt die KfW durch ihren Fonds für allgemeine Bankenrisiken, der nun völlig aufgebraucht ist. Der Rest werde mit Jahresüberschüssen der Folgejahre verrechnet. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) versicherte, es gebe zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Wirtschaftsförderung durch die KfW.
Insgesamt erreicht die Belastung der KfW durch die Mittelstandsbank IKB, an der sie derzeit gut 45 Prozent hält, nun 7,2 Mrd. Euro. Nachdem sich die Düsseldorfer IKB im vergangenen Sommer mit spekulativen Verbriefungsgeschäften an den Rand des Abgrunds manövriert hatte, mussten KfW, Bund und Bankenverbände sie mit Milliardensummen stützen. Inklusive der neuen Abschreibungen beträgt das Hilfspaket jetzt insgesamt rund zehn Mrd. Euro.
In Berlin war wiederholt über den Posten Matthäus-Maiers spekuliert worden. Die KfW beginne „durch die andauernde Personaldiskussion Schaden zu nehmen“, begründete Matthäus-Maier ihren Schritt. Zudem sei sie durch die Belastungen gesundheitlich schwer angeschlagen. Die KfW-Chefin übte schwere Kritik an dem politischen Tauziehen in Berlin auf dem Rücken der KfW und an einigen Banken, die von ihrer eigenen Verantwortung ablenken wollten.
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Berliner Politiker reagierten unterschiedlich auf Matthäus-Maiers Rücktritt. SPD und Grüne stellten sich hinter die Bankerin. „Sie musste den Kopf für Fehler hinhalten, die sie selbst nicht zu verantworten hatte“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Christine Scheel, die Mitglied im KfW-Verwaltungsrat ist. Matthäus-Maier hatte nicht im Aufsichtsrat der IKB gesessen.
CDU-Politiker Michael Fuchs, der als erster Vertreter der Regierungsparteien den Rücktritt der KfW-Chefin gefordert hatte, zeigte sich hingegen zufrieden. Der künftige Vorstandssprecher der staatseigenen Bank dürfe nicht wie im Fall Matthäus-Maier politisch motiviert an die Spitze gesetzt werden. Er müsse langjährige Bankerfahrung vorweisen, sagte Fuchs dem Handelsblatt. Steinbrück sagte nach Angaben vom Montagabend am Rande einer Veranstaltung in Frankfurt: „Es wird ein Profi sein müssen, wo der Sachverstand eine Rolle spielt und nicht die Politik.“ Ein geordnetes Verfahren zur Suche des Nachfolgers werde so schnell wie möglich beginnen.
Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen hat sich KfW-Chefin Matthäus-Maier offenbar bei einer Telefonschaltung des Präsidialausschusses vor knapp zwei Wochen mit den beiden KfW-Verwaltungsratsvorsitzenden, Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), überworfen. Matthäus-Maier hatte sich geweigert, für weitere Risiken der IKB einzustehen. Erst kurzfristig informierte sie Glos und Steinbrück am Montag über ihren Schritt.
Auch nach dem Rücktritt der KfW-Chefin ist die Frage nach der Verantwortung nur teilweise beantwortet. Nach Ansicht des Vorsitzenden des Bundestags-Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), zeigt sich mit der Entscheidung von Matthäus-Maier, dass das ganze Konstrukt KfW/IKB „voll vor die Wand“ gefahren sei. Fricke warnte davor, Matthäus-Maier nun zur Alleinschuldigen zu machen. Die politische Verantwortung liege bei der Regierung.
In der Finanzszene traf der Rücktritt der KfW-Chefin auf Verständnis. Persönlich könne man ihr die vor ihrem Amtsantritt angelegte IKB-Krise nicht anhängen, sagte der Nürnberger Bankenprofessor Wolfgang Gerke.

