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23.04.2008 
Offenbar werden mehr als 3 000 Stellen gestrichen

Krise zwingt UBS zu Strategieschwenk

von Oliver Stock

Beim regulären Aktionärstreffen der Schweizer Großbank UBS am Mittwoch in Basel hat Konzernchef Marcel Rohner eingestanden, dass im Zuge der Finanzkrise viele Fehler gemacht wurden. Daraus will das Institut nun Konsequenzen ziehen. Am stärksten muss das Investmentbanking bluten.

 Das Logo der Schweizer Bank UBS. Das Institut verabschiedet sich von der "integrierten Bank". Foto: dpaLupe

Das Logo der Schweizer Bank UBS. Das Institut verabschiedet sich von der "integrierten Bank". Foto: dpa

BASEL. Rohner gab bekannt, dass die Investmenteinheit künftig nicht mehr durch Gewinne aus dem florierenden Bereich der Vermögensverwaltung quersubventioniert wird. "Wir wollen nicht mehr alles für alle anbieten", sagte Rohner. Kundengeschäfte, die man sich mit größtem Bilanz- und Kapitaleinsatz erkaufen müsse, seien genauso wenig nachhaltig wie der Eigenhandel mit großen Konzentrationsrisiken und illiquiden Positionen. Wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr, gibt die UBS in der kommenden Woche einen radikalen Sparplan bekannt.

Beim Investment-Banking des Instituts in Westeuropa erwarten Insider einen Stellenabbau von mehr als 3 000 Mitarbeitern. Dies könnte aber erst der Anfang sein, möglicherweise komme es im Sommer zu weiteren Sparmaßnahmen, schätzen Beobachter. UBS verwies auf Nachfrage auf ein Interview, das Konzernchef Rohner vor wenigen Tagen gegeben hatte und in dem er Spekulationen über einen Abbau in Höhe von bis zu 4 000 Stellen als zu hoch bezeichnet hatte. Bisher bekannt gegeben ist die Zahl von 1 500 Stellen.

Die Bank, die im Zuge der Finanzkrise Verluste von knapp 40 Milliarden Franken (knapp 25 Milliarden Euro) eingefahren hat, vollzieht damit einen Schwenk in ihrer Strategie. Sie hat sich in den vergangenen Jahren stets als "integrierte Bank" angepriesen, die die Sparten Vermögensverwaltung für private und institutionelle Kunden sowie die Investmentbank unter einem Dach vereinte.

Das Modell galt bis zum Ausbruch der Finanzkrise als außerordentlich erfolgreich, weil es angeblich Synergien zwischen den Bereichen ausnutzen konnte. Es wurde von einigen Konkurrenten darunter nicht zuletzt der Credit Suisse kopiert. "In der Überhöhung der Einheit lag ein Problem", hat Rohner nun erkannt. Künftig sollten "alle Einzelteile ohne fremde Hilfe funktionieren". Kritiker wie etwa der in der Schweiz populäre Privatbankier Konrad Hummler hatten immer wieder die Konzentration der Großbank aufs Vermögensverwaltungsgeschäft gefordert. Rohners Ankündigung geht nun zumindest ein Stück weit in diese Richtung.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Rohner spricht von "Mangel an Einfachheit und kritischer Distanz"

Rohners Rede vor den Aktionären ist gleichzeitig ein Zeichen, dass die operative Führung der Bank gestärkt wird. Bisher hatte der gestern zurückgetretene UBS-Präsident Marcel Ospel als "aktiver Verwaltungsratspräsident" selbst das Tagesgeschäft maßgeblich beeinflusst. Peter Kurer, der Ospel als Präsident beerben soll, machte in seiner Rede vor den Aktionären klar, dass es künftig eine "unmissverständliche Grenzziehung" zwischen Konzernleitung, die für die Führung der Bank verantwortlich ist, und Verwaltungsrat, der die Strategie festsetzt, geben werde.

Neben einer Verkleinerung der Investmentbank kündigte Rohner weitere Änderungen an. Er räumte ein, dass sie die Bank zu sehr in komplizierte Geschäfte verhedderte habe. "Ein Mangel an Einfachheit und kritischer Distanz hat verhindert, frühzeitig genug die richtigen Fragen zu stellen", sagte der Konzernchef. Bereits im laufenden Quartal will die UBS dieses Problem angehen, in dem bei der Risikobeurteilung die Zuständigkeiten klarer verteilt werden. Das sogenannte "Chairmans Office", das zwischen Verwaltungsrat und Konzernleitung mitmischte und das aus den bei der UBS angestellten Mitgliedern des Verwaltungsrats bestand, wird abgeschafft. Stattdessen werde, so kündigte Kurer an, neu vom Verwaltungsrat ein Risikoausschuss eingesetzt, der ausschließlich aus unabhängigen Mitgliedern des Kontrollgremiums bestehen soll.

Daneben soll sich ein weiterer Ausschuss des Verwaltungsrats mit der Personalentwicklung beschäftigen. Kritiker hatten immer wieder bemängelt, dass das Thema vernachlässigt worden sei, was spätestens nach dem Abgang von Rohners Vorgänger Peter Wuffli und angesichts des monatelang an seinem Posten hängenden Präsidenten Ospel deutlich wurde. "Persönlichkeiten mit Kompetenzen im Finanzbereich müsste mindestens die Hälfte der Besetzung des Verwaltungsrats ausmachen", verlangte Dominique Biedermann, Chef der Anleger-Stiftung Ethos. Er forderte eine weitere außerordentliche Generalversammlung, um die Wahl weitere Verwaltungsräte im Sommer umzusetzen.

Die angesichts eines gebeutelten Aktienkurses und hoher Bonuszahlungen an einige UBS-Mitarbeiter aufgebrachten Aktionäre, von denen mehr als 4 000 nach Basel gekommen waren, sollten am Nachmittag einer Kapitalerhöhung in Höhe von umgerechnet zehn Mrd. Euro und der Wahl Kurers zum Nachfolger Ospels zustimmen. Beide Punkte dürften mit knappen Mehrheiten genehmigt werden.

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