Die Krise bei bonitätsschwachen Hypotheken am US-Immobilienmarkt erschwert die Finanzierung von neuen großen Unternehmenskäufen. Finanzinvestoren haben zunehmend Probleme, größere Deals über die Banken zu finanzieren. Selbst bereits gegebene Zusagen wackeln.
FRANKFURT. Der Erwerb des Automatisierungsspezialisten Schenck Process in Darmstadt von HgCapital durch den Finanzinvestor Industri Kapital vor wenigen Tagen könnte die letzte Transaktion in der Größenordnung von rund einer halben Milliarde Euro und mehr gewesen sein. In dieser Höhe schätzen Branchenexperten den Verkaufspreis. Bei Deals in dieser Größenklasse klemmt es nach Einschätzung von Andreas Diem, Partner bei der internationalen Anwaltskanzlei Latham&Watkins. Der Finanzierungsengpass trifft vor allem Private-Equity-Häuser, die sehr stark auf Kredite angewiesen sind. Finanzinvestoren sammeln über Beteiligungsfonds Finanzmittel bei Großanlegern ein und kaufen Unternehmen. Die Firmen werden restrukturiert und wieder abgestoßen. Die Transaktionen sind mit bis zu 80 Prozent stark kreditfinanziert.
Gerade bei Finanzinvestoren war es im laufenden Jahr bei Fusionen und Übernahmen (M&A) speziell in Deutschland und in den USA gut gelaufen. Mit 26,24 Mrd. Dollar haben die Beteiligungshäuser nach den Berechnungen des britischen Finanzdatenanbieters Thomson Financial 2007 einen Marktanteil von 24 Prozent bei Übernahmen. Im August kam das Geschäft mit gut einer Mrd. Dollar praktisch zum Erliegen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA. Mit 426,50 Mrd. Dollar liegt der M&A-Anteil der Finanzinvestoren derzeit sogar bei 33 Prozent. Im August war mit 2,48 Mrd. Dollar fast Fehlanzeige.
Es gibt derzeit keine Hoffnung auf eine Verbesserung. Aber: „Transaktionen im Volumen von 200 bis 300 Mill. Euro lassen sich nach wie vor gut finanzieren“, sagt Oliver Felsenstein, Private-Equity- und Finanzierungsexperte der internationalen Anwaltskanzlei Clifford Chance. Solche Größenordnungen könnten die Banken zur Not in die eigenen Bücher nehmen, falls eine Platzierung am Markt nicht sofort klappen sollte. Zwischen der Zusage und der endgültigen Dokumentation des ausgehandelten Vertrages herrscht aber eine große Unsicherheit bei den Finanzinvestoren, hat Rechtsanwalt Diem festgestellt. Die Finanzinvestoren sähen die Gefahr, dass die Banken bei einer Verschärfung der Krise „nicht mehr zu ihrem Commitment stehen“. Ohnehin würden viele Banken kaum das gesamte Volumen eines Deals schultern, um es später weiterzuplatzieren. Viele Institute wollten nur die Hälfte oder ein Drittel zeichnen, sagt der Experte.
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Nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform werden die Kreditinstitute künftig „mit einem höheren Risikobewusstsein agieren“. Gleichzeitig schätzen Investmentbanker es angesichts der Marktlage als schwierig ein, Hochzinsanleihen am Markt unterzubringen, um so etwa Kredite auf diese Weise weiterzuplatzieren. Sie spielten derzeit in größeren Finanzierungspaketen kaum eine Rolle, spricht Anwalt Diem aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig geht Taron Wade von Standard&Poor’s davon aus, dass Regeln, die die Risiken auf die Kreditgeber überwälzten, wie die sogenannten Covenants lite, künftig nicht mehr haltbar sind. In der Überhitzungsphase der letzten Jahre wurden Schutzregeln abgeschwächt, die Sicherheit bei einer Verschlechterung der Eigenkapitalbasis bieten sollten.
Angesichts der schwierigen Lage sind auch die Gebühren für das Arrangieren von Krediten, im Fachjargon Underwriting-Fee genannt, deutlich gestiegen. Wie es aus Investmentbanken-Kreisen heißt, werde inzwischen wieder ein Provision von 2,125 Prozent verlangt. Zum Vergleich: Anfang dieses Jahres sei sie in Einzelfällen auf bis zu 1,40 Prozent gefallen, berichten die Experten. Kredite spielten zwar für viele Banken eine wichtige Rolle. Allerdings zeigen sich die meisten Kreditgeber momentan noch recht gelassen. „Sie haben ihr Soll bereits in der ersten Jahreshälfte erfüllt“, sagt Diem.
Dass selbst bereits gegebene Zusagen wackeln, spüren aktuell Finanzinvestoren und Käufer besonders bei Mammuttransaktionen. Zu den gefährdeten Beteiligungskäufen gehört beispielsweise der geplante Erwerb des Energieversorgers TXU durch ein Konsortium unter Führung von KKR über rund 45 Mrd. Dollar. Bei Bell Canada planen Teachers Private Capital und Providence Equity Partners, sogar 47 Mrd. Dollar hinzulegen.
Trotz der angespannten Lage an den Kreditmärkten warnt Stefan Hepp, Chef des Beraters SCM, davor, von steigenden Ausfällen bei Private-Equity-Krediten auszugehen. Bislang liege die Ausfallrate noch immer deutlich unter dem historischen Mittelwert. Nur falls die Wirtschaft in eine Rezession abgleite, werde sich das wohl nachhaltig ändern, urteilt der Experte.

