Das schrumpfende Kreditgeschäft auf dem Heimatmarkt macht es deutschen Banken sehr schwer, an die Rentabilität der europäischen Konkurrenz heranzukommen. Diesen Schluss legen die Daten der Kreditstatistik von Bundesbank und Europäischer Zentralbank (EZB) nahe.
Während die anderen europäischen Banken mehr Kredite vergeben, machen die deutschen Institute weniger Geschäft. Grafik: Handelsblatt
FRANKFURT. Während das Kreditgeschäft im übrigen Euro-Raum boomt, nimmt es in Deutschland ab. Die KfW-Bankengruppe macht dagegen den harten Wettbewerb auf Grund der geringen Branchenkonzentration für die vergleichsweise schlechte Ertragslage der deutschen Finanzinstitute verantwortlich.
Die Daten von Bundesbank und EZB zeigen, dass das Kreditgeschäft der deutschen Banken in allen wichtigen Bereichen stagniert oder gar schrumpft, während es im übrigen Euro-Raum meist zweistellige Wachstumsraten aufweist. So lag das Volumen der Unternehmenskredite im Mai um 3,8 Prozent unter dem Vorjahreswert, bei Konsumentenkrediten um ein Prozent. Demgegenüber wuchsen die entsprechenden Märkte im übrigen Euro-Raum um über acht beziehungsweise um knapp zehn Prozent. Seit Anfang 2003 schrumpfte das Volumen der ausstehenden Unternehmenskredite in Deutschland nominal um etwa neun Prozent – um die Geldentwertung bereinigt, wäre der Rückgang noch deutlich größer.
Erst in dieser Woche hatte die Commerzbank, die ihr Unternehmenskreditgeschäft grundsätzlich ausbauen will, den Abbau von 300 Stellen in der Kreditsparte angekündigt. 300 weitere Stellen im Vertrieb sollen ebenfalls gestrichen werden, wenn bestimmte Absatzziele nicht erreicht werden.
Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, führt das schwache Unternehmenskreditgeschäft darauf zurück, dass insbesondere der deutsche Mittelstand daran arbeite, seine bisher chronisch sehr niedrige Eigenkapitalquote zu erhöhen. Dazu werde er nicht zuletzt durch die Umstellung der Banken auf eine stärkere Riskogewichtung ihrer Kreditkonditionen und Kreditvergabe gezwungen. Das begrenzt zwar die Geschäftsmöglichkeiten für die Banken und belastet die Konjunkturentwicklung, aber, so sagt Mayer: „Der deutsche Unternehmenssektor ist widerstandsfähiger geworden gegenüber steigenden Zinsen und anderen negativen Einflüssen.“ Trifft dies zu, so können die deutschen Banken immerhin darauf hoffen, dass ihnen unerwartet hohe Kreditausfälle künftig weniger die Bilanzen verhageln als in der Vergangenheit.
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Eine Studie, mit der das staatliche Förderinstitut KfW sich gestern in den Streit zwischen Privatbanken und öffentlich-rechtlichen Banken um das so genannte Dreisäulenmodell im Kreditgewerbe einschaltete, verweist dagegen zur Erklärung der schlechten Ertragslage deutscher Banken vor allem auf den scharfen Wettbewerb. Die Marktmacht der deutschen Banken sei auf Grund der geringeren Konzentration schwächer als in anderen europäischen Ländern. Dies führe dazu, dass die deutschen Banken ihre sehr hohen Effizienzgewinne und Rationalisierungserfolge in stärkerem Maße über die Konditionen an die Kunden weitergeben müssten. Eine Sprecherin der KfW räumte allerdings ein, dass die Studie die in Deutschland sehr viel schlechtere Entwicklung des Kreditmarktes nicht berücksichtige.
Insgesamt zu groß ist der Bankensektor der KfW-Studie zufolge aber nicht. Mit zwei Prozent der Beschäftigten, die in Banken arbeiten, bewegt sich Deutschland international im Mittelfeld.
Die KfW-Studie könnte den privaten Banken Argumentationshilfen an die Hand geben. Die Großbanken halten den deutschen Markt für zu zersplittert und dringen darauf, Sparkassen übernehmen zu dürfen. Dagegen leistet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem öffentlich-rechtlichen Sektor Schützenhilfe. Die relativ hohen Renditen der Sparkassen können der gestern veröffentlichten DIW-Studie zufolge nicht mit den bisherigen staatlichen Garantien erklärt werden, da auch die davon nicht begünstigten Genossenschaftsbanken relativ gut positioniert seien. Die Renditen von Sparkassen und Genossenschaftsbanken waren im Durchschnitt der Jahre 1994-2003 laut DIW höher als die der privaten Banken. Das Institut führt dies auch darauf zurück, dass Sparkassen und Volksbanken ihre Kreditvergabe im Gegensatz zu den Privatbanken an langfristigen Kundenbeziehungen orientieren.

