Im vergangenen Jahr hat die KfW mit mehr als 87 Mrd. Euro so viel gefördert wie noch nie. Nach dem Milliardenverlust des Instituts stellt sich die Frage nach den Konsequenzen. Sicher ist: Für die Zukunft muss sich das Förderinstitut neu aufstellen.
FRANKFURT/BERLIN. "Das allgemeine Fördergeschäft der KfW kann auf dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen Jahren fortgesetzt werden", versicherte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Interview des Handelsblatts. Für die Mittelstandsförderung aus dem ERP-Vermögen gebe es zudem entsprechende Garantien des Bundes. "Hier wird es keine Einbußen zu Lasten des Mittelstands geben", sagte er.
Im vergangenen Jahr hatte die KfW trotz Milliardenverlust mit mehr als 87 Mrd. Euro so viel gefördert wie noch nie. Dennoch macht ein Blick in den Finanzbericht des Instituts klar, dass die Rettung der IKB
die Förderleistung der KfW belastet: Obwohl die KfW mit den ehemaligen Marshall-Geldern, dem ERP-Sondervermögen, knapp 4,7 Mrd. Euro in ihre Kapitalrücklage gezahlt bekommen hat, fiel ihr Eigenkapital von 16,7 Mrd. Euro auf knapp 15 Mrd. Euro. Am Eigenkapital aber entscheidet sich die maximale Summe an Krediten, die vergaben werden können.
Der Schwund beim Eigenkapital liegt unter anderem daran, dass der Fonds für allgemeine Bankrisiken mit mehr als fünf Mrd. Euro durch die Belastungen aus der IKB
-Rettung
fast aufgebraucht ist. Das allein ist immerhin ein dreistelliger Millionenbetrag an Zinseinnahmen pro Jahr. Zudem belasten 1,4 Mrd. Euro an Verlustvortrag aus dem Jahr 2007 die künftigen Gewinne der Bank. Die KfW geht davon aus, dass ihr Betriebsergebnis vor Bewertungsbelastungen in den kommenden beiden Jahren leicht unter den knapp 1,4 Mrd. Euro des vergangenen Jahres liegen dürfte. Zwei Jahre lang dürfte sie also, wenn sie keine Vorsorge für die IKB
-Risiken
auflösen kann, an den Lasten zu arbeiten haben.
"Bisher ist noch nicht klar, wie sich die Belastungen auf die Förderleistung auswirken werden", sagte der Finanzierungsexperte des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Reinhard Kudiß. "Der Spielraum mag eingeengt werden, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das noch nicht sichtbar." Er gehe nicht davon aus, dass der Mittelstand bei der KfW ein Finanzierungsproblem bekommen werde. "Die Bank hat in den vergangenen Jahren einen sehr guten Job gemacht."
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spielt die Zeit gegen die Förderbank.
Das ERP-Sondervermögen ist zweckgebunden und darf nur zur Mittelstandsförderung verwendet werden. Aus Verwaltungsratkreisen der KfW verlautete, der Verwaltungsrat sei bereit, alles zu tun, damit das Fördergeschäft der staatlichen Bankengruppe nicht tangiert werde. Für Existenzgründer und kleine Unternehmen, kündigte die KfW, die nach dem Rücktritt von Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier kommissarisch von Wolfgang Kroh geführt wird, an, werde sie das Förderangebot 2008 ausbauen. Die Ratingagentur Standard & Poor?s bestätigte gestern wegen des Bundes im Rücken die besten Bonitätsnote AAA für die KfW. Dies ist wichtig, weil die KfW einen Großteil der Förderkredite über den Kapitalmarkt refinanziert.
Die Rettung der Mittelstandsbank IKB,
die sich mit Verbriefungsgeschäften an den Rand des Abgrunds manövriert hatte, hat die KfW insgesamt 7,2 Mrd. Euro gekostet und für knapp 6,2 Mrd. Euro Konzernverlust gesorgt. Dabei sind Marktentwicklungen aus dem ersten Quartal dieses Jahres schon in der Bilanz berücksichtigt. Allein deswegen mussten zusätzliche 1,8 Mrd. Euro auf die im Sommer von der IKB
übernommene Zweckgesellschaft Rhineland Funding abgeschrieben werden. In diesem Jahr will die KfW die Anlagen von Rhineland in zwei neuen Zweckgesellschaften auf die eigene Bilanz nehmen. Sie sind nun zu fast 90 Prozent abgeschrieben.
Ein Faktor für die weiteren Belastungen für die KfW ist der Preis, den sie beim Verkauf der IKB
erzielen wird. Bis zum 12. Mai müssen Interessenten verbindliche Angebote einreichen. Die KfW hält derzeit gut 45 Prozent an der IKB.
Nach der milliardenschweren Kapitalerhöhung könnte der Anteil aber auf mehr als 90 Prozent steigen. Bei der IKB
spiele die Zeit gegen die Bank, sagte Bankenexperte Johannes Wassenberg von der Ratingagentur Moody?s. Es sei nicht einfach, in einem schwierigen Umfeld die Kunden zu halten. "Mittelständler warten nicht zwei bis drei Jahre, bis sich die Lage wieder gebessert hat." Für Käufer sei die IKB
ein "womöglich schwieriges Erbe. Schließlich sehe man eine Kundenerosion.

