Die Anzeichen für einen Klimawandel mehren sich, aber nur wenige Asset-Management-Firmen beginnen, sich auf das neue Thema einzustellen. Zu den Ausnahmen zählen der große Vermögensverwalter Allianz Global Investors sowie Nischenspieler wie die schweizerische Pictet und die US-Adresse Fraser.
FRANKFURT/M. Seit Jahren stellen Wissenschaftler Zusammenhänge zwischen einem Klimawandel, globaler Erwärmung und erhöhtem Kohlendioxidausstoß her. Hurrikan „Katrina“ und ausgeprägte Dürren etwa in Australien und Südeuropa, die die Preise für Agrarprodukte beflügeln, stützen diese Theorien. „Wahrscheinlich wird der Klimawandel einen direkten Einfluss auf Weltwirtschaft, Finanzmärkte und Aktienwerte haben“, sagt daher Allianz-Vorstand Joachim Faber. Der Leiter der Anlagesparte Allianz Global Investors hat Ende Juni mit einer Studie über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzbranche eine Vorreiterrolle übernommen.
Die meisten anderen Geldmanager dagegen fühlen sich noch kaum betroffen. „Sie haben nicht die geringste Ahnung von den Folgen der globalen Erwärmung“, urteilt der bekannte Geldverwalter Marc Faber in Hongkong. Der Brite Andrew Skirton, Chef des weltweit zweitgrößten Geldverwalters Barclays Global Investors, erkennt ebenfalls Defizite: „Die Anlagebranche stellt sich langsamer auf das Thema ein, als sie sollte.“
Laut Faber ziehen die meisten institutionellen Investoren ungern eine direkte Verbindung zwischen Klimawandel und Anlagerisiko. Sie gäben ihren Fondsmanagern daher auch keine Weisung, das Thema bei der Verwaltung ihrer Gelder zu berücksichtigen. „Traditionelle Geldverwalter dazu, die Folgen des Klimawandels herunterzuspielen“, sagt der Allianz-Mann.
Wenn sich einzelne Anlagehäuser doch mit dem Thema beschäftigen, dann wird es meist – anders als bei der Allianz – nicht zur Chefsache gemacht. Es fällt häufig in die Verantwortung der Experten für nachhaltige Anlagen, die sich der Geldanlage unter ökologischen und sozialverträglichen Aspekten widmen. Laut Christoph Butz, einem Nachhaltigkeitsexperten bei Pictet Asset Management, sind neue Modelle in der Finanzanalyse gefragt, die systematisch Folgen des Klimawandels erfassen. „Es geht etwa um die Bildung von Risikoklassen für Firmen mit hohem Energieverbrauch wie Papier- oder Halbleiterhersteller und solche mit niedrigem Energieverbrauch“, erläutert der Pictet-Mann. In diesen Fällen müsse man die Gewinnschätzungen wegen des Risikos eines erhöhten Kohlendioxidausstoßes anpassen. Das könne teilweise auch höhere Prognosen nach sich ziehen, wenn die gesetzlich fixierten maximalen Emissionswerte unterschritten und die überschüssigen Mengen verkauft würden.
Diese Kohlendioxid-Emissionsrechte und andere auf dem Klima-Gedanken aufsetzende Kapitalmarktinstrumente wie Katastrophenbonds oder Wetterderivate sind laut Butz in der Geldverwaltung einsetzbar. „In Zeiten, in denen Anleger von klassischen Anlagen unabhängige Instrumente suchen, sind das attraktive Optionen. Aber sie sind noch neu und werden deshalb nicht im großen Stil eingesetzt.“
Im Gegensatz zur Mehrheit der Anlagehäuser hat der kleine Vermögensverwalter Fraser Asset Management in Burlington im US-Bundesstaat Vermont das Thema bereits aufgegriffen. Die Gesellschaft profitiert von der Expertise einer Klimawissenschaftlerin. Fraser-Partner Alex Seagle nennt ein Beispiel für die Schlussfolgerungen: „Die Wetterveränderungen treiben wegen des erhöhten Kapitalbedarfs durch den Wiederaufbau der Infrastruktur, etwa nach Hurrikans, die Zinsen nach oben – wir meiden deshalb Bankaktien.“

