Nach seinem Abdanken als Chef der fünftgrößten österreichischen Bank Hypo Alpe Adria hat Wolfgang Kulterer einen neuen Job: Er soll das Milliardenvermögen des verstorbenen deutschen Großindustriellen Friedrich Karl Flick mehren. Dessen Familie stört offenbar wenig, dass Kulterer eine Anklage wegen Falschbilanzierung fürchten muss.
KLAGENFURT. Segler schätzen den Wörthersee nicht besonders: Zu wenig Wind. Banker schätzten den Wörthersee zumindest vorübergehend auch nicht sehr: Zu viel Wind, lautete ihre Diagnose in diesem Sommer, als die Hypo Alpe Adria Gruppe, fünftgrößte Bank Österreichs mit Hauptsitz in Klagenfurt am Wörthersee, wegen kreativer Bilanzierung eines Millionenverlustes ein Problem mit der Bankenaufsicht bekam.
Zwischenzeitlich legte sich dieser Sturm. Seit ein paar Tagen regt sich jedoch wieder ein Lüftchen. Schuld ist das Erbe des deutschen Industriellen Friedrich Karl Flick. Doch der Reihe nach.
Die Bank hat sich nach den turbulenten Sommertagen ein bisschen umbenannt. Hypo Group Alpe Adria heißt sie jetzt. Sie hat die Satzung ein bisschen geändert und auch die handelnden Personen: Wolfgang Kulterer, dem der Wind rau ins Gesicht geblasen war, wechselte vom Chefsessel der Bank auf den Stuhl des Aufsichtsratspräsidenten. Jörg Haider, Regierungschef in Kärnten und damit Vertreter des Landes, das einen 49,4-prozentigen Anteil an der Bank hält, konnte sich wieder wichtigen Themen widmen. Eine Anleihe der Bank über 1,25 Mrd. Euro lief jüngst wie am Schnürchen, und auch der Börsengang der Bank bleibt in Sichtweite.
Kulterer seinerseits macht wieder Wind. Hatte er noch im Sommer angekündigt, sich auf seinen Bauernhof zurückzuziehen, wenn er sonst nirgends mehr gebraucht würde, so kann er jetzt von einer interessanten Zusatzaufgabe berichten. Wie eine Sprecherin der Hypo Group Alpe Adria bestätigte, wird der Aufsichtsratspräsident künftig als Vorstand der Flick-Privatstiftung amtieren. Außerdem wird der Banker Geschäftsführer der FKF Vermögensverwaltungs GmbH, wobei das Buchstabenkürzel für Friedrich Karl Flick steht.
Die Gesellschaft verwaltet das auf rund 6,8 Mrd. Euro geschätzte Vermögen des im Oktober verstorbenen früheren deutschen Großindustriellen, der es auf der Liste der reichsten Österreicher noch vor Ferdinand Piëch auf Platz eins gebracht hat. Kulterer, der kreative Geldvermehrer, dem auch Kritiker bescheinigen, dass er es erst war, der die Bank in lichte Höhen geführt hat, wird damit sozusagen Chef des Flick Family Office.
Zufall ist das nicht. „Ich bin von Frau Flick schon vor längerer Zeit gefragt worden, ob ich das machen will“, sagte Kulterer dem österreichischen Magazin „Format“. Am Wörthersee trifft man sich eben. Die Flick-Villa am Südufer des Sees ist dabei in gewissen Kreisen ein Anziehungspunkt. Der Milliardär selbst ist hier im Oktober im Alter von 79 Jahren gestorben. Hierher war er mit seiner dritten Ehefrau Ingrid Ragger gezogen. Hier wachsen auch die Zwillinge des Paars, Victoria-Katharina und Karl-Friedrich, auf. Und hier dürfte auch Kulterer künftig ein häufiger Gast sein.
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