Kredite von privat zu privat, vermittelt über das Internet, sind einfacher geworden. In den vergangenen Wochen sind mindestens vier Vermittlungsplätze für private Darlehen in Deutschland im Web gestartet. Obwohl sie von Verbraucherschützern harsch kritisiert werden, stoßen die Plattformen auf großes Interesse – und könnten für die Banken zu einer ernsthaften Konkurrenz werden.
FRANKFURT. Er nennt sich „Cleverfahren“, und er möchte seinen Volvo auf Gasantrieb umrüsten. Das ist günstiger als Benzin, die Umrüstung kostet aber 2 000 Euro. Seine Bank hat ihm einen Kredit zu einem Zinssatz von zehn Prozent angeboten. „Das sehe ich aber nicht ein, da ich eine hervorragende Bonität habe“, sagt der 30-jährige Angestellte. Unter dem Pseudonym „Cleverfahren“ suchte er auf der Internetplattform Smava nach besseren Konditionen und wurde fündig: Innerhalb weniger Tage stellten ihm andere Teilnehmer den Kredit zu einem Zinssatz von fünf Prozent zur Verfügung.
Kredite von privat zu privat, vermittelt über das Internet, ohne den Gang zur Bank, sind in Deutschland einfacher geworden. In den vergangenen Wochen sind mindestens vier Vermittlungsplätze für private Kredite in Deutschland im Internet gestartet: Elolly, Auxmoney, SOS Money und eben Smava. Sie stoßen auf reges Interesse. „Die Nachfrage ist unglaublich, wir sind in Anträgen ertrunken“, sagt Smava-Geschäftsführer Alexander Artopé, der sechs Jahre lang Chef des Berliner Software-Unternehmens Datango war. Die Zahl der registrierten Geldgeber und Interessenten sei schon eine Woche nach dem Start im März vierstellig gewesen.
Kreditsuchende können umsonst Anfragen für 500 bis 10 000 Euro Kredit aufgeben und nennen den Zins, den sie bereit sind zu zahlen. Die Laufzeit beträgt pauschal drei Jahre. „Sunsurfer“ benötigt 3 500 Euro, um die Hochzeit seines Bruders in Vietnam zu feiern, „Nane77“ aus Nordrhein-Westfalen will ihren Dispokredit ausgleichen. Bei einer erfolgreichen Kreditvermittlung zahlen sie ein Prozent als Gebühr an Smava. Mit solchen Plattformen könnte den Banken in Deutschland durchaus Konkurrenz erwachsen. „Ich kämpfe gegen Banken“, sagt denn Dirk Morina, Gründer des Konkurrenten Elolly. Anfang März startete Elolly als erste Vermittlungsseite für Kleinkredite in Deutschland. Er habe Elolly gegründet, weil Banken jungen Unternehmen viel zu häufig eine Finanzierung verweigerten, sagt der 34-Jährige. Mittlerweile habe seine Plattform registrierte Mitglieder im fünfstelligen Bereich.
Das Elolly-Modell läuft anders als bei Smava: 9,50 Euro müssen Kredit- oder Anlagesuchende zahlen, um sich registrieren zu lassen. Elolly vergleicht die Profile und vermittelt dann kostenlos Kontakte. Schon Ende Mai will Morina mit Elolly, das derzeit offiziell von der Firma BDH Teledat Gesellschaft für Telefonmarketing in Dortmund betrieben wird, in die Gewinnzone. Künftig will Morina stärker private Kleinkredite an Firmenkunden vermitteln und zudem eine spanische und italienische Seite eröffnen. In den USA und Großbritannien sind Kreditplattformen schon länger erfolgreich. Nun kämpfen mehrere Unternehmen um den deutschen Markt. Selbst aus Nevada zieht es Anbieter an: Xact Media aus Reno hat die Seite Auxmoney gestartet.
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Die neuen Kreditmarktplätze im Internet stoßen jedoch auf harsche Kritik der Verbraucherschützer. „Ich warne ganz massiv davor“, sagt Stefanie Laag, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale NRW etwa zu Elolly. „Man muss erst bezahlen und hochsensible Daten angeben, bevor man überhaupt sieht, was sich dahinter verbirgt.“ Auf die Kritik der Verbraucherschützer hin hat Elolly den Passus aus seinen Geschäftsbedingungen genommen, die Kundendaten gegen Entgelt weitergeben zu dürfen. „Wir haben anfangs Fehler gemacht“, räumt Morina ein.
Verbraucherschützer und Banken warnen indes bei Smava, Elolly & Co auch vor Kreditausfällen. „Die Vergabe oder die Inanspruchnahme von Krediten unter Privatpersonen kann erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken bedeuten, die für die meisten Verbraucher nur schwer überschaubar sind“, heißt es beim Zentralen Kreditausschuss, der die Banken vertritt. Smava versucht, das Ausfallrisiko über eine Schufa-Auskunft zu minimieren. Die Bonität wird bei den Kreditanfragen angezeigt.
Potenzielle Kreditnehmer müssen zudem Lohndokumente vorlegen und Angaben über ihre Ausgaben machen, Smava errechnet daraus das mögliche Kreditvolumen. „Wir wollen so verhindern, dass die Leute blind in die Überschuldung laufen“, sagt Artopé. Morina setzt bei Elolly indes auf die Cleverness der Geldverleiher. Jeder könne Sicherheiten für sein Geld verlangen – und das hätten die ersten 100 Verleiher auch getan, vom Auto bis zur Schrankwand des Geldsuchenden. Wer wolle, könne zudem auf einer Schufa-Auskunft bestehen. Auxmoney will zunächst bewusst die „Eintrittsbarriere für neue Nutzer so niedrig wie möglich“ halten, heißt es in einer Mail aus Nevada. Später werde man Bonitätsauskünfte einführen.
Smava setzt zudem auf Risikostreuung in der Gruppe. Gläubiger können sich in Anleger-Pools zusammenschließen, die eventuelle Ausfallkredite gemeinsam tragen. Die Schuldner können ebenfalls verschiedenen Gruppen beitreten. Wie bei Ebay zeigt ein Sternchensystem dann die Zahlungsmoral an. „In den Gruppen wird eine soziale Kontrolle ausgeübt“, hofft Artopé.
Die Kreditanfragen poolen darf Smava, weil das Unternehmen sein Geschäft auf Basis einer Banklizenz betreibt: Smava kooperiert mit der Bank für Investments und Wertpapiere (biw AG). Elolly, Auxmoney dürfen dagegen nur den Kontakt vermitteln. Die Bankenaufsicht hat die Internet-Kreditvermittler im Blick: „Wir schauen uns solche Plattformen genau an“, sagte ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). „Wenn dort gewerbsmäßig Geld verliehen wird, gehen wir dagegen vor.“ Gewerbsmäßig sind Kreditgeschäfte, wenn sie regelmäßig erfolgen. Bei Elolly darf deshalb Morina zufolge jeder nur vier Mal Geld verleihen. An eine Bankenkooperation denkt er nicht. Auxmoney ist hingegen nach eigenen Angaben auf der Suche nach einem Bankenpartner.
Gestandene Banker halten sich bisher indes bewusst zurück. Sollten solche Seiten wirklich nachhaltig abheben, meint einer von ihnen, könne man immer noch selbst ein ähnliches Portal anbieten.
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Auf dem Direktweg: Die Grundidee von Kreditplattformen im Internet ist einfach: Warum soll Herr A sein Geld bei einer Bank anlegen, die dann Frau B das Geld für einen weitaus höheren Zinssatz verleiht? Wenn Herr A das Geld direkt an Frau B verleihen würde, könnte er eine höhere Rendite und Frau B einen niedrigeren Zinssatz bekommen. Soziale Kreditvergabe, social lending, heißt dieses Prinzip im angelsächsischen Raum, wo die Idee der Kreditmarktplätze entstanden ist.
Erfolgreiche Vorreiter: In den USA und Großbritannien sind Kreditplattformen von privat zu privat vor zwei Jahren mit großer Resonanz gestartet. Prosper aus den Vereinigten Staaten bringt es auf immerhin 180 000 Nutzer, die sich bereits 36 Millionen Dollar geliehen haben. Bei Prosper werden Kredite zwischen 50 und 25 000 Dollar vergeben. Bei dem im Frühjahr 2005 gestarteten britischen Unternehmen Zopa sind inzwischen 135 000 Briten registriert. Ähnliche Angebote gibt es inzwischen auch in Dänemark und den Niederlanden.
Die Risiken: Die jetzt in Deutschland gestarteten Angebote bieten ganz unterschiedliche Sicherungsmechanismen. Die Plattformbetreiber sind jedoch in der Regel reine Vermittler. Gibt es später Probleme mit dem Kreditpartner, haften sie nicht. Deshalb sind Verbraucherschützer skeptisch. Auskünfte über die Bonität des Kreditsuchenden können Orientierung bieten; Sicherheiten sollten für den Fall vereinbart werden, dass der Schuldner nicht mehr zurückzahlen kann.

