Kreditkrise
Ein dickes Ei

Die Kreditkrise hält Einzug in Englands Wohnzimmern. Eine Tochter des amerikanischen Finanzriesen Citigroup sorgt auf der Insel für Ärger: Die britische Internetbank Egg hat mehr als 160 000 Kreditkarten gekündigt. Die Gründe: Riskante Darlehen, eine schlechte Zahlungsmoral und verschuldete Privathaushalte. Ein dickes Ei, meinen die Verbraucher.

LONDON. Eigentlich hat Gillian Cox mit der großen Kreditkrise, die die Kapitalmärkte rund um den Globus erschüttert, nichts zu tun. Die ältere Dame aus dem Städtchen Farnham in der Grafschaft Surrey wirk wie das Musterbild einer englischen Hausfrau. Aber Mrs. Cox ist Kundin der britischen Internetbank Egg, und die gehört wiederum dem amerikanischen Finanzriesen Citigroup, der wegen der Kreditkrise 17 Mrd. Dollar abschreiben muss und in eine tiefe Krise gerutscht ist. Die Krise der Citigroup ist mittlerweile auch die Krise von Egg und damit auch die Krise von Gillian Cox. Denn am Samstag hat die Internetbank 161 000 Kunden oder sieben Prozent ihrer Klienten die Kreditkarten gekündigt.

35 Tage können die Egg-Schuldner mit ihren bunten Plastikkarten noch einkaufen gehen, dann ist endgültig Schluss. Es gehe nur um riskante Darlehen, von Kunden deren Zahlungsmoral nicht unbedingt die beste sei, deshalb wolle man auf Nummer sicher gehen, begründete Egg die einseitige Kündigung. Mrs. Cox findet das mehr als empörend und deshalb sitzt sie jetzt in ihrem gemütlichen Wohnzimmer und lässt ihrer Wut vor den Kameras des Fernsehsenders BBC freien Lauf.

"Wir sind Rentner, haben keine Schulden, und unsere Kreditkartenverbindlichkeiten jeden Monat voll zurück gezahlt", versichert Mrs. Cox. Sie könne lupenreine Referenzen vorweisen, wenn es um die Lage ihrer Finanzen geht. Eine Sprecherin von Egg bedauert zwar, dass sich einige Kunden über die Kündigung aufregten, aber am Ende gehe es um Klienten bei denen die Internetbank das Gefühl habe, es sein "nicht mehr angemessen" ihnen Geld zu leihen.

Die Citigroup macht sich nicht ganz umsonst Sorgen. Immer lauter werden die Warnungen, dass die Kreditkrise vom amerikanischen Immobilienmarkt auch auf Kreditkartenschulden und ande Verbraucher-Darlehen übergreifen wird, und die englischen Privathaushalte sind ähnlich hoch verschuldet wie die Amerikaner. Im Schntt stehen die Konsumenten auf der Insel doppelt so hoch in der Kreide wie die Bürger im übrigen Europa. Inklusive Immobilienkrediten hat der kollektive Schuldenberg längst die Billionen-Grenze und damit das Volumen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes überschritten.

Die aufgebrachte Mrs. Cox interessiert das nicht. Ihre gerechte Empörung zur besten Sendezeit in den Hauptnachrichten der BBC ist sicherlich keine gute Werbung für Egg, aber offenbar ist die Citigroup inzwischen bereit, auch schmerzhafte Schnitte zu machen, wenn es darum geht, neue Verluste zu verhindern.

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