Die Kreditkrise hat ein weiteres Opfer in der Topetage der Wall Street gefordert. Der weltgrößte Versicherer American International Group (AIG) trennt sich nach einem Aufstand seiner Aktionäre mit sofortiger Wirkung von seinem Vorstandschef Martin Sullivan. Dieser musste zuletzt mit mehr als sieben Milliarden Dollar den größten Quartalsverlust in der 89-jährigen Konzerngeschichte melden.
NEW YORK. Der AIG-Board beschloss die Trennung auf einer Sondersitzung am Wochenende. Der Verwaltungsrat berief den bisherigen Chairman Robert Willumstad zum CEO und zugleich Stephen Bollenbach zum neuen leitenden Direktor des Aufsichtsgremiums. Der Versicherer hat durch die Kreditkrise mehr als 30 Mrd. Dollar auf komplexe Finanzprodukte abschreiben müssen. Der Aktienkurs des weltgrößten Versicherers ist in diesem Jahr um mehr als 40 Prozent gesunken.
Mit Sullivan stolpert ein weiterer Topmanager der New Yorker Finanzelite über die Folgen der Finanzkrise. Seit Tagen wird an der Wall Street bereits über die Zukunft von Richard Fuld spekuliert. Auch der Chef der schwer angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers wurde von hohen Abschreibungen kalt erwischt. Die Finanzkrise hat inzwischen zahlreichen Spitzenmanagern den Job gekostet. Von Stanley O’Neal (Merrill Lynch) über Charles Prince (Citigroup) bis zu James Cayne (Bear Stearns) reicht die illustre Liste der Rücktritte und Rauswürfe.
Sullivan sah sich nach den hohen Kursverlusten einem Aufstand seiner Aktionäre gegenüber. Drei Anteilseigner, der Supermarktkönig Eli Broad und die Fondsmanager Shelby Davis und Bill Miller (Legg Mason) hatten in einem Brief offen den Rücktritt des AIG-Chefs gefordert. Der größte Aktionär, der ehemalige Konzernchef Hank Greenberg, drängte seit langem auf einen Führungswechsel.
Für Sullivan ist das eine Ironie des Schicksals. Als er 2005 das Steuer von Greenberg übernahm, hatte AIG bereits den Giftmüll der Subprime-Krise in seinen Büchern. Greenberg behauptet heute, „die Risiken lassen sich managen“. Den Job muss jetzt allerdings Sullivan machen.

