Nach den jüngsten Turbulenzen auf den Märkten haben die Banken die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kreditkrise vorerst begraben. Prognostizierten die Experten noch vor wenigen Wochen das Ende der Krise, zeigt sich jetzt: Das war ein Irrtum. Die Gründe für die neue Nervosität an den Märkten.
Frankfurts Bankentürme im Dunkeln: Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Finanzkrise schwindet. Foto: ap
FRANKFURT. "Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise werden die Märkte aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr noch beschäftigen", sagte Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter dem Handelsblatt. Ähnlich skeptisch äußerte sich BayernLB-Chef Michael Kemmer. "Je nach Fragestellung dürfte die Krise noch sechs bis zwölf Monate anhalten", erklärte der Landesbanker. "Für den Fall einer ungünstigeren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auch länger."
Die Aussagen der Topbanker kommen nur wenige Tage, nachdem die Nervosität an den Märkten neue Höhepunkte erreicht hat. So schlitterte mit IndyMac der größte unabhängige Baufinanzierer der USA in die Pleite. Die Hypothekengiganten Fannie Mae
und Freddie Mac
konnten nur durch staatliche Garantien gerettet werden. Rund um den Globus brachen die Börsen ein. Dabei hatte im Mai noch vieles auf eine einsetzende Erholung hingedeutet. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann beispielsweise hatte damals vom "Anfang des Endes der Krise" gesprochen.
Dekabank-Chef Franz Waas sieht aber trotz der jüngsten Turbulenzen zumindest den Höhepunkt der Krise bereits überwunden. Dennoch werde die Branche noch eine Zeit lang "Aufräumarbeiten" leisten müssen. Die Erholung im Mai sei eine Reaktion auf das klare Signal der Notenbanken gewesen, eine Systemkrise zu verhindern. Neubewertungen stünden deshalb aber weiter an: "Das müssen die Finanzinstitute selber leisten, und das braucht Zeit." Waas prophezeit einen wachsenden Konsolidierungsdruck in der Branche als Folge der Krise.

