Kreditinstitute wollen mitverdienen: Russland lockt die Banken

Kreditinstitute wollen mitverdienen
Russland lockt die Banken

Die zunehmende Aktivität russischer Firmen bei Übernahmen und der stetig wachsende Finanzmarkt locken verstärkt ausländische Banken nach Moskau. Zuletzt wagte gar die renommierte Royal Bank of Scotland diesen Schritt. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen.

MOSKAU. Der Zug westlicher Banken nach Russland reißt nicht ab: Zuletzt wagte die zweitgrößte britische Bank, die Royal Bank of Scotland (RBS), den Schritt in den Osten. Die Briten schmiedeten kürzlich eine Kooperation mit der Moskauer Investmentbank Renaissance Capital. Erst im Dezember hatte sich Unicredit die Investmentbank Aton Bank einverleibt.

In der Branche sind sie sicher: Früher oder später werden alle großen Finanzinstitute ihre Zelte in Moskau aufgeschlagen haben. Ein russischer Investmentbanker rechnet jedoch nicht mehr mit spektakulären Übernahmen: „Die ausländischen Banken werden wohl eher organisch wachsen“. Die beiden größten Finanzhäuser im Land, die Sberbank und die VTB Bank, sind ohnehin in Staatsbesitz.

Der intransparente und zersplitterte russische Bankensektor hat sich im vergangenen Jahr positiv weiterentwickelt – wenn auch nur langsam, wie eine Studie von Standard & Poor's zeigt. Im Schnitt erzielten die russischen Finanzhäuser mit Blick auf Anzeigepflicht sowie Transparenz leicht bessere Werte als im Vorjahr. Von der internationalen Konkurrenz bleiben sie aber ein gutes Stück entfernt.

Moskau werde dennoch immer mehr ausländische Banker anziehen, erwartet Patrick Gahan, Chef des Investment-Banking Russland bei Dresdner Kleinwort: „Die Finanzhäuser vor Ort werden ihre Aktivitäten mit Blick auf neue Produkte und Sektoren erweitern, um mit der Entwicklung im russischen Unternehmenssektor mitzuhalten“. Grund dafür sind die rasant wachsenden Übernahmeaktivitäten (M&A) russischer Firmen. Im weltweiten Vergleich liegt Russland zwar noch etwas zurück, seit 2005 hat sich das Volumen aber fast verdoppelt. In diesem Jahr dürfte der Wert der Übernahmen bei 90 Mrd. Dollar liegen.

Dass auch 2007 ein Wachstumsjahr sein wird, steht für Gahan fest. Der Banker sieht ein steigendes Interesse seiner Kunden: „Große Multinationale Klienten haben die Dynamik russischer Nebenwerte entdeckt – Firmen mit einer Marktkapitalisierung zwischen 400 und 900 Millionen Dollar, die sie als Plattform für ihr Geschäft und ihre Marken in Russland aufbauen wollen“, erzählt Gahan. So werde es wohl weniger große Deals geben als eine zunehmende Zahl von Abschlüssen mittlere Größe.

Zudem schauen die russischen Firmen bei Akquisitionen zunehmend über den heimischen Tellerrand. Dresdner Kleinwort, derzeit die Nummer drei im russischen M&A-Geschäft, sieht darin ein erhebliches Potenzial. Russland sei einer der wichtigsten Märkte geworden, heißt es bei den Investmentbankern. In diesem Jahr stehen zudem viele Börsengänge (IPOs) an. Die Banken erwarten ein Volumen von 30 Mrd. Dollar.

Das Russlandgeschäft bleibt damit nicht ohne Risiken: Die ersten beiden IPOs des Jahres, der Silberproduzent Polymetal und der Elektronikkonzern Sitronics, blieben hinter den Erwartungen zurück. Analysten rechnen damit, dass der Strom von Börsengängen den Markt ein wenig überstrapazieren dürfte. Und über allem schwebt die Frage, wie nachhaltig das russische Wachstum sein wird: Präsident Wladimir Putin warnte erst vergangene Woche vor der wachsenden Abhängigkeit des Landes von den Rohstoffexporten. Sollte es mittelfristig nicht gelingen, die Wirtschaft zu diversifizieren, könnte der aktuelle Boom bald wieder ein Ende finden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%