Beim regulären Aktionärstreffen der Schweizer Großbank UBS
am Mittwoch in Basel hat Konzernchef Marcel Rohner eingestanden, dass im Zuge der Finanzkrise viele Fehler gemacht wurden. Daraus will das Institut nun Konsequenzen ziehen. Am stärksten muss das Investmentbanking bluten.
Das Logo der Schweizer Bank UBS. Das Institut verabschiedet sich von der "integrierten Bank". Foto: dpa
BASEL. Rohner gab bekannt, dass die Investmenteinheit künftig nicht mehr durch Gewinne aus dem florierenden Bereich der Vermögensverwaltung quersubventioniert wird. "Wir wollen nicht mehr alles für alle anbieten", sagte Rohner. Kundengeschäfte, die man sich mit größtem Bilanz- und Kapitaleinsatz erkaufen müsse, seien genauso wenig nachhaltig wie der Eigenhandel mit großen Konzentrationsrisiken und illiquiden Positionen. Wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr, gibt die UBS
in der kommenden Woche einen radikalen Sparplan bekannt.
Beim Investment-Banking des Instituts in Westeuropa erwarten Insider einen Stellenabbau von mehr als 3 000 Mitarbeitern. Dies könnte aber erst der Anfang sein, möglicherweise komme es im Sommer zu weiteren Sparmaßnahmen, schätzen Beobachter. UBS
verwies auf Nachfrage auf ein Interview, das Konzernchef Rohner vor wenigen Tagen gegeben hatte und in dem er Spekulationen über einen Abbau in Höhe von bis zu 4 000 Stellen als zu hoch bezeichnet hatte. Bisher bekannt gegeben ist die Zahl von 1 500 Stellen.
Die Bank, die im Zuge der Finanzkrise Verluste von knapp 40 Milliarden Franken (knapp 25 Milliarden Euro) eingefahren hat, vollzieht damit einen Schwenk in ihrer Strategie. Sie hat sich in den vergangenen Jahren stets als "integrierte Bank" angepriesen, die die Sparten Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie die Investmentbank unter einem Dach vereinte.
Das Modell galt bis zum Ausbruch der Finanzkrise als außerordentlich erfolgreich, weil es angeblich Synergien zwischen den Bereichen ausnutzen konnte. Es wurde von einigen Konkurrenten darunter nicht zuletzt der Credit Suisse kopiert. "In der Überhöhung der Einheit lag ein Problem", hat Rohner nun erkannt. Künftig sollten "alle Einzelteile ohne fremde Hilfe funktionieren". Kritiker wie etwa der in der Schweiz populäre Privatbankier Konrad Hummler hatten immer wieder die Konzentration der Großbank aufs Vermögensverwaltungsgeschäft gefordert. Rohners Ankündigung geht nun zumindest ein Stück weit in diese Richtung.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Rohner spricht von "Mangel an Einfachheit und kritischer Distanz"

