Das Ringen zwischen Banken und Private-Equity-Fonds um die noch offenen Übernahmefinanzierungen geht in die entscheidende Runde. Um einen Megadeal zu retten, ist der Finanzinvestor KKR erstmals zu einem ganz besonderen Zugeständnis bereit – und setzt damit innerhalb der Branche ein wegweisendes Zeichen.
Im Zuge der Kreditkrise geht der Finanzinvestor KKR auf scheue Investoren zu.
NEW YORK/LONDON/BERLIN. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals “(WSJ) hat der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co (KKR) erstmals seine Bereitschaft signalisiert, Abstriche bei der Finanzierung eines Megadeals hinzunehmen. Demnach ist KKR bereit, zum Kauf des IT-Dienstleisters First Data den finanzierenden Banken um Credit Suisse größere Sicherheiten („covenants“) einzuräumen. Der Verkauf der Kreditpakete soll noch in dieser Woche beginnen.
Die Verhandlungen über die 24 Mrd. Dollar schwere Finanzierung für First Data hat wegweisende Bedeutung für zahlreiche andere Kreditpakete, die im Herbst an den Markt kommen. Insgesamt haben die Banken Kreditzusagen im Wert von mehr als 300 Mrd. Dollar gegeben, die sie ursprünglich verbriefen und an Investoren weiterreichen wollten. Die durch die Subprime-Krise ausgelöste Risikoscheu der Investoren hat jedoch auf den Finanzmärkten zu einer Liquiditätskrise geführt, so dass die Finanzierungen nur mit höheren Risikoprämien und zusätzlichen Sicherheiten platziert werden können.
Bild für Bild: Wie es zur Subprime-Krise kam
First Data hat deshalb eine besondere Bedeutung, weil die Transaktion ein Paradebeispiel für die Exzesse des vergangenen Buy-out-Booms darstellt. Nicht nur war der Kreditanteil der insgesamt 26,4 Mrd. Dollar schweren Transaktion außerordentlich hoch. Der Deal wurde auch besonders aggressiv finanziert. So verzichteten die Banken im Hochgefühl des Booms auf Kreditsicherheiten und ließen sich darauf ein, bei Zahlungsrückständen neue Schuldtitel zu akzeptieren.
Nach dem WSJ-Bericht ist KKR nun bereit, den Banken eine relative Obergrenze für die Verschuldung zu garantieren. Auf diese Weise hat das Bankenkonsortium einen Hebel, um seine Kreditzusagen an den Geschäftserfolg von First Data zu binden. KKR besteht aber weiter auf wesentlichen Teilen der vereinbarten Konditionen.
Investmentbanker an der Wall Street rechnen damit, dass die Banken um Credit Suisse einen Großteil des Kreditpakets für First Data nur noch mit einem Abschlag von bis zu fünf Prozent verkaufen können. Sie müssen entweder schlechtere Konditionen akzeptieren oder aber die Kredite in die eigenen Bücher nehmen. Selbst dann wäre eine Wertberichtigung angesichts der gesunkenen Marktpreise fällig.
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Nach Schätzungen von Citigroup-Analyst Pashant Bhatia könnten die Finanzierungsprobleme die Ergebnisse der Investmentbanken um bis zu fünf Prozent drücken. Manche Experten rechnen sogar mit einer wesentlich höheren Belastung. Bhatia geht davon aus, dass alleine die fünf größten Wall-Street-Häuser rund 75 Mrd. Dollar an offenen Kreditzusagen in ihren Büchern haben. In Europa haben Citigroup und Barclays offene Übernahmefinanzierungen von jeweils zwölf Milliarden Dollar in den Büchern stehen. Die Deutsche Bank ist mit neun Milliarden Dollar dabei.
Zugleich treiben die gestiegenen Kreditrisiken auch die Refinanzierungskosten der Banken in die Höhe. So ist etwa die Bonität von Lehman Brothers unter das Niveau von Kolumbien gesunken. Goldman Sachs muss am Anleihemarkt höhere Zinsen als der Baumaschinenhersteller Caterpillar zahlen.
„Es gibt so viele Unbekannte, dass die Zweifel (am Markt) die Zinsen in die Höhe treiben“, sagte William Larkin, Portfolio-Manager bei Cabot Money Management in Salem, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die gestiegenen Risikoprämien auf den Anleihemärkten dürften die Ergebnisse der Finanzhäuser zusätzlich weit bis in nächste Jahr hinein belasten. 2008 müssen Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Bear Stearns insgesamt 133 Mrd. Dollar refinanzieren.
Die Krise an den Finanzmärkten spielte auch beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy die zentrale Rolle. Beide sprachen sich für mehr Transparenz und Regulierung aus. „Wir wollen einen Kapitalismus der Unternehmer, nicht einen der Spekulanten“, sagte Sarkozy. Beide nahmen dabei nicht nur Hedge-Fonds, sondern auch die internationalen Ratingagenturen ins Visier. Merkel kündigte an, dass dies bereits auf der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) angesprochen werde. Es müsse klar sein, wer welche Risiken auf den Finanzmärkten übernehme.
In der gemeinsamen deutsch-französischen Erklärung hieß es, um Übertreibungen zu vermeiden, bedürfe es der „Transparenz der Finanzmärkte und geeigneter Regulierungs- und Überwachungsmaßnahmen“. Damit scheint sich eine neue Haltung der Bundesregierung anzudeuten. Bislang hatte sich diese vor allem auf die Forderung nach Transparenz konzentriert.
Gefährdete Großdeals
Die Kreditkrise hat nicht nur den Zeitplan der Übernahme von First Data durch den Finanzinvestor KKR durcheinandergebracht. Gefährdet ist auch der von einem amerikanischen Dreier-Konsortium geplante Kauf des größten kanadischen Telekomkonzerns BCE für fast 48 Mrd. US-Dollar. KKR und die Beteiligungsfirma TPG bangen außerdem um die 45 Mrd. Dollar schwere Übernahme des texanischen Energiekonzerns TXU. Wackelig ist darüber hinaus die von TPG und Apollo Management angestrebte Übernahme des Kasinobetreibers Harrah’s Entertainment für 27,8 Mrd. Dollar.

