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17.06.2008 
Liquiditätsmanagement

Krisenmanagement der EZB findet Anerkennung

von Marietta Kurm-Engels

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise lobten die Experten weltweit das Liquiditätsmanagement der Europäischen Zentralbank (EZB) über den grünen Klee. Wegen der wachsenden Inflationsgefahren mischen sich in das Urteil inzwischen aber auch kritische Töne.

Fuhr in der Krise eine andere Strategie als die US-Kollegen: die EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: dpaLupe

Fuhr in der Krise eine andere Strategie als die US-Kollegen: die EZB-Zentrale in Frankfurt. Foto: dpa

FRANKFURT. „Grundsätzlich hat es die EZB es richtig gemacht“, sagt Manfred J.M. Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn. „Sie hat die besondere Nachfrage der Banken nach zusätzlichem Zentralbankgeld, die aus dem Vertrauensproblem zwischen den Banken entstanden war, anstandslos befriedigt, und zwar zu unverändertem Zinsniveau.“ Die EZB habe sich damit angemessener verhalten als die US-Notenbank Fed, die „ängstlich“ das Zinsniveau drastisch gesenkt habe.

Wegen der Finanzmarktturbulenzen hat die EZB im Sommer 2007 eine angekündigte Zinserhöhung zurückgenommen und erst Anfang Juni wieder eine kleine Zinserhöhung in Aussicht gestellt. Dagegen hat die Fed ihren Leitzins zwischen September 2007 und April 2008 von 5,25 auf zwei Prozent gesenkt. Während die EZB den Banken seit Oktober 2007 zum geltenden Notenbankzins von vier Prozent unbegrenzt Liquidität anbietet, hat die Fed ihre Offenmarktgeschäfte nur zögerlich ausgedehnt.

Nach Ansicht von Neumann hätte die EZB wegen der starken Konjunktur im Euro-Raum nicht so lange damit warten dürfen, die Zinsen anzuheben. Sie schade damit ihrem Ruf, für Preisstabilität zu sorgen. Und Thorsten Polleit, Chefvolkswirt Deutschland bei Barclays Capital, findet, die vorigen Sommer angekündigte Zinserhöhung hätte mit Blick auf die Inflationsgefahren nicht ausgesetzt werden dürfen. Ohnehin versuchten die Notenbanken nur die Symptome zu kurieren, die sie durch ihre Jahre lange Niedrigzinspolitik mit verursacht hätten.

Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa der Deutschen Bank räumt ein, dass die „technischen Hilfen“ der Zentralbanken die Probleme an den Märkten nicht lösen werden. „Das ist wie Fieberbekämpfung bei einem Patienten, der an einer gefährlichen Infektionskrankheit leidet“, sagt er. Aber der Hunger nach Liquidität werde so lang anhalten, wie die Bankenkrise nicht beendet sei. Nach den Erfahrungen mit Bear Stearns hielten die Banken Liquidität vor, um die Aktionäre und das Management vor Überraschungen zu schützen. Für Mayer hat die EZB „ihre Sache gut gemacht“.

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