0 Bewertungen
21.01.2008 
Kreditversicherer

Kreditversicherer im Abwärtsstrudel

von Thorsten Riecke

Die Finanzmärkte rüsten sich für ein neues Nachbeben der Kreditkrise. Das Epizentrum ist die kleine, aber wichtige Branche der Kreditversicherer, die zusammen Anleihen mit einem Volumen von mehr als 2 400 Mrd. Dollar versichern. Nun entzog die Ratingagentur Fitch einem der größten Anbieter, Ambac, die Top-Bonität - und schockt damit die Finanzwelt.

NEW YORK. Die beiden größten Anbieter MBIA und Ambac stehen seit Wochen unter Druck und haben an der Börse mehr als die Hälfte ihres Marktwertes verloren. Nun entzog die Ratingagentur Fitch Ambac die erstklassige Bonität und damit die Geschäftsgrundlage. Das könnte eine Kettenreaktion auslösen.

Denn die sogenannten Monoliner versichern mit Hilfe ihrer bislang tadellosen Kreditwürdigkeit Anleihen gegen einen Zahlungsausfall und senken dadurch die Kosten für alle Beteiligten. Betroffen von der Abwertung sind somit nicht nur die Kreditversicherer selbst. Emittenten wie etwa Kommunen, deren Anleihen von Monolinern versichert werden, müssen fortan höhere Zinsen auf ihre Papiere zahlen. Banken, die versicherte Bonds in ihren Depots halten, müssen sich auf neue Milliardenabschreibungen gefasst machen und mehr Kapital halten, um etwaige Verluste aufzufangen. Und Investoren, die Anleihen gekauft haben, drohen höhere Zahlungsausfälle, wenn den Kreditversicherern finanziell die Puste ausgeht.

Der Finanzinformationsdienst Bloomberg schätzt, dass allein durch die Bonitätseinbuße der Monoliner auf Anleiheemittenten und Investoren ein Verlust von bis zu 200 Mrd. Dollar zukommen könnte. "Kreditversicherer sind der Dreh- und Angelpunkt, durch den der Wert vieler Bankenportfolios zusammengehalten wird", sagte Donald Light, Analyst beim Marktbeobachter Celent.

Als die Branche in den 70er-Jahren startete, konzentrierte sie sich zunächst auf "todsichere" Anleihen von Kommunen. Später entdeckten die Kreditversicherer jedoch, dass die Gewinnmargen bei strukturierten Finanzprodukten wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) viel höher sind. Übersehen haben viele Anbieter dabei allerdings, dass auch die Risiken dieser Kreditderivate weit über denen einer kommunalen Anleihe liegen.

So wurde die Branche von der Subprime-Krise kalt erwischt. Beinhalten viele von den Monolinern versicherte CDOs doch auch Hypothekenanleihen minderer Qualität - und gerade deren Ausfallwahrscheinlichkeit ist drastisch nach oben gegangen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verluste könnten höher ausfallen als erwartet.

Die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) schätzt, dass die Verluste aus dem Hypothekengeschäft vermutlich 20 Prozent höher ausfallen werden, als die Branche kalkuliert hat. Die Bonitätsprüfer haben deshalb die Monoliner ultimativ aufgefordert, ihre Kapitalbasis zu stärken. Andernfalls würden sie ihre erstklassige Bonität verlieren.

Dieses Schicksal hat bereits den kleineren Anbieter ACA Capital ereilt. Seine Bonität wurde von S&P im vergangenen Jahr auf "Ramsch"-Niveau herabgestuft. ACA war daraufhin nicht mehr in der Lage, für seine Versicherungen geradezustehen. Gelingt es der Firma nicht, in letzter Minute einen Zahlungsaufschub zu erreichen, steht sie vor der Pleite.

Auch MBIA und Ambac sind stark angeschlagen. "Ohne eine deutliche Kapitalstärkung ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis S&P und Moody?s gegen MBIA und Ambac vorgehen", sagte John Tierney, Marktstratege bei der Deutschen Bank in New York. Ambac müsse entweder das Geschäft aufgeben oder sich zum Verkauf stellen, sagte Robert Haines, Analyst beim Marktforscher Creditsights, nach der Herabstufung durch Fitch.

Gekommen war es dazu, weil Ambac sich nach massiven Kursverlusten an der Börse geweigert hatte, eine Kapitalerhöhung von einer Mrd. Dollar durchzuführen. An den Kreditmärkten ist die Wahrscheinlichkeit auf mehr als 70 Prozent gestiegen, dass Ambac und MBIA ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Japan steckt in der Immobilienkrise  Artikel in Merkliste

07.09.2008, 07:00 Uhr

Fallende Bodenpreise und sinkende Büromieten bringen jetzt auch Japans Immobilienbranche in Bedrängnis. Die Aktienkurse von Immobilienentwicklern stürzen täglich weiter ab, nachdem mehrere Spieler insolvent geworden sind. Artikel


Anzeige