Ein handfester Skandal: Ausstehende Kredite in Höhe von 82 Millionen Euro belasten die KfW Ipex Bank. In Südbrasilien sollten insgesamt acht Biokraftwerke durch Kredite der KfW Ipex Bank entstehen, zur Beseitigung des Strommangels. Wie die KfW Biomassekraftwerke in Brasilien fördert und Millionenkredite verheizt – ein Wirtschaftskrimi mit Verwicklungen.
PORTO ALEGRE/FRANKFURT. Der Taxifahrer mustert seinen Gast auf der Fahrt vom Flughafen ins Zentrum des südbrasilianischen Porto Alegre von der Seite. „Bist du Deutscher?“, fragt er, „kommst du wegen des Kreditskandals der KfW?“ Dann beginnt er wie ein Rohrspatz auf korrupte brasilianische Politiker zu schimpfen. Als er seinen abgetakelten Fiat Uno vor der Fußgängerzone im Zentrum der Metropole mit 1,4 Millionen Einwohner quietschend stoppt, gibt er noch den Ratschlag: „Ihr Deutschen solltet genau aufklären, wo das Geld geblieben ist – sonst herrschen bei Euch auch bald brasilianische Zustände.“
Der Taxifahrer meint mit „Skandal“ nicht die Verluste der Mittelstandsbank IKB, welche die staatliche KfW Bankengruppe als Teilhaberin derzeit mächtig unter Druck setzen. In Brasilien ist die KfW, genauer die Projekt- und Exportfinanzierungstochter KfW Ipex Bank, in einen ganz anderen Skandal verstrickt: Dort haben die Frankfurter Probleme, Kredite in Höhe von 82 Millionen Euro wiederzubekommen. Was in Deutschland kaum wahrgenommen wird, schlägt in Brasilien hohe Wellen: Vor zwei Wochen wurden sieben Beteiligte in einer Nacht-und-Nebel-Aktion festgenommen. Interpol sucht einen weiteren Verdächtigen in Deutschland.
Seit fünf Monaten hat die brasilianische Bundespolizei Telefonate abgehört, Bankkonten durchforstet und Festplatten beschlagnahmter Computer ausgewertet. Bei der Pressekonferenz nach der Festnahme geht es chaotisch zu: Alle Fernsehsender, Radiostationen und Zeitungen des Bundesstaats von knapp der Größe Italiens haben meist mehrere Reporter geschickt. Der Presse sagt Alexandre Isbarrola, Chef der Einsatzgruppe für Finanzdelikte, die Nachforschungen glichen einem „komplizierten Thriller“. Und doch räumt er ein: „80 Millionen Euro bleiben weiterhin spurlos verschwunden.“
Um was geht es? Die KfW Ipex Bank wollte den Bau von insgesamt acht Biomassekraftwerken in Südbrasilien mit Krediten über 157 Millionen Euro finanzieren. In dem Landstrich herrscht massiver Strommangel, und die kleinen Kraftwerke an der Grenze zu Argentinien und Uruguay könnten mit Holzabfällen und Reisstroh befeuert werden. Auf die Kraftwerkprojekte aufmerksam machte die KfW eine deutsche Firma: das Hamburger Handelsunternehmen CCC Machinery, eine Tochter von MPC Münchmeyer Petersen & Co.
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