Neun Monate sind seit Ausbruch der internationalen Finanzkrise vergangen. Während Analysten von Merrill Lynch das Schlimmste in Europa für überstanden halten, könnte sich die Lage in Deutschland nach Ansicht der Ratingagentur Moody's noch einmal verschlimmern. Im europäischen Vergleich hat sich Deutschland nach Ansicht der Experten schon in der letzten Zeit als weniger widerstandsfähig herausgestellt.
FRANKFURT. Als Gründe führen Analysten von Moody's die Auswirkungen der weltweiten Kreditkrise und strukturelle Probleme an, außerdem werde die Rezession in den USA die heimische Konjunktur zunehmend beeinträchtigen. „Die Lage ist schwierig, und sie könnte noch einmal schwieriger werden“, sagte Bankenexperte Johannes Wassenberg.
Der hiesige Bankenmarkt sei eindeutig überbesetzt, was die Ertragskraft der Banken schmälere, erklärte Analystin Katharina Barten. Die Konsolidierung sei kein Allheilmittel, werde aber langfristig positiv wirken. Die Finanzkrise könne Zusammenschlüsse antreiben, kurzfristig seien aber wegen der relativ schlechten Transparenz der Bankbilanzen eher keine Aktionen zu erwarten. Auch eine Fusion der Postbank mit einer privaten Großbank wäre noch nicht der Durchbruch in der Konsolidierung, meinte Wassenberg.
Im Lager der Landesbanken zeigten die Rettungsmaßnahmen der Regierungen für die SachsenLB, die WestLB und die BayernLB, dass die öffentlich-rechtlichen Banken oftmals mit schwachen Geschäftsmodellen operierten. Man könne aber nicht alle Institute über einen Kamm scheren, so seien die Landesbanken in Bremen und Hessen-Thüringen bisher recht gut durch die Krise gekommen.
Viele Landesbanken hätten aber zu viel „kundenfernes Geschäft“ betrieben und in strukturierte Kapitalmarktprodukte investiert, deshalb treffe sie die Krise jetzt stärker als andere Institute. Zuletzt waren die Landesbanken in München und Düsseldorf durch milliardenschwere Risikoabschirmungen der Länder stabilisiert worden. Solche Maßnahmen könnten das „Finanzkraftrating“ einer Bank retten, generell habe sich die „Unterstützung“ durch die Eigentümer in Deutschland bewährt.
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Insgesamt habe das deutsche Bankensystem neun Monate nach Ausbruch der Finanzkrise aber im europäischen Vergleich aus sich heraus weniger Widerstandskraft. Derzeit will Moody’s noch keine Entwarnung geben. „Es wäre verfrüht zu sagen, wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, so Wassenberg.
Im Gegensatz zur deutschen Sondersituation mit seiner Dominanz der öffentlich-rechtlichen Institute und der Genossenschaftsbanken hält die US-Investmentbank Merrill Lynch & Co offenbar das Schlimmste in Europa für überstanden. Merrill stufte jetzt die europäischen Banken auf „neutral“ herauf, die Kreditmärkte hätten den Tiefpunkt überwunden.
Die Platzierung von Anleihen über 31 Mrd. Dollar in der vergangenen Woche habe das Vertrauen in die Branche wieder gestärkt, meinte Analyst Stuart Graham in einer Studie. Gleichzeitig würden die Bankmanager in ihren Prognosen jetzt realistischere Annahmen treffen. „Die Kursschwankungen der Aktien dürften nachlassen“, so Graham in seiner Einschätzung.
Die Abschreibung von UBS über 19 Mrd. Dollar und deren Kapitalmaßnahmen in der vergangenen Woche seien ein entscheidender Moment gewesen. Die Banken hätten jetzt signalisiert, dass sie dem Wunsch der Investoren nachkommen und Buße tun. Der eigentliche Wendepunkt sei die von der Fed eingeleitete Rettungsaktion von JP Morgan Chase für Bear Stearns am 17. März gewesen, glaubt Merrill.

