In England boomt das „Islamic Banking“. Finanzprodukte, die den Regeln des Korans folgen, profitieren vom Wandel des politischen Klimas – und sind meist fairer als die Angebote der Konkurrenz. Eine Handelsblatt-Reportage über die etwas andere Finanzberatung.
LONDON. Der Nahe Osten beginnt kurz hinter dem Hyde Park. Man muss nur wenige Meter die Edgware Road hinaufschlendern, um in eine andere Welt einzutauchen. Im Babylon Salon bearbeitet Besitzer Nassim Boubekdi seine Kunden noch mit Rasierpinsel und Messer. Nebenan im Palms Palace rauchen bärtige Männer ihre Shisha, die Wasserpfeife. Vor dem Café verkaufen zwei Studenten den Koran und selbst gebrannte CDs mit Reden prominenter Religionsgelehrter.
Es ist keine schlechte Gegend. Das zeigen schon die Gucci-Handtaschen im Schaufenster neben dem Restaurant Lebanese Garden. Bis zu den Kaufhaustempeln der Oxford Street ist es nur ein kurzer Spaziergang, und gleich um die Ecke am Connaught Square hat sich der britische Premier Tony Blair für angeblich 3,5 Millionen Pfund ein Haus zugelegt.
Die Edgware Road mag ein Ghetto sein, aber sie ist ein ganzes Universum entfernt von den ärmlichen pakistanischen Vierteln in Ost-London. Hier im Schatten des Hyde Park leben vor allem Libanesen und Araber, viele wohlhabend, manche reich. Das ideale Biotop für die Islamic Bank of Britain, die auf der Edgware Road ihre erste Londoner Filiale eröffnet hat – ein einstöckiges Gebäude, mit drei kleinen Schaltern. Doch die unscheinbare Zweigstelle ist Teil einer beeindruckenden Wachstumsstory.
„Wir haben im Herbst 2004 mit einer Filiale in Birmingham angefangen. Ende 2005 hatten wir bereits über 25 000 Konten, und bald eröffnen wir unsere achte Filiale im Londoner Osten.“ Alun Williams, Marketingdirektor der Islamic Bank, ist sichtlich stolz auf das, was sein Institut mit Finanzprodukten erreicht hat, die den Regeln des Korans folgen.
Aber nicht nur im Kleinen blüht das Geschäft. Auch die ganz Großen der Branche haben die lukrative Nische entdeckt. Seit Juni bietet die Großbank Lloyds TSB in allen ihren 2 000 britischen Filialen islamische Finanzlösungen vom Girokonto bis zur Baufinanzierung an. HSBC, die drittgrößte Bank der Welt, ist ebenfalls in das Geschäft eingestiegen.
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