Konsolidierung im Bankensektor: Strohfeuer der Fusionen

Konsolidierung im Bankensektor
Strohfeuer der Fusionen

Deutschlands Bankenlandschaft hat sich im letzten Jahr neu sortiert. Binnen weniger Monate hat sich der Wandel vollzogen, von dem die Branche seit Jahren nur redete. Doch das Jahr 2006 dürfte ruhiger werden.

FRANKFURT. Zunächst ging der Branchenzweite Hypo-Vereinsbank (HVB) in die Hände der italienischen Unicredito. Dann verleibte sich die Postbank die Bausparkasse BHW ein; und schließlich kaufte die Commerzbank die Immobilienbank Eurohypo.

Damit hat sich binnen weniger Monate der Wandel vollzogen, von dem die Branche seit Jahren nur redete. „2005 war das Jahr der deutschen Bankenkonsolidierung“, urteilt Investmentbanker Paul Lerbinger von der Citigroup. Das Ergebnis sieht indes anders aus als von Experten erwartet. Ausgerechnet zwei Underdogs entpuppen sich als große Gewinner: Die Commerzbank, seit Jahren als Übernahmekandidat gehandelt, wächst mit der Eurohypo zur zweiten Kraft der deutschen Bankenwelt heran. Auch die Postbank wurde trotz robuster Gewinne bisher eher belächelt, weil sie sich auf das Standardgeschäft mit privaten Kunden konzentriert.

Den Gegenpol zu den neuen Wachstumsmotoren bilden die Hypo-Vereinsbank (HVB) und die Dresdner Bank. Beide werden derzeit nach den Bedürfnissen ihrer Mutterkonzerne zurechtgeschnitten. Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter trennt im Bereich Privat- und Geschäftskunden getreu dem Vorbild der Allianz künftig nach Produktion und Vertrieb. Außerdem werden Investment-Banking und Firmengeschäft zusammen gelegt. Insgesamt soll der Umbau 2 000 bis 3 000 Stellen kosten.

Bei der HVB gibt es zwar über den bereits angekündigten Abbau von 1 800 Stellen keine weiteren Sparpläne. Aber viele in München fürchten, dass Unicredito-Chef Alessandro Profumo rasch durchgreifen wird, wenn die HVB ihre Ziele nicht erreicht.

Dass Profumo nicht zimperlich ist, mussten bereits diverse Top-Manager erfahren. Mit Christine Licci, Stefan Jentzsch und Michael Kemmer haben bereits drei HVB-Vorstände das Weite gesucht. „Profumos autoritärer Führungsstil verprellt die Leute“, schallt es ärgerlich aus München.

Angesichts der transalpinen Zwistigkeiten ist Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller vermutlich froh, dass die vor einigen Jahren geplante Hochzeit seiner Bank mit Unicredito platzte. Anschließend hatte Müller mehrfach die HVB umgarnt, die sich seinem Werben aber entzog. Mit dem Kauf der Eurohypo will die Commerzbank nun zur größten Geschäftsbank in Deutschland noch vor der stark international orientierten Deutschen Bank heranwachsen. Obwohl der Schritt eine 180-Grad-Wende bedeutete – die Bank hatte ihr gewerbliches Immobiliengeschäft erst vor ein paar Jahren in die Eurohypo ausgegliedert – fiel das Urteil von Fachwelt und Börse positiv aus.

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