1 Bewertung *****
08.04.2008 

Wird es einen „Run“ auf den Dollar geben?

Der Dollar wird sich in den nächsten fünf Jahren weiter ab-schwächen. Entscheidend ist, wie diese Abschwächung verläuft. Am besten wäre es, wenn jene Währungen, die im Moment unterbewertet sind, an Wert gewinnen. Das bedeutet einen schwächeren Dollar, sehr viel stärkere Währungen in Asien dem Mittleren Osten und Russland. Der Euro, der bislang die Hauptlast des Dollarverfalls getragen hat, würde in diesem Szenario etwas schwächer werden. Die Schwierigkeit ist, dieses Ziel auf einem geordneten Weg zu erreichen.

Brauchen wir dafür Interventionen der Zentralbanken?

Die Zentralbanken sollten wachsam sein. Vor kurzem drohte der Anpassungsprozess aus dem Ruder zu laufen. Es besteht die Gefahr, dass die Turbulenzen auf Devisenmärkten zunehmen und den Heilungsprozess stören.

Markieren die Rettung der Investmentbank Bear Stearns und die Liquiditätshilfen für die Broker-häuser den entscheidenden Wendepunkt der Finanzkrise?

Ich denke nicht, dass die Fed Bear Stearns gerettet hat. Die Aktionäre des Brokerhauses haben schmerzhafte Verluste erlitten. Die Notenbanker haben vielmehr das Finanzsystem stabilisiert. Der Unterschied ist sehr wichtig. Wenn wir später einmal zurückblicken, werden wir vermutlich jenen Moment als historisch betrachten, als die Welt merkte, dass sie ihre politischen Steuerungsinstrumente und ihr Denken über das Finanzsystem modernisieren musste.

Sollten die Kapitalhilfen für die Bank global koordiniert werden?

Das Epizentrum des Finanzbebens liegt in den USA. Deshalb benötigen wir diese Hilfen sicher in Amerika. Darüber hinaus ist auch Großbritannien gefährdet. Bislang hat die Fed die Hauptlast des Krisenmanagements getragen. Wir brauchen aber mehr internationale Kooperation und wir brauchen eine bessere Aufgabenverteilung zwischen Regierung und Notenbank in den USA.

Bedeutet das auch eine neue koordinierende Rolle für den IWF?

Im Moment haben wir ein Orchester, aber keinen Dirigenten. Dafür müsste sich der IWF jedoch auch selbst modernisieren.

Hatten wir bislang zu wenig Regulierung oder nur eine schlechte Regulierung?

Regulierung ist nicht das Problem. Der entscheidende Grund für die Krise sind die enormen Innovationen auf den Finanzmärkten. Insbesondere die Verbreitung von strukturierten Fi-nanzprodukten. Das System war darauf nicht vorbereitet. Jeder wollte die neuen Finanzprodukte nutzen, das System insgesamt war damit jedoch überfordert. Das ist übrigens in der Geschichte großer Innovationen nicht ungewöhnlich. Die meisten der Eisenbahnpioniere sind Bankrott gegangen. Es war also nicht die Dichte der Regulierung, sondern es war die Überforderung des Systems durch massive Finanzinnovationen.

Brauchen wir dennoch neue Regeln für die Finanzaufsicht wie sie jetzt der US-Finanzminister Henry Paulson vorgeschlagen hat?

Wir brauchen eine modernere Regulierung. Der Paulson-Plan erkennt an, dass wir unsere Finanzaufsicht grundsätzlich überdenken müssen. Die Komplexität des Finanzsystems überfordert die gegenwärtige Struktur. In den USA sollten die zahlreichen Behörden konsolidiert werden. Wir müssen außerdem das Schattenreich der Investmentvehikel außerhalb der Bankbilanzen besser überwachen. Zentrale Institutionen wie die Ratingagenturen müssen zuverlässige Analysten schreiben. Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass die Kapitalanforderungen an die Finanzinstitutionen korrekt sind.

Müssen also auch die Basel-II-Richtlinien überarbeitet werden?

Ja. Denn die zu Grunde liegenden Bewertungen der Ratingagenturen sind nicht so solide wie gedacht.

Wie lässt sich verhindern, dass Brokerhäuser den Kredithebel überdrehen?

Wenn die Broker weiterhin Zugang zum Diskontfenster haben, müssen ihre Kapitalanforderungen denen der Geschäftsbanken ähnli-cher werden. Das wird vermutlich zu einem Kreditlimit für Broker führen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

In Spanien beginnt das große Maklersterben  Artikel in Merkliste

02.09.2008

Die Nachfrage nach Wohnraum stagniert, das Überangebot drückt auf die Preise: Rund 500 000 Wohnungen sollen in Spanien leerstehen. Der Einbruch der Wohnungsverkäufe führt zu Massenschließungen bei den Vermittlern – Internationale Häuser verlassen das Land. Artikel


Anzeige