Die hohen Verluste der Landesbank Baden-Württemberg stoßen das Fusionskarussel im öffentlich-rechtlichten Sektor wieder an. Die Stuttgarter wollen jetzt offiziell mit der BayernLB verhandeln. Die Münchener reagieren zurückhaltend. Klar ist aber, dass bei den Landesbanken etwas passieren muss.
pk/HB HANNOVER. In das Ringen um Fusionen der durch die Finanzkrise in Bedrängnis geratenen Landesbanken kommt Bewegung. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wollen sich die Ministerpräsidenten der beteiligten Länder zu Beratungen treffen. Für Mittwoch kommender Woche sei eine Zusammenkunft geplant, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Freitag. "Die Finanzminister werden morgen (Samstag) das Gespräch vorbereiten, in der Hoffnung dass ein Eckpunktepapier über mögliche Geschäftsmodelle der Zukunft zustande kommt."
Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) signalisierte am Freitag in Stuttgart seine Bereitschaft zu Fusionsgesprächen, betonte aber, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sei derzeit mehr wert als die ebenfalls angeschlagene BayernLB. Gleichzeitig sagte Oettinger, er rechne mit in den Wochen bis zum Jahresende mit weiteren Verlusten.
Zuvor war bekannt geworden, dass die LBBW durch die Finanzkrise tiefer in die roten Zahlen gerutscht ist. Nach Angaben aus Bankenkreisen musste in den ersten neun Monaten ein Verlust von gut 880 Mio. Euro hingenommen werden. Ein Sprecher der Bank wollte keine Stellungnahme abgeben. Im ersten Halbjahr hatte das Minus nur 144 Mio. Euro betragen. Vor allem die übernommene SachsenLB und die voll integrierte frühere Landesbank Rheinland-Pfalz mit ihrer Luxemburg-Tochter hätten den Kreisen zufolge im dritten Quartal für erhebliche Belastungen gesorgt.
Die LBBW erhielt daraufhin von ihren Anteilseignern eine Kapitalspritze von 5 Milliarden Euro. Oettinger sagte, er gehe davon aus, dass die Kapitalerhöhung bis Ende Februar oder Anfang März vollzogen werde. Zudem will die LBBW die Inanspruchnahme von Garantien der Eigentümer von 15 bis 20 Milliarden Euro prüfen sowie von Garantien aus dem Rettungsfonds der Bundesregierung.
"Dass irgendwas geschehen muss, ist klar", sagte eine Person mit Kenntnissen über die Fusionsgespräche der Nachrichtenagentur Reuters. Im Zentrum der Beratungen steht das von den Sparkassen vorlegte Papier zur Neuordnung der Landesbanken-Landschaft. Demnach soll es künftig nur noch drei Landesbanken-Konzerne geben, die jeweils bestimmte Aufgaben erledigen. Der Idee zufolge soll zum einen die LBBW mit der BayernLB und Teilen der WestLB zusammenkommen, zum anderen die HSH Nordbank und die NordLB. Zudem soll die Helaba mit Teilen der WestLB und dem zentralen Fondsanbieter der Sparkassen, der DekaBank, fusioniert werden. Eine Option sei dabei noch, das Fondsgeschäft der Deka eigenständig zu belassen. Teile der Landesbank Berlin, die den bundesweit rund 450 Sparkassen fast komplett gehört, sollen in ein Modell integriert werden. Die Sparkassen, die neben den Ländern die Träger der Landesbanken sind, rechnen bei einem Zusammenschluss der sieben Landesbanken zu drei Instituten mit Kostensenkungen, aber auch mit dem Verlust von Arbeitsplätzen.


