Lebensversicherung : Die Konkurrenz lässt die Allianz hängen

Lebensversicherung
Die Konkurrenz lässt die Allianz hängen

Der Branchenführer Allianz Leben will gegenüber seinen Kunden durchsichtiger werden. Das ist im Sinne von Verbraucherschützern. Doch die Konkurrenz ziert sich, ebenfalls ihre Kosten offen zu legen. Kritiker fürchten, dass die Täuschung der Kunden weiter geht.
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´FrankfurtMaximilian Zimmerer lebt Transparenz nun auch persönlich vor. Der wichtigste Mann in der deutschen Lebensversicherung und der zweitwichtigste in der deutschen Allianz, der ADAG, zählte bisher zu den Managern, die sich gern rar machten. Um so ungewöhnlicher ist eine rasche, persönliche Antwort auf eine kritische Anfrage des Handelsblatts zur großen „Transparenzinitiative von Allianz Leben“ in der vergangenen Woche.

„Ich bin doch überrascht über Ihre erste negative Reaktion, die ich zumindest von den Teilnehmern am Pressegespräch so nicht verspürt habe“, schrieb Zimmerer dem Handelsblatt. In Berlin, auf dem glatten politischen Parkett, hatte der Manager – flankiert vom Branchenverband GDV – „ein Zeichen im Sinne der Transparenz“ gesetzt. Sein Ziel: Auf diese Weise den Kritikern der Branche, insbesondere Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, den Wind aus den Segeln nehmen. Gelungen ist es nur teilweise. Denn richtig durchsichtig wird die Allianz noch nicht, monieren die ersten Kritiker.

Allianz-Manager Zimmerer sieht das naturgemäß anders. In der Vergangenheit sei verschiedentlich gerade gefordert worden, dass die Branche mit einer neuen Kennzahl, der so genannten Renditeminderung oder auf englisch „Reduction in Yield“, die Kostentransparenz erhöhen könne. „Ich würde mich freuen, wenn auch Sie diese Aktivitäten positiv begleiten würden, denn je mehr sich diese Kennzahl im Wettbewerb durchsetzt, desto schneller wird sich die Kostentransparenz erhöhen“, schrieb Zimmerer weiter.

Das Problem des Allianz-Managers, der gleichzeitig auch Branchensprecher der Sparte ist: Viele der rund 100 deutschen Lebensversicherer wollen eigentlich nicht transparenter werden, vor allem nicht schnell. Die Vermittler der Branche machen mit der Unwissenheit der Kunden gute Geschäfte, und die Unternehmen haben mit der Vorbereitung auf das neue EU-Regelwerk Solvency II ohnehin alle Hände voll zu tun. Da kommen neue Transparenzregeln als Lehre aus der Finanzkrise zur Unzeit. Die Lebensversicherer, die sonst jede Kleinigkeit umgehend per Mitteilung verbreiten, schwiegen vergangene Woche nahezu alle. Branchenkritiker wie Mark Ortmann aus Berlin reagieren denn auch entsprechend gespalten: „Was jetzt gemacht wurde, ist nicht vergleichbar mit den Täuschungsmanövern in den letzten Jahren“, lobt der Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) zwar. „Es ist ein ernster und guter Schritt hin zu mehr Transparenz.“ Er merkt aber gleichzeitig an: „Das setzt aber voraus, dass alle mitmachen, was abzuwarten bleibt.“

Die Skepsis ist berechtigt, alle Manager wissen mindestens seit einem halben Jahr Bescheid, doch vergangene Woche bejubelte nur der kleine Konkurrent Standard Life die Allianz. Der Versicherer ist aber sowieso schon seit Jahren für mehr Transparenz.   

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